Festnahme: Falsche 24-Stunden-Pflegerin soll Senioren jahrelang bestohlen haben
Über Jahre soll eine 24-Stunden-Pflegerin pflegebedürftige Menschen in Österreich, Deutschland und der Schweiz bestohlen haben. Jetzt klickten die Handschellen. Der Schaden liegt bereits bei rund 70.000 Euro.
Was eigentlich Sicherheit und Unterstützung bedeuten sollte, endete für mehrere pflegebedürftige Menschen offenbar mit einem schweren Vertrauensbruch. Eine 43-jährige 24-Stunden-Pflegerin steht im Verdacht, ihre Klienten über Jahre hinweg bestohlen zu haben. Die steirische Polizei spricht von einer Diebstahlsserie, die sich über mehrere Länder erstreckt. Die Frau sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft.
Ermittlungen begannen nach Diebstahl in Eisenerz
Ins Rollen kamen die Ermittlungen nach einem Vorfall im Mai 2026 in Eisenerz (Bezirk Leoben). Die Rumänin war über eine Vermittlungsagentur als 24-Stunden-Pflegerin für einen 75-jährigen Pensionisten engagiert worden. Statt der vereinbarten 28 Tage blieb sie jedoch nur vier Tage. In der Nacht auf den 17. Mai verließ sie plötzlich die Wohnung ihres Klienten. Wie sich später herausstellte, sollen mehrere hundert Euro Bargeld sowie Goldschmuck verschwunden sein. Laut Polizei löschte die Frau außerdem ein auf dem Handy des Pensionisten gespeichertes Foto von sich.
Ermittler decken mutmaßliche Diebstahlsserie auf
Die weiteren Ermittlungen des Landeskriminalamtes Steiermark brachten noch deutlich mehr ans Licht. Demnach soll die 43-Jährige bereits seit 2019 als 24-Stunden-Pflegerin bei verschiedenen Familien in Österreich gearbeitet haben. Dabei soll sie laut Polizei die Identität einer bereits verstorbenen, annähernd gleichaltrigen Rumänin verwendet haben. Zwischen 2022 und ihrer Rückkehr nach Österreich soll sie zudem auch in Deutschland und der Schweiz pflegebedürftige Menschen bestohlen haben.
Bargeld, Schmuck und Wertgegenstände verschwunden
Den Ermittlern zufolge soll die Frau immer wieder Bargeld, Schmuck und andere Wertgegenstände aus den Wohnungen ihrer Klienten entwendet haben. Besonders erschütternd ist ein Fall, den die Polizei als besonders skrupellos beschreibt: Um nach einem nächtlichen Diebstahl ungestört flüchten zu können, soll die Tatverdächtige sogar die Stromversorgung des Notrufsystems eines bettlägerigen Pflegebedürftigen durchtrennt haben. Bislang werden der 43-Jährigen in Österreich mindestens acht Diebstähle zur Last gelegt. Der bisher bekannte Schaden beläuft sich laut Polizei auf rund 70.000 Euro. Die Ermittler gehen allerdings davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Opfer deutlich höher liegen könnte. Nicht alle Diebstähle seien vermutlich bemerkt oder angezeigt worden.
Festnahme nach europäischem Haftbefehl
Nach dem jüngsten Fall in Eisenerz erwirkte das Landeskriminalamt Steiermark einen Europäischen Haftbefehl. Ungarische Behörden nahmen die Frau schließlich bei einer Reisebewegung fest. Nach ihrer Auslieferung nach Österreich verweigerte sie bislang die Aussage zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Steyr wurde die 43-Jährige in die Justizanstalt Linz eingeliefert. Gegen sie wird wegen des Verdachts des schweren gewerbsmäßigen Diebstahls ermittelt. Die Ermittlungen dauern an. Die Polizei prüft derzeit, ob weitere bislang unbekannte Geschädigte betroffen sind.