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Foto in Beitrag von 5min.at zeigt Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig im Interview mit 5 Minuten.
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig ist 5 Minuten Rede und Antwort gestanden.

Extreme Dürre, starke Gewitter: „Landwirtschaft stellt sich seit Jahren auf den Klimawandel ein“

Die aktuelle Dürrekatastrophe setzt die Landwirtschaft unter enormen Druck. Aktuell kämpfen die Bauern mit hohen Ernteausfällen. Wir haben mit Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig unter anderem darüber gesprochen.

von Phillip Plattner Phillip Plattner Online-Redakteur Kärnten Steiermark
1 Minute Lesezeit(136 Wörter)
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Rekordtemperaturen mit mehreren Tagen jenseits der 40-Grad-Marke halten Österreich dieses Jahr in Atem. Gleichzeitig nehmen extreme Wetterereignisse wie Dürren und starke Unwetter zu. Besonders spürbar sind deren Folgen für die heimische Landwirtschaft, die Ernteausfälle und zunehmende Produktionsrisiken bewältigen muss. Im Rahmen seiner Bundesländer-Tage, haben wir mit Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig nun unter anderem darüber und gleichzeitig auch über die Klimawandelanpassung in Österreich gesprochen.

EU-Mercosur-Abkommen als Thema in Österreichs Landwirtschaft

Zudem ist er 5 Minuten auch beim Thema EU-Mercosur-Abkommen Rede und Antwort gestanden. Dieses ist seit 1. Mai 2026 vorläufig in Kraft und betrifft vor allem die heimische Landwirtschaft. Und Totschnig weiß aus seinen Vor-Ort-Besuchen, dass es auch „immer wieder Thema“ ist. Das gesamte Interview findet ihr im Folgenden.

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig im 5 Minuten-Interview

5 Minuten: Kürzlich wurde ja bekannt, dass die Dürreschäden dieses Jahr in Österreich im Milliardenbereich liegen. Wie kann man Landwirte in der Situation, in der sie sich aktuell befinden, unterstützen?

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig: Die Schadensbilanz der Österreichischen Hagelversicherung macht das enorme Ausmaß der diesjährigen Dürrekatastrophe deutlich. Mit der Hagelversicherung haben wir in Österreich eine europaweit einzigartige Form der Risikoabsicherung. Rund 60 Prozent der bäuerlichen Familienbetriebe sind bereits versichert und damit zumindest gegen einen Teil dieser Schäden abgesichert.

Angesichts der außergewöhnlichen Situation braucht es darüber hinaus aber rasch weitere existenzsichernde Maßnahmen. Oberste Priorität muss sein, die Betriebe liquide zu halten und damit die heimische Lebensmittelproduktion abzusichern. Denkbar sind hier beispielsweise Zinszuschüsse zu Betriebsmittelkrediten oder Entlastungen bei der Sozialversicherung. Dazu führen wir derzeit Gespräche mit dem Finanzministerium.

Gleichzeitig müssen wir über die akute Hilfe hinausblicken. Solche Extremereignisse werden uns durch den Klimawandel künftig häufiger beschäftigen. Deshalb müssen wir die Anpassung unserer Landwirtschaft an den Klimawandel ebenso wie den Klimaschutz konsequent und noch schneller vorantreiben, damit unsere Betriebe auch langfristig widerstandsfähig und wettbewerbsfähig bleiben.

Aus dem Finanzministerium heißt es ja, dass es auch in diesem Punkt keine „Koste-es-was-es-wolle“-Politik geben werde. Wie stehen Sie dazu und wie steht es hier in den regierungsinternen Verhandlungen? Was ist möglich und was möchten Sie auf jeden Fall durchsetzen?

Wir befinden uns aktuell in einer außergewöhnlichen Krisensituation. Und eine außergewöhnliche Situation braucht auch außergewöhnliche Maßnahmen. Genau dafür setze ich mich mit allem Nachdruck im Sinne unserer bäuerlichen Familienbetriebe ein.

Für mich ist dabei klar, dass wir den Bäuerinnen und Bauern in einer akuten Notsituation keine bestehende Entlastung wegnehmen können, um ihnen dieses Geld anschließend als vermeintliche Hilfe wieder zurückzugeben. Das ist keine Unterstützung – das wäre lediglich eine Verschiebung von einer Tasche in die andere.

Den laufenden Verhandlungen möchte ich nicht vorgreifen. Klar ist für mich aber, dass es zusätzliche Mittel braucht, um die betroffenen Betriebe wirksam zu entlasten und ihre Existenz abzusichern. Dabei kann auch der Katastrophenfonds eine Rolle spielen, denn dort gibt es noch Spielraum.

Hitze, Dürren und Unwetter haben aufgrund des Klimawandels in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Welche Maßnahmen und Lösungen hat man für die Landwirtschaft, die darunter ja besonders leidet?

