Trotz Rückgang: Firmenpleiten bleiben in Österreich auf hohem Niveau
Die Zahl der Firmenpleiten ist in Österreich leicht gesunken. Dennoch mussten heuer bereits 3.401 Unternehmen Insolvenz anmelden. Besonders Handel, Bau und Gastronomie kämpfen weiter mit großen Problemen.
Auf den ersten Blick gibt es eine positive Nachricht: Die Zahl der Firmeninsolvenzen in Österreich ist im ersten Halbjahr 2026 leicht gesunken. Von Entwarnung kann aber keine Rede sein. Noch immer mussten durchschnittlich 19 Unternehmen pro Tag Insolvenz anmelden. Laut Hochrechnung des Kreditschutzverbandes KSV1870 waren seit Jahresbeginn 3.401 (-2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) Unternehmen von einer Insolvenz betroffen. „„Der leichte Rückgang ist ein positives Signal, dennoch bleibt die Zahl der Firmenpleiten auf einem unverändert hohen Niveau, das auch in der Vergangenheit nur selten verzeichnet wurde“, erklärt Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz.
Handel, Bau und Gastro besonders betroffen
Fast jede zweite Firmenpleite entfällt auf nur drei Branchen. Die meisten Insolvenzen gab es im Handel (553 Fälle), gefolgt von der Bauwirtschaft (495) und der Gastronomie beziehungsweise Beherbergung (441). Besonders die Gastronomie kämpft weiter mit steigenden Kosten und Personalmangel. Die Zahl der Insolvenzen stieg in diesem Bereich sogar um 8,4 Prozent. Hohe Energie- und Lebensmittelpreise, geringe Gewinnmargen und zurückhaltende Konsumenten setzen viele Betriebe unter Druck.
Fast 10.000 Beschäftigte betroffen
Von den Firmenpleiten waren nach Angaben des KSV1870 österreichweit rund 9.800 Arbeitnehmer betroffen. Die vorläufigen Verbindlichkeiten der insolventen Unternehmen summieren sich auf rund 4,2 Milliarden Euro. Der größte Insolvenzfall des Jahres betrifft die Laura Privatstiftung aus dem Signa-Umfeld mit Verbindlichkeiten von rund 1,7 Milliarden Euro.
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Große Unterschiede zwischen den Bundesländern
Während die Insolvenzzahlen österreichweit leicht zurückgingen, entwickelten sich die Bundesländer sehr unterschiedlich:
| Bundesland | Insolvenzen | Veränderung |
| Wien | 1.291 | -4,6 % |
| Niederösterreich | 569 | +2,5 % |
| Oberösterreich | 410 | +5,4 % |
| Steiermark | 388 | +2,6 % |
| Kärnten | 209 | +6,1 % |
| Salzburg | 176 | -18,5 % |
| Tirol | 152 | -30,9 % |
| Burgenland | 105 | -4,5 % |
| Vorarlberg | 101 | + 38,4 % |
Den stärksten Anstieg verzeichnete Vorarlberg. Dort schnellte die Zahl der Firmenpleiten um fast 40 Prozent nach oben. Als Hauptproblem gilt die anhaltende Krise in der Bauwirtschaft. Tirol und Salzburg entwickelten sich hingegen deutlich besser. Tirol verzeichnete mit minus 30,9 Prozent den stärksten Rückgang aller Bundesländer, Salzburg lag mit minus 18,5 Prozent auf Platz zwei.
Wien bleibt Pleite-Hauptstadt
Mit 1.291 Firmeninsolvenzen entfielen fast 38 Prozent aller österreichischen Unternehmenspleiten auf Wien. Das bedeutet zwar einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr, dennoch mussten in der Bundeshauptstadt durchschnittlich sieben Unternehmen pro Tag Insolvenz anmelden. Besonders auffällig: Bei fast jedem zweiten insolventen Wiener Unternehmen wurde gar kein Insolvenzverfahren eröffnet, weil nicht einmal mehr genug Vermögen vorhanden war, um die Gerichtskosten zu bezahlen. Solche nicht eröffneten Verfahren können für den Wirtschaftsstandort zum Problem werden, da Gläubiger die Verluste daraus zur Gänze abschreiben müssen. Götze erklärt:
Je mehr solcher nicht eröffneten Verfahren vorliegen, desto schwieriger wird es auch für finanziell gesunde Unternehmen, ihre wirtschaftliche Stabilität langfristig zu halten.“
Keine Entwarnung
Warum die Insolvenzzahlen trotz schwacher Wirtschaft leicht gesunken sind, lässt sich derzeit schwer beurteilen. Experten verweisen auf neue gesetzliche Regelungen, die seit Anfang des Jahres gelten und möglicherweise Auswirkungen auf die Zahl der eröffneten Verfahren haben. Der KSV1870 rechnet deshalb nicht mit einer raschen Entspannung. Zwar dürfte die Zahl der Firmenpleiten heuer das Vorjahresniveau von rund 6.800 Insolvenzen nicht überschreiten, viele Unternehmen kämpfen aber weiterhin mit schwacher Nachfrage, hohen Finanzierungskosten und steigenden Personalkosten.