Aufpreis, Ticket, Entschädigung: EU beschließt Upgrade für Flugreisende
Nach 11 Jahren Blockade ist es fix: Das EU-Parlament hat neue Fluggastrechte beschlossen. Passagiere profitieren künftig von sicherem Geld bei Verspätungen und kostenlosen Sitzplätzen für Familien.
Die umstrittene Reform der EU-Fluggastrechte steht kurz vor der endgültigen Umsetzung. Nach jahrelangen Verhandlungen hatten sich das Europaparlament und der Rat der Mitgliedsländer im Juni in einem Vermittlungsausschuss auf einen Kompromiss geeinigt. Am Dienstag hat das EU-Parlament in Straßburg die neuen Regelungen offiziell verabschiedet. Sie gelten für alle EU-Fluglinien sowie für alle Airlines, die von einem EU-Flughafen starten. Es fehlt nur noch die formale Zustimmung des Rates.
Volle Entschädigung ab drei Stunden Verspätung
Das EU-Parlament konnte sich in einem zentralen Punkt gegen die Wünsche der EU-Länder durchsetzen: Der Rat wollte Entschädigungen erst ab einer Verspätung von vier bis sechs Stunden gewähren. Nun bleibt es jedoch wie bisher bei der Grenze von drei Stunden. Zudem müssen die Fluggesellschaften ihre Passagiere künftig aktiv darüber informieren, wie sie die Entschädigung wirksam beantragen können. Die finanzielle Entschädigung bleibt weiterhin nach der Reisedistanz gestaffelt:
- Bis 1.500 Kilometer: 250 Euro
- Bis 3.500 Kilometer: 400 Euro
- Über 3.500 Kilometer: 600 Euro
Eine wichtige Voraussetzung bleibt, dass die Fluglinie die Schuld an der Verspätung trägt. Eine festgelegte Liste außergewöhnlicher Umstände (wie Naturkatastrophen, extremes Wetter oder Streiks) befreit die Airlines weiterhin von der Zahlungspflicht.
Kostenlose Sitzplätze für Familien und Papier-Tickets
Eine wesentliche Verbesserung gibt es für Familien mit minderjährigen Kindern: Diese müssen im Flugzeug künftig nicht mehr verstreut sitzen. Familien erhalten das Recht, ohne Aufpreis Sitzplätze nebeneinander zu buchen. Zudem gibt es eine Absage an den reinen Digital-Zwang: Passagiere müssen digitale Boardingpässe nicht zwingend akzeptieren, sondern haben auf Wunsch das Recht auf einen kostenlosen Papier-Pass.
Kompromiss beim Handgepäck
Der Wunsch des EU-Parlaments nach der generellen Gratis-Mitnahme eines kleinen Koffers wurde im finalen Kompromiss nicht erfüllt. Airlines behalten hier weiterhin Spielraum, was laut Sophia Kircher, der Verkehrssprecherin der ÖVP im Europaparlament, eine „Restunsicherheit“ hinterlässt. Dennoch gibt es eine Neuerung für mehr Preistransparenz: Der bei der Buchung angezeigte Basispreis muss künftig ein kleines Handgepäckstück enthalten, um den Preisvergleich zu erleichtern. Weitere Gepäckstücke dürfen extra kosten.
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Der lange Weg zur Reform
Bereits im Jahr 2014 hatte die EU-Kommission den Vorschlag zur Aktualisierung der Fluggastrechte vorgelegt. Unterschiedliche Positionen der Mitgliedstaaten blockierten das Vorhaben jedoch elf Jahre lang. Nach einer politischen Einigung der EU-Minister im Juni 2025 und zunächst gescheiterten Verhandlungen im Herbst 2025 brachte erst der Vermittlungsausschuss den Durchbruch. Auch Helmut Brandstätter, EU-Delegationsleiter der NEOS, zeigte sich erfreut darüber, dass die Regelung noch vor der Hauptreisezeit des Sommers beschlossen werden konnte.
Klarer Erfolg für den Konsumentenschutz
Sophia Kircher, Verkehrssprecherin der ÖVP im Europaparlament und stv. Vorsitzende des Verkehrsausschusses, verbucht das Ergebnis als klaren Erfolg für den Konsumentenschutz im Flugverkehr, der nach mehr als zehn Jahren und vielen schwierigen Verhandlungen durchgesetzt werden konnte. „Die Flugpassagierrechte werden nicht beschnitten, sondern EU-rechtlich abgesichert und noch ausgebaut. Das ist ein solides Upgrade für die Flugreisenden in Europa, ein Downgrade hätten wir nicht mitgetragen. Das war stets unsere Verhandlungslinie“, betont Kircher. Für die Fluggäste bedeute der Beschluss vor allem das Ende einer langen Hängepartie: „Das ist ein guter Tag für Flugreisende in Europa, endlich gibt es wieder Rechtssicherheit für Passagiere und Fluglinien beim Konsumentenschutz über den Wolken.“ Bezüglich der uneinheitlichen Handgepäckgrößen schränkt die ÖVP-Verkehrssprecherin jedoch ein: „Leider haben wir es nicht geschafft, einheitliche Handgepäckgrößen festzulegen. Hier haben die Fluglinien einen Spielraum, es bleibt eine Restunsicherheit.“