Waldbrände in Norditalien wüten weiter: „Ein ganzer Berg steht in Flammen“
Dichter Rauch, gesperrte Straßen und gleich vier Waldbrände: In Friaul-Julisch Venetien bleibt die Lage angespannt. Löschflugzeuge aus Italien und Slowenien holen für ihren Kampf gegen die Flammen weiterhin Wasser aus Kärnten.
Der Kampf gegen die Flammen in Norditalien spitzt sich weiter zu. Rund um Tolmezzo und Amaro versuchen die Feuerwehren mit einem massiven Aufgebot an Einsatzkräften zu verhindern, dass sich der Großbrand am Monte Amariana weiter ausbreitet. Gleichzeitig brennt es an drei weiteren Bergen.
Alarmstufe Rot am Monte Amariana
Seit Tagen kämpfen Feuerwehr, Forstdienst und Zivilschutz in Friaul-Julisch Venetien gegen mehrere Waldbrände. Besonders angespannt bleibt die Situation am Monte Amariana zwischen Tolmezzo und Amaro. „Ein ganzer Berg steht in Flammen“, bringt das italienische Nachrichtenportal RaiNews die schwierige Lage auf den Punkt. Heute (15. August) konzentrieren sich die Einsatzkräfte darauf, das Feuer rund um den Cuel Feltron einzuschließen und vor allem eines zu verhindern: Die Flammen sollen nicht über den Bergkamm hinweg auf das Hauptmassiv der Amariana überspringen.
Feuerbekämpfung unter schwierigen Bedingungen
Dabei sind die Bedingungen alles andere als einfach. Dichter Rauch verhüllt immer wieder den Berg und schränkt die Sicht der Piloten massiv ein. Ein italienischer Canadair konnte am Samstagvormittag deshalb zunächst nur wenige Wasserabwürfe durchführen. Trotzdem ist das Aufgebot aus der Luft enorm: Laut RaiNews sollen am Samstag drei Flugzeuge und fünf Hubschrauber rund um den Monte Amariana eingesetzt werden. Unterstützung kommt weiterhin aus Slowenien. Neben Air-Tractor-Löschflugzeugen werden auch slowenische Drohnen eingesetzt, die das Gebiet überfliegen und besonders heiße Stellen aufspüren sollen.
Löschwasser kommt weiterhin aus Kärnten
Auch der Weissensee bleibt Teil des grenzüberschreitenden Großeinsatzes. Bis Samstagmittag holen die Löschflugzeuge dort Wasser, anschließend soll dafür auch der Lago di Cavazzo genutzt werden. Bereits in den vergangenen Tagen waren italienische und slowenische Löschflugzeuge zum Kärntner See gekommen, um ihre Tanks für die Brandbekämpfung zu füllen. Damit kämpfen derzeit Einsatzkräfte aus drei Ländern gemeinsam gegen die Flammen: Italien stellt unter anderem Feuerwehr, Zivilschutz, Forstkräfte und Fluggeräte, Slowenien unterstützt mit Flugzeugen und Drohnen – und Österreich stellt mit dem Weissensee eine wichtige Wasserquelle für die Löscharbeiten bereit.
Feuer reicht bis an gesperrte Straße
Am Boden ist die Situation ebenfalls weiterhin angespannt. Die Feuerfront reicht stellenweise bis an die Straße zwischen Amaro und Tolmezzo heran. Die SR UD 125 „del Sasso Tagliato“ bleibt deshalb auf einem mehrere Kilometer langen Abschnitt gesperrt. Auch die Gemeindestraße „Forca del Cristo“ in Richtung Lisagno darf ab dem Wasserwerk weder mit Fahrzeugen noch zu Fuß benutzt werden. Die Sperren dienen nicht nur dem Schutz der Bevölkerung. Sie sollen auch sicherstellen, dass Feuerwehr und Waldbrandbekämpfungskräfte ungehindert arbeiten können.
Nicht nur Monte Amariana brennt
Besonders brisant: Der Großbrand bei Amaro ist derzeit nicht das einzige Feuer in der Region. Laut dem Nachrichtenportal UdineToday wüten derzeit insgesamt vier Waldbrände in den Bergen Karniens und des nördlichen Friauls. Am Monte Palavierte oberhalb von Illegio verstärkten sich die Flammen zuletzt wieder. Das Feuer hat dort einen Bergrücken erreicht und bewegt sich in Richtung Gipfel. Befürchtet wird, dass es auf die gegenüberliegende Bergseite übergreifen könnte. Gebäude oder Infrastruktur sind nach aktuellem Stand allerdings nicht bedroht. Auch am Monte Cozzarel bei Chiusaforte wird weiterhin gegen einen Brand gekämpft. Am Monte Naiarda bei Forni di Sotto ist das Feuer ebenfalls noch nicht vollständig gelöscht und wird von den zuständigen Kräften weiter beobachtet.
Regionaler Notstand ausgerufen
Angesichts der zahlreichen Feuer wurde mittlerweile der regionale Notstand in Friaul ausgerufen. Seit Juni sollen in der Region bereits rund 50 Brände registriert worden sein. Gleichzeitig wurde der bestehende Dürre-Notstand auf ganz Friaul-Julisch Venetien ausgeweitet.
Massiver Rauch belastet die Luftqualität
Neben den Flammen rückt inzwischen ein weiteres Problem in den Fokus: der massive Rauch. An einzelnen Messstellen wurden laut RaiNews bereits erhöhte Feinstaubwerte festgestellt. Die regionale Umweltbehörde Arpa und die Gesundheitsbehörden beobachten deshalb die Luftqualität. Ob daraus weitere Maßnahmen oder Verordnungen für einzelne Gemeinden folgen, soll anhand der Messwerte entschieden werden. Bewohnte Gebiete sind nach Angaben der Verantwortlichen derzeit nicht unmittelbar durch die Flammen bedroht. Entwarnung gibt es dennoch nicht: Die Einsatzkräfte versuchen weiterhin mit allen verfügbaren Mitteln, die zahlreichen Brandherde einzudämmen. Hoffnung macht zumindest der Wetterbericht – für Montag wird Regen erwartet.