Blau-Schwarz-Rote Kuriositäten
Unsere beliebte Serie über Dinge zum intensiven Kopfschütteln kennt keine Sommerpause. Dafür sorgen schon die Polit-Spitzen von ÖVP, SPÖ und FPÖ. Diesmal ganz oben am Stockerl: die Blauen.
„Hitze-Panik als Ablenkung vom Impf-Desaster der Systemparteien“ haben die Freiheitlichen kundgetan. Das muss man erst einmal schaffen, diese Kombination von Hitze und Impfen. Wobei die Blauen offensichtlich in einer schweren Formkrise sind, sonst hätten sie die Tatsache, dass die Hitze aus Afrika kommt, wohl auch noch erwähnt. Die Zahl der Hitzetoten ist hoch, seit dem Jahr 1767 gab es nur sieben Tage mit 40 Grad und mehr, davon sechs heuer. Die Ernte verbrennt, das Futter für die Tiere wird knapp, ebenso das Wasser, in den Spitälern, Seniorenheimen und Pflegeeinrichtungen kämpfen unzählige alte, kranke und geschwächte Menschen mit der enormen Hitze, und alles, was den Blauen einfällt ist, von „Panik“ zu sprechen. Eine Panik, die natürlich aus freiheitlicher Sicht irgendwie mit dem Impfen zusammenhängt. Womit denn sonst? Da wird man als Beobachter mit dem Kopfschütteln gar nicht mehr fertig.
„Patschert“: Kanzler Stocker sieht Kinderbetreuung nicht als Arbeit
Auf Platz 2 unserer sommerlichen Kuriositäten-Tabelle hat es Bundeskanzler Christian Stocker geschafft. Seine Aussage, er würde „Kinderbetreuung nicht als Arbeit sehen“ entspricht zwar dem konservativen Weltbild, wonach Kinder eine unendliche Bereicherung für die Familie sind. Nicht in Geld aufzuwiegen. Was absolut stimmt und in Ordnung ist, Arbeit machen sie trotzdem. Stockers Aussage ist dementsprechend „patschert“, wie man umgangssprachlich feststellen könnte.
Rücktrittsforderungen: Kritik an Babler ohne echte Alternative
Und weil auch die Roten so ihre Sorgen haben, haben sie es ebenfalls aufs Siegerstockerl der Sommer-Kuriositäten geschafft. Halt nur auf Platz 3. Burgenlands Landeshauptmann Hanspeter Doskozil und Kärntens LH Daniel Fellner haben mehr oder weniger deutlich ihrem Parteichef Andreas Babler nahegelegt zu resignieren. Das mag ja in der Politik gang und gäbe sein, Doskozil und Fellner würden aber gut daran tun, auch eine Alternative zu präsentieren. Nur zu sagen „Tritt zurück!“ ist zuwenig. Aber bei den Alternativen scheint es zu hapern. Rendi-Wagner? Wird sich das sicher nicht mehr antun. Christian Kern? Ebenfalls nicht. Viele weitere Namen geistern nicht herum. Mit einer Ausnahme: Medienmanager Gerhard Zeiler. Der wäre durchaus geeignet, ist aber halt auch schon 71 Jahre alt. Zeichen einer Erneuerung wäre Zeiler keines, aber zumindest Zeichen einer Konsolidierung. Und das wäre für die Roten in ihrem derzeitigen Zustand schon die halbe Miete.
Inside Politik – Kommentare und Analysen von Fritz Kimeswenger
Mag. Fritz Kimeswenger (66)
Studium der Geschichte und Philosophie
Journalist seit 1984 bei Volkszeitung, der Standard und Kronenzeitung. Viele Jahre Ressortleiter Landespolitik der Krone Kärnten und Kolumnist („Kärnten inoffiziell“). In unserer 5-Minuten-Rubrik „Inside Politik“ werden wir bedeutende Entscheidungen, Wendungen und Geschehnisse analysieren und kommentieren. Immer unter der Prämisse „Der Leser zuerst“.