Kroatien: Touristen lassen sich von verletztem Delfin durchs Meer ziehen
Meeresbiologen schlagen Alarm und appellieren eindringlich an Kroatien-Urlauber, den Delfin Oliver in Ruhe zu lassen. Der Große Tümmler legt nämlich ein ungewöhnliches Verhalten an den Tag.
Viele Urlauber freuen sich, wenn plötzlich ein Delfin neben ihrem Boot auftaucht oder sogar mit ihnen schwimmt. Doch genau das bereitet Meeresbiologen derzeit große Sorgen. Der junge Große Tümmler Oliver, der bereits seit einigen Jahren im Novigrader Meer und im Velebit-Kanal in Kroatien unterwegs ist, sucht gezielt die Nähe von Menschen – und bringt sich damit in Gefahr. Denn die Badegäste verhalten sich teilweise wirklich schockierend: Auf Fotos und Videos ist laut dem Blue World Institute zu sehen, wie Touristen den Delfin sogar an seiner Rückenflosse festhalten und sich von ihm durchs Wasser ziehen lassen.
Seil hatte sich um Schwanz gewickelt
Die Forscher kennen Oliver bereits seit 2021. Damals war der Große Tümmler noch mit seiner Mutter unterwegs. Zwei Jahre später entdeckten sie ein Seil, das sich um seinen Schwanz gewickelt hatte. Ein Rettungsversuch im Jahr 2024 scheiterte, weil sich der Delfin nicht einfangen ließ. Jetzt gibt es immerhin eine gute Nachricht: Oliver hat sich selbst von dem Seil befreit. Ohne Folgen blieb die Verletzung aber nicht. „“Aufnahmen zeigen deutlich, dass Teile sowohl der linken als auch der rechten Seite seiner Schwanzflosse abgetrennt wurden. Zudem sind an der Schwanzwurzel noch immer Narben sichtbar“, schildert das Blue World Institute. Dennoch scheint sich der Delfin gut erholt zu haben. Er schwimmt und taucht normal und dürfte ausreichend Nahrung finden.
Hast du schon einmal Delfine gesehen?
Oliver ist anders als andere Delfine
Was die Wissenschaftler besonders beschäftigt: Oliver verhält sich völlig anders als die meisten Großen Tümmler. Seit dem Verschwinden seiner Mutter wurde er nie wieder gemeinsam mit anderen Delfinen beobachtet. Stattdessen spielt er mit Bojen, nähert sich Booten und sucht immer wieder den Kontakt zu Schwimmern. „„Ein solches Verhalten ist typisch für sogenannte Einzelgänger-Delfine. Mit diesem Begriff bezeichnen wir Tiere, die sich von Artgenossen absondern und die meiste Zeit allein verbringen – ohne sozialen Kontakt zu anderen Delfinen“, erklären die Experten des Blue World Institute. Warum sich manche Delfine dauerhaft von ihrer Gruppe trennen, ist bis heute ungeklärt.
Nähe zu Menschen kann gefährlich werden
Die Experten warnen eindringlich davor, mit Oliver zu schwimmen oder ihn auch nur anzufassen. „Störungen, Belästigungen und gezielte Eingriffe können aggressives Verhalten auslösen. Zudem können die plötzlichen Bewegungen des Delfins Menschen verletzen, selbst dann, wenn er lediglich mit Schwimmern ,spielt‘ oder sich in ihrer Nähe aufhält“, betont das Blue World Institute. Zudem können Krankheiten zwischen Menschen und Delfinen übertragen werden. In der Vergangenheit endete das Schicksal vieler Einzelgänger-Delfine tragisch. Einige wurden durch den intensiven Kontakt mit Menschen verletzt oder sogar getötet. Die Experten halten jedoch fest:
In den meisten Fällen war das aggressive Verhalten von Delfinen eine Reaktion auf unangemessenes Verhalten von Menschen – etwa wenn versucht wurde, auf den Tieren zu reiten, sie zu schlagen, an ihren Flossen zu ziehen oder ihnen, wie in einem Fall, sogar Eis in das Blasloch zu stopfen.“
So gehst du richtig mit Delfinen um
Große Tümmler sind eine streng geschützte Art. Jegliche Interaktion mit den Tieren ist gesetzlich verboten. Das Blue World Institute appelliert deshalb an Kroatien-Urlauber und Bootsfahrer:
- Delfine niemals anfassen oder an den Flossen festhalten.
- Nicht gemeinsam mit den Tieren schwimmen.
- Delfine keinesfalls füttern.
- Genügend Abstand halten und die Tiere nicht mit Booten verfolgen.
- Kindern keinen direkten Kontakt erlauben.
Oliver-Sichtungen melden
Die Hoffnung der Forscher: Wenn Menschen Oliver künftig in Ruhe lassen, könnte der erst acht bis neun Jahre alte Delfin wieder Anschluss an Artgenossen finden. Das wäre nämlich seine beste Chance auf ein langes Leben. Wenn du Oliver an der Küste Kroatien siehst, solltest du die Sichtung an das Blue World Institute per Mail oder via Facebook melden.