Insolvenzen in Österreich: Gesamtzahl steigt weiter
Österreichs Firmen melden weniger eröffnete Insolvenzen, doch insgesamt steigt die Zahl der Pleiten. Auch Privatkonkurse nehmen zu - alte Immobilienpleiten treiben die Schulden in die Höhe, zeigt der AKV.
Österreichs Wirtschaft erholte sich im ersten Halbjahr 2026 nur mäßig, zugleich blieb die Lage auf den Weltmärkten angespannt. Nach drei Rekordjahren wurden 2.005 Firmeninsolvenzen eröffnet, um 7,69 Prozent weniger als 2025; das sind monatlich 334 und wöchentlich 77 Verfahren. Weitere 1.654 Anträge wurden mangels Masse abgewiesen, weil nicht einmal 4.000 Euro für ein Verfahren vorhanden waren. Damit stiegen die Firmeninsolvenzen samt Abweisungen um 1,50 Prozent auf 3.659; 57,11 Prozent der Eröffnungen gingen auf Gläubigeranträge zurück.
Länder im Vergleich
Am stärksten sanken die eröffneten Firmeninsolvenzen in Tirol mit 29,32 Prozent, Wien mit 14,27 Prozent und Salzburg mit 10,43 Prozent. Rückgänge gab es auch in Niederösterreich, Oberösterreich und Kärnten, das Burgenland blieb unverändert. Gegen den Bundestrend stiegen die Zahlen in Vorarlberg um 51,11 Prozent und in der Steiermark um 12,79 Prozent. Die meisten Verfahren gab es in Wien mit 685, Niederösterreich mit 353 und der Steiermark mit 291 Fällen.
Milliardenschulden
Die Passiva sanken um 39,46 Prozent auf 4,65 Milliarden Euro, weil weniger große Immobilienentwickler insolvent wurden; 2024 waren es noch insgesamt 22,3 Milliarden Euro. Größter Fall war die Laura Privatstiftung mit angemeldeten Forderungen von 1,70 Milliarden Euro, von denen zunächst rund 32 Millionen anerkannt wurden und weitere offen sind. Dahinter folgten die Georg-Coch-Platz Immobilien GmbH & GmbH OG mit 320 Millionen Euro und die LL-resources GmbH mit 130,75 Millionen Euro. Die höchsten Branchenschulden entfielen mit 1,92 Milliarden Euro auf Finanzdienstleister und mit 837,73 Millionen Euro auf Grundstücks- und Wohnungswesen.
Jobs und Sanierung
Bei Insolvenzeröffnung waren 7.951 Arbeitsplätze betroffen, um 5,09 Prozent mehr als 2025; frühere Kündigungen sind darin nicht enthalten. Die größten Belegschaften hatten Wollsdorf Leder mit 361, EITEK mit 319, Nothegger Transport Logistik mit 191, Hellweg mit 165 und Mediashop mit 163 Beschäftigten. Die meisten Pleiten gab es im Bau mit 471, im Handel mit 460 und in der Gastronomie mit 368 Fällen; in der Produktion waren 1.692 und im Handel 1.470 Arbeitsplätze betroffen. Nur 20,95 Prozent der aufgehobenen Verfahren endeten mit Sanierungsplan, während die Nullquote auf 33,02 Prozent stieg.
Privatpersonen unter Druck
Bei Privatpersonen stiegen die eröffneten Insolvenzen um 4,80 Prozent auf 4.718; samt 453 Abweisungen waren es 5.171 Fälle, wöchentlich wurden 181 Verfahren eröffnet. Zuwächse gab es in sechs Bundesländern, am stärksten in Oberösterreich mit 16,27 Prozent; Kärnten, Tirol und Wien meldeten Rückgänge. Ehemalige Gesellschafter und Geschäftsführer insolventer Immobilienfirmen trieben die Passiva auf 830,7 Millionen Euro und die Durchschnittsschuld auf 176.000 Euro; Männer lagen bei 219.700 Euro, Frauen bei 101.000 Euro. Zwei Drittel der 4.088 abgeschlossenen Privatkonkurse endeten mit Zahlungsplan, und der AKV erwartet 2026 mehr als 7.300 Firmeninsolvenzen samt Abweisungen sowie über 9.000 eröffnete Privatinsolvenzen. Am häufigsten betroffen waren 40- bis 59-Jährige; der erwartete Ansturm vor einer möglichen Rückkehr zum fünfjährigen Abschöpfungsverfahren ab 17. Juli blieb aus.