„Einer am Tisch leidet immer am meisten“: Warum Wespen bestimmte Menschen verfolgen und stechen
Die Wespe: Sie macht sich nicht nur über herzhafte und süße Speisen her, sondern sticht auch wesentlich schneller zu als Bienen. Interessanterweise scheinen manche Personen ihre Stiche besonders anzuziehen.
Hunderte Wespenarten leben in Österreich, doch für Ärger am Esstisch sorgen fast ausschließlich die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Anders als ihre friedlicheren Verwandten, die sich von Blütennektar oder Insekten ernähren, machen sie sich direkt über Wurst und Fleisch her. Gegen Spätsommer steigt dann ihr Appetit auf Süßes wie Obstkuchen oder Limonade. Nicht selten teilen die Tiere bei ihren Besuchen am Esstisch oder auf der Picknickdecke Stiche aus. Das passiert selbst Menschen, die weder essen noch sich hektisch bewegen.
So mancher Duft macht die Tierchen verrückt
Warum interessieren sich Wespen manchmal für Menschen, die absolut nichts zu essen dabeihaben? Dahinter stecken in vielen Fällen spezifische Düfte, die für die Insekten unwiderstehlich riechen.
Diese Düfte lieben Wespen:
- Florale Düfte: Auch wenn sie keine großen Bestäuber sind, besuchen Wespen Blumen, um ihren Zuckerbedarf mit Nektar zu decken. Daher werden sie von blumigen Düften angezogen.
- Fruchtige Düfte: Auch der Fruchtzucker reifer Früchte liefert Wespen Energie, weshalb sie fruchtige Duftnoten unwiderstehlich finden.
Viele Inhaltsstoffe in Kosmetika und Parfüms wirken auf Wespen attraktiv, ohne dass wir es merken. Dazu gehören unter anderem Duftnoten, die an reifes, gärendes Obst oder bestimmte Kohlenhydrate erinnern.
Gelb-und Grüntöne ziehen Wespen stark an
Neben Düften spielt auch die Kleidung eine Rolle: Gelb- und Grüntöne ziehen Wespen besonders stark an, da sie diese Farben hervorragend wahrnehmen. Zudem können die Insekten – anders als wir – ultraviolettes Licht sehen, weshalb selbst weiße Stoffe attraktiv auf sie wirken. Rot hingegen lässt Wespen völlig kalt. Das berichtet das Magazin „Petbook“. Die Tiere nehmen den Ton nicht als Farbe wahr, sondern sehen ihn eher als ein dunkles Schwarz.
Manchmal liegt es auch am eigenen Körpergeruch
Manchmal ist es auch einfach der eigene Körperduft, der Wespen anlockt oder Stiche provoziert. Die Ursache – ob Schweißkomponenten oder Pheromone – ist wissenschaftlich noch offen. Aus meiner imkerlichen Praxis weiß ich aber: Es gibt Menschen, die von Bienen und Wespen regelrecht verfolgt werden, selbst wenn das Volk eigentlich als absolut sanftmütig bekannt ist.
Wespenstich bedeutet für Artgenossen Gefahr
Beim Stich sondern Wespen übrigens ein sogenanntes Alarmpheromon ab. Dieser Duftstoff signalisiert Artgenossen in der Nähe unmittelbare Gefahr und markiert den Feind. Das Pheromon besteht aus einem komplexen Gemisch verschiedener Substanzen, die bis heute nicht vollständig entschlüsselt sind. Laut einer italienischen Übersichtsstudie von 2010 ist einer der Hauptbestandteile des Alarmpheromons der Gemeinen Wespe: N-(3-Methylbutyl)acetamide. Die chemische Verbindung lässt sich in einigen Lebensmitteln nachweisen, insbesondere in Wein und anderem Alkohol. Ähnliche Duftstoffe könnten jedoch auch in Pflegeprodukten stecken. Genau das dürfte einer der Hauptgründe sein, warum manche Menschen trotz vollkommener Ruhe ins Visier der Tiere geraten.