Skip to content
/ ©Rene Hemerka
Kostbar Markt
Der Kostbar Markt ging im Rahmen einer Lebensmittelübergabe mit Bundesminister Norbert Totschnig von der Pilotphase in den Vollbetrieb über.

„Kostbar Markt“ startet durch: Wie diese neue Plattform tonnenweise Essen vor dem Müll rettet

In Österreich gehen jährlich 288.800 Tonnen Lebensmittel in der Produktion verloren, während Sozialmärkten die Ware ausgeht. Die neue Online-Plattform kostbarmarkt.at löst dieses Problem und startet jetzt.

von Online Redaktion Logo 5 Minuten
2 Minuten Lesezeit(476 Wörter)
Wählen Sie 5min.at als bevorzugte Google-Quelle

Jedes Jahr gehen in Österreich rund 288.800 Tonnen Lebensmittel bereits in der Landwirtschaft und der Produktion verloren. Gleichzeitig stehen soziale Einrichtungen und Sozialmärkte (SOMAs) vor einer großen Herausforderung: Da der Lebensmitteleinzelhandel seine Warenplanung optimiert hat, fällt in den Supermarktfilialen immer weniger genusstaugliche Ware für den guten Zweck ab und das bei stetig steigendem Bedarf.

Kostbar Markt
©Rene Hemerka

Um diese Lücke zu schließen, hat das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) im Jahr 2025 die Entwicklung des „Kostbar Marktes“ beauftragt. Nach einer erfolgreichen Pilotphase seit Anfang 2026 wurde die Online-Plattform nun im Rahmen einer Lebensmittelübergabe beim Wiener Hilfswerk offiziell in den Vollbetrieb überführt.

Einfache digitale Lösung für komplexe Überschüsse

Betrieben wird der Kostbar Markt im Auftrag des Ministeriums von dem erfahrenen Team von „Unverschwendet“ rund um die Gründer Cornelia und Andreas Diesenreiter. Die Plattform vernetzt landwirtschaftliche Betriebe, Produzenten und den Handel kostenlos und unkompliziert mit gemeinnützigen Hilfsorganisationen. Das Besondere daran: Im Gegensatz zu verkaufsfertiger Supermarktware handelt es sich hier oft um Produkte, die zusätzlichen Aufwand erfordern wie gebrochene Karotten, Marillen mit Schalenfehlern oder erdige Kartoffeln in Großkisten. Auch Restposten, Retourwaren, Fehlbefüllungen, Fehletikettierungen oder Nachernten (sogenannte B- und C-Ware) werden so digital vermittelt und vor der Tonne bewahrt.

„Lebensmittel sind ein kostbares Gut und gehören auf den Teller, nicht in den Müll. Mit dem Kostbar Markt sorgen wir dafür, dass überschüssige Lebensmittel aus der Landwirtschaft und der Lebensmittelproduktion rasch und unkompliziert dort ankommen, wo sie dringend gebraucht werden.“ — Umweltminister Norbert Totschnig

Beeindruckende Bilanz schon nach der Pilotphase

Dass das Konzept aufgeht, zeigen die ersten Zahlen seit dem Start der Pilotphase: Über 4.000 Tonnen Überschuss wurden bereits auf der Plattform angeboten. 824 Tonnen Lebensmittel konnten erfolgreich gerettet und vermittelt werden. Dies entspricht dem Äquivalent von 1,6 Millionen Mahlzeiten (gerechnet mit 500 Gramm pro Mahlzeit). Und: Mehr als 80 mildtätige Organisationen in ganz Österreich nutzen das Angebot bereits von der kleinen Einrichtung in einem Tiroler Tal bis hin zu großen sozialen Institutionen in Wien.

Kostbar Markt
©Rene Hemerka
Über die Plattform werden überschüssige Lebensmittel an soziale Einrichtungen vermittelt.

Ein wichtiger Beitrag zur Armutsprävention

Für die sozialen Einrichtungen ist die Plattform ein echter Gamechanger. Simon Blatzer, Geschäftsführer des Wiener Hilfswerks, betont die Relevanz für die Praxis: „Die Nachfrage in unseren Sozialmärkten ist ungebrochen hoch. Um armutsgefährdete Menschen adäquat versorgen zu können, sind wir auf Lebensmittelspenden angewiesen insbesondere bei Grundnahrungsmitteln sowie Obst und Gemüse.“ Der Kostbar Markt eröffne hier neue digitale Wege für Warenspenden und sichere so ein würdevolles, selbstbestimmtes Einkaufen.

Kostbar Markt
©Rene Hemerka

Aufruf an Betriebe und Organisationen

Die Plattform soll nun kontinuierlich weiter ausgebaut werden. Landwirtschaftliche Betriebe, Händler und Produzenten, die Überschüsse im Betrieb haben, sowie soziale Einrichtungen mit Bedarf können sich kostenlos unter www.kostbarmarkt.at registrieren.

Du hast einen #Fehler gefunden? Jetzt melden.
Mehr Interessantes