Nach Kinderbetreuungs-Eklat: Jetzt meldet sich Stocker zu Wort
Während seiner Sommertour löste Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) Kritik aus, als er unbezahlte Kinderbetreuung öffentlich nicht als Arbeit einstufte. Nun bezieht er dazu Stellung.
Für Schlagzeilen sorgte Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) bei einem Sommertour-Stopp im Salzburger Hotel Pitter: In einer Runde mit 200 ausgewählten Bürgern wurde er auf die durchschnittlich 96 Stunden wöchentlicher unbezahlter Kinderbetreuung durch Frauen angesprochen und löste mit seiner Reaktion Diskussionen aus. Es hagelte sowohl von der Opposition, als auch vom dort anwesenden Publikum heftige Kritik.
Erziehung sei Verantwortung und kein wirtschaftlicher „Business Case“
Kanzler Stocker verteidigte sein Familienbild unter Buhrufen: Familie bedeute gegenseitige Verantwortung statt finanzielle Gegenleistung oder ein ökonomischer „Business Case“. Kinderbetreuung verstehe er daher nicht als Arbeit – auch seine eigenen Kinder habe er nicht als „Rechenbeispiel“ erzogen. Es folgte sowohl mediales Aufsehen als auch Empörung innerhalb der Politik.
Unverständnis auch aus eigenen Reihen
Auch aus den eigenen Reihen kam Kritik: Salzburgs Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP) stellte sich gegen die Aussage ihres Parteikollegen. Gegenüber „oe24“ sagt sie: „Als ehemals alleinerziehende Mutter weiß ich, wie sehr Frauen gefordert sind und wie schwierig es ist, die Betreuung für Kinder sicherzustellen. Meine Hochachtung gilt allen Müttern, aber auch Vätern, die liebevoll ihre Kinder betreuen. Unsere Aufgabe ist es, Familien zu unterstützen und ihnen die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu bieten.“
Stocker entschuldigt sich: „Der Satz ist falsch“
In einer Presseaussendung meldet sich nach dem Wirbel nun Bundeskanzler Stocker persönlich zu Wort und korrigiert seine Aussage. Er betont: „Ein Satz von mir sorgt gerade für Diskussionen. Zu Recht, denn er ist falsch. Bei all jenen, die sich durch meine Aussage verletzt, beleidigt oder nicht wertgeschätzt fühlen, entschuldige ich mich in aller Deutlichkeit. Kinderbetreuung ist Arbeit. Gerade Frauen, die in den allermeisten Familien immer noch den Großteil der Kindererziehung übernehmen, leisten damit Großartiges.“
„Trotzdem ist Familie kein Unternehmen oder Job“
Familie lasse sich laut Stocker aber nicht mit einer Firma oder einer Arbeitsstelle vergleichen, bei der nach Feierabend der Dienst endet. Ihr Wert bemesse sich nicht in Geldbeträgen, sondern in gegenseitigem Vertrauen, Verbundenheit und den vielen gemeinsamen Erlebnissen. Gemeinsam mit seiner Frau habe er zwei Kinder großgezogen, während beide berufstätig waren. Dadurch kenne Stocker die enormen Anforderungen dieses Alltags aus eigener Erfahrung, schreibt er weiter.