Mehr Geld für 60.000 Beschäftigte: Elektro-KV-Abschluss ist fix
Rund 60.000 Beschäftigte der Elektro- und Elektronikindustrie bekommen rückwirkend mit 1. Mai mehr Geld. Nach harten Verhandlungen gibt es auch höhere Schichtzulagen und neue Gesundheitstage.
Nach fünf Verhandlungsrunden steht der neue Kollektivvertrag für die Elektro- und Elektronikindustrie. Betroffen sind rund 60.000 Beschäftigte. Die Einigung gilt rückwirkend ab 1. Mai 2026 und läuft zwölf Monate. Bis zum Abschluss war es laut Gewerkschaften ein zähes Ringen. Insgesamt dauerten die Verhandlungen zwölf Wochen. Auch Betriebsversammlungen und Streikbeschlüsse waren notwendig.
Mehr Lohn
Die Mindestlöhne und Mindestgehälter steigen um 3 Prozent. Auch Lehrlingseinkommen, kollektivvertragliche Zulagen und Reiseaufwandsentschädigungen werden um 3 Prozent erhöht. Der neue Mindestlohn beziehungsweise das neue Mindestgehalt liegt bei 2.553,12 Euro. Bei den Ist-Löhnen und Ist-Gehältern gibt es eine Erhöhung um 1,85 Prozent plus 22 Euro. Damit steigen die Löhne und Gehälter laut Gewerkschaften um bis zu 2,7 Prozent. Die Ist-Erhöhung kann außerdem in zusätzliche Freizeit umgewandelt werden.
„… mussten sich die Belegschaften den Respekt und die Wertschätzung erst erkämpfen“
Mehr Geld gibt es auch für belastende Schichtarbeit. Die Zulage für die zweite Schicht steigt in drei Etappen bis 2028 auf 1,50 Euro pro Stunde. Die Zulage für die dritte Schicht steigt in zwei Etappen bis 2027 auf 4 Euro pro Stunde. „Es stand Spitz auf Knopf. Bis zuletzt boten die Arbeitgeber nur eine Mini-Erhöhung von einem Prozent an und erst heute kam endlich Bewegung in die Verhandlung. Mit Betriebsversammlungen, Solidarität und Streikentschlossenheit mussten sich die Belegschaften den Respekt und die Wertschätzung erst erkämpfen“, sagen Chefverhandler Reinhold Binder von der PRO-GE und Chefverhandlerin Eva Scherz von der GPA.
Neue freie Tage
Neben mehr Geld wurden auch Änderungen beim Rahmenrecht vereinbart. Eltern von Kindern mit Behinderung erhalten künftig eine zusätzliche Pflegefreistellung von einer Woche pro Jahr. Neu sind auch Gesundheitstage. Beschäftigte bekommen einen Gesundheitstag, wenn sie mindestens 20 Jahre im Betrieb sind und mindestens 40 Jahre alt sind. Zwei Gesundheitstage gibt es ab 20 Jahren Betriebszugehörigkeit und einem Mindestalter von 45 Jahren. Drei Gesundheitstage jährlich sind ab 20 Jahren Betriebszugehörigkeit und einem Mindestalter von 50 Jahren vorgesehen. Sobald die 6. Urlaubswoche erreicht wird, entfällt der Anspruch auf diese Gesundheitstage.
Beide Seiten zufrieden
Die Gewerkschaften sprechen von einem gemeinsamen Erfolg der Betriebsräte und Beschäftigten. „Das Gesamtpaket mit nachhaltigen Erhöhungen bei Löhnen, Gehältern, Zulagen, Aufwandsentschädigungen, mit mehr Geld für belastende Schichtarbeitszeiten sowie mit mehr Freizeitanspruch für Beschäftigte ab dem 40. Lebensjahr sind der gemeinsame Erfolg der Betriebsräte und Beschäftigten”, sagen Binder und Scherz. Auch die Arbeitgeberseite zeigt sich zufrieden. „Unser vorrangiges Ziel war es, in diesen durch geopolitische Verschiebungen, regulatorische Unsicherheiten und technologische Disruption wirtschaftlich herausfordernden Zeiten heuer deutlich unter der rollierenden Inflation abzuschließen – das ist uns gelungen. Der Fokus ist klar auf den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit gelegt, die gerade für die exportstarke Elektro- und Elektronikindustrie essenziell ist“, sagt FEEI-Obmann Wolfgang Hesoun.