Cyberangriff auf Ministerium: Russische Hacker sollen verantwortlich sein
Der spektakuläre Cyberangriff auf das österreichische Außenministerium ist auch Jahre später noch nicht abgeschlossen: Eine neue EU-Bewertung sorgt nun für diplomatische Konsequenzen gegenüber Russland.
Mehr als fünf Jahre nach dem schweren Cyberangriff auf das österreichische Außenministerium zieht die Bundesregierung diplomatische Konsequenzen. Der russische Botschafter wurde in Wien einbestellt, nachdem die Europäische Union den Angriff erstmals offiziell einer vom russischen Geheimdienst gesteuerten Hackergruppe zugeordnet hat.
Interne Daten sollen ausgespäht worden sein
In einer gemeinsamen Erklärung aller 27 EU-Mitgliedstaaten wurde nun bestätigt, dass die Hackergruppe Turla hinter der Cyberattacke rund um den Jahreswechsel 2019/2020 steckt. Die Gruppe soll laut Außenministerium vom 16. Zentrum des russischen Geheimdienstes FSB kontrolliert werden. Bei dem Angriff wurden interne Informationen mit Russland-Bezug aus den IT-Systemen des Ministeriums abgegriffen. Die Behörden kämpften damals mehrere Wochen lang mit den Folgen der Attacke, ehe der Angriff endgültig unter Kontrolle gebracht werden konnte. Neben Österreich waren laut EU auch Deutschland, Finnland, Frankreich, die Niederlande, Polen, Rumänien, die Slowakei und Zypern Ziel ähnlicher Cyberangriffe.
„Cyberangriffe sind inakzeptabel“
Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) erklärte gegenüber der „Presse“, dem russischen Botschafter sei unmissverständlich mitgeteilt worden, dass Cyberangriffe gegen Österreich nicht akzeptiert würden. Sie warnte zugleich vor den Folgen solcher Attacken: Fallen etwa Zahlungssysteme, Bahnen oder Krankenhäuser aus, betreffe das die gesamte Bevölkerung. Europa sehe sich immer häufiger mit Cyberangriffen konfrontiert, Russland zähle dabei zu den wichtigsten Akteuren. Auch Staatssekretär Jörg Leichtfried (SPÖ) verurteilte die mutmaßlich russischen Cyberangriffe scharf. Sie seien ein Angriff auf die österreichische Souveränität und hätten das Ziel, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft langfristig zu destabilisieren.