Die Wissenschaft spricht seit einigen Jahren vom Klimawandel. Die Landwirtschaft erlebt seine Auswirkungen seit vielen Jahren unmittelbar in der Natur. In Österreich beträgt der durchschnittliche Temperaturanstieg seit 1900 bereits rund 3,1 Grad – das spüren die Bäuerinnen und Bauern tagtäglich in den betroffenen Regionen. Deshalb wurden schon früh Anpassungsmaßnahmen gesetzt. Dabei werden standortangepasste, hitzetolerantere Sorten angebaut und dort, wo es wirtschaftlich möglich ist, wird in Bewässerungsanlagen investiert. Wir unterstützen das auch über die Programme im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik, wie durch die Investitionsförderung. Trotz aller Anpassungsmaßnahmen lassen sich die Folgen extremer Wetterereignisse aber nicht vollständig vermeiden. Deshalb braucht es neben Investitionen auch wirtschaftliche Stabilität. Gerade vor dem Hintergrund wetter- und klimabedingter Ernteschwankungen und weiterer Risiken, wie etwa Tierseuchen, ist es wichtig, dass die landwirtschaftlichen Betriebe auf verlässlic Rahmenbedingungen und stabile Zahlungen bauen können und dass es bei den Budgetverhandlungen hier keine Kürzungen gegeben hat.

Fakt ist: Die Anpassung an den Klimawandel wird die Landwirtschaft auch in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen. Deshalb werden wir diesen Weg konsequent weitergehen.

Kriegt man bei den Hofbesuchen mit, wie die Lage diesbezüglich ist? Sprechen das die Landwirte auch direkt an?

Absolut! Wir haben in der Steiermark etwa einen Milchviehbetrieb mit 25 Kühen besucht. Dort ist der Futtermangel derzeit das zentrale Thema. Viele Betriebe fragen sich, wie sie den Ausfall ausgleichen können und woher sie zusätzliches Futter bekommen. Das stellt eine große psychische Belastung für die Bäuerinnen und Bauern dar.

Also ist es aktuell ein von Jahr zu Jahr schauen in der Landwirtschaft?

Die Einkommen unterliegen jährlichen Schwankungen. Das vergangene Jahr war in der Tierhaltung geprägt von Seuchen. Der Ackerbau steht durch weltweit hohe Rekordernten und entsprechend niedrige Getreidepreise massiv unter Druck.

Was wir insgesamt beobachten, sind deutlich stärkere Schwankungen auf den Agrarmärkten. Einerseits beeinflusst der Klimawandel die Erträge, andererseits gewinnen Tierseuchen als zusätzliche Risikofaktoren zunehmend an Bedeutung. Beides wirkt sich unmittelbar auf die Märkte aus. Aktuell steht etwa der Schweinemarkt unter Druck, weil Spanien aufgrund der Afrikanischen Schweinepest nicht mehr nach China exportieren kann. Die betroffenen Mengen gelangen nun verstärkt auf den europäischen Markt und setzen die Preise massiv unter Druck.

Stichwort Import-Export: Das EU-Mercosur-Abkommen kommt ja seit 1. Mai vorläufig zur Anwendung. Gibt es da noch größere Probleme für die Landwirtschaft oder hat man die größten Schwierigkeiten und Probleme abwenden können?

Der Widerstand hat sich schon ausgezahlt. Die Kommission musste im vergangenen Sommer wesentliche Nachbesserungen auf den Tisch legen, damit überhaupt eine qualifizierte Mehrheit zu Stande gekommen ist. Dazu gehören massiv verschärfte Vor-Ort- Kontrollen. Und das hat dazu geführt, dass man festgestellt hat, dass es beim Rindfleisch in Brasilien ein Hormonproblem gibt. Können diese Probleme im Zusammenhang mit Hormonen nicht nachweislich behoben werden, wird der Import von brasilianischem Fleisch ab September ausgesetzt.

Zusätzlich wurde eine deutlich strengere Marktbeobachtung eingeführt. Kommt es bei den Preisen oder Importmengen gegenüber dem Dreijahresdurchschnitt zu Abweichungen, wird die Situation überprüft und es besteht die Möglichkeit, Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Man hat jetzt auch die Diskussion gestartet, dass es eine Waffengleichheit in der Produktion braucht, gleiche Wettbewerbsbedingungen. Wenn bestimmte Pflanzenschutzmittel in Europa verboten sind, kann es nicht sein, dass Produkte importiert werden, die unter Einsatz genau dieser Wirkstoffe erzeugt wurden.

Insgesamt konnten zahlreiche Schutzinstrumente verankert werden, die die Auswirkungen abfedern sollten. Die mittel- und langfristigen Effekte des Abkommens werden sich allerdings erst Anfang der 30er-Jahre belastbar beurteilen lassen. Die erreichten Nachbesserungen zeigen: wir haben alles unternommen, um negative Auswirