Milliarden-Schäden: Extreme Dürre verwüstet Österreichs Landwirtschaft
Rekordtemperaturen und ausbleibende Niederschläge haben in diesem Jahr auch für Rekorddürren gesorgt - und damit für einen Milliardenschaden in der Landwirtschaft.
Temperaturen von bis zu 41,2 Grad und ausbleibende Niederschläge machen Österreichs Landwirte zu schaffen. Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung, spricht in einer Pressekonferenz von „katastrophalen Dürreschäden“ und „massiven Ernteeinbußen und Futterknappheit“. Dass in manchen Gebieten seit dem 15. Juni um mehr als 75 Prozent weniger Niederschlag als in den letzten zehn Jahren üblich gefallen ist und zusätzlich extreme Hitze Österreich quasi „befallen“ hat, hat schließlich für Rekordwerte bei den Dürreschäden gesorgt.
Gesamt-Österreich und alle Kulturen von Dürreschäden betroffen
„Der Gesamtschaden in der Landwirtschaft liegt bei einer Milliarde Euro. Betroffen sind das gesamte Bundesgebiet und sämtliche Kulturen, insbesondere Grünland, Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Kürbisse und Soja, aber auch regional Getreide“, so Weinberger weiter. Früher seien Dürreschäden alle zehn Jahre aufgetreten, mittlerweile ist es alle zwei bis drei Jahre so weit. Weinberger dazu: „Das zeigt uns, dass die Landwirtschaft wie kein anderer Sektor vom Klimawandel betroffen ist.“ Doch es gibt auch eine „gute“ in all den schlechten Nachrichten: „Die Risikovorsorge durch die Bäuerinnen und Bauern ist sehr hoch. 80 Prozent der Ackerflächen und 40 Prozent der Grünlandflächen sind gegen das Risiko Dürre versichert. Die versicherten Betriebe haben somit einen Rechtsanspruch auf eine Entschädigung.“
Hitzewellen werden „immer häufiger“ auftreten
Und Experte Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung ist sich sicher, dass Hitzewellen wie heuer in Zukunft „immer häufiger“ auftreten werden. Für mehrere Generationen würde man nun in einer Phase zunehmender Instabilität leben, „mit mehr Wetterextremen und größeren Schwankungen, als wir es bisher gewohnt sind“. Und Levermann ist sich auch sicher: „Die volkswirtschaftlichen Kosten des Nichthandelns sind enorm, sie übersteigen die Kosten einer konsequenten Transformation deutlich. Das müssen wir endlich ernst nehmen.“
Frost, Hagel, Sturm, Überschwemmungen verursachen Millionenschäden
Neben dem Milliardenschaden durch Dürre in der Landwirtschaft wurden auch noch weitere 80 Millionen Euro durch Frost, Hagel, Sturm und Überschwemmung verursacht, weiß Weinberger. Diese Zahlen würden auch deutlich vor Augen führen, dass kein anderer Wirtschaftssektor so verwundbar wie die standortgebundene Landwirtschaft ist. Weinberger dazu: „Rund 80 Prozent des Ertrags hängen unmittelbar vom Wetter ab. Viele bäuerliche Betriebe sind durch den menschengemachten Klimawandel massiv gefährdet. Die ständige Sorge um die eigene Existenz bedeutet für die betroffenen Landwirtinnen und Landwirte eine enorme psychische Belastung.“ Zusätzlich würde die aktuelle Situation zeigen, dass man nur mit einer Absicherung durch eine Dürreversicherung derartige Großschäden abdecken könne. Wie der internationale Trend zeigt, brauche es aber auch ein umfassendes Public-Private-Partnership-Modell, damit die Versicherung für die Betriebe wirksam und leistbar bleibe.
„Selbstversorgungsgrad wird weiter deutlich zurückgehen“
Und eines sei auch klar, so Weinberger abschließend: „Der Selbstversorgungsgrad bei heimischen Lebensmitteln wird aufgrund der aktuellen Dürresituation bedingt durch den Klimawandel weiter deutlich zurückgehen. So haben wir bereits jetzt beim Getreide nur mehr einen Selbstversorgungsgrad von 87 Prozent, beim Mais 83 Prozent, Kartoffeln 78 Prozent, bei Gemüse sind es 55 Prozent und bei pflanzlichen Ölen 26 Prozent. Die Ernteausfälle aufgrund des Klimawandels und des Bodenverbrauchs machen uns in der Zukunft noch abhängiger von Importen aus dem Ausland.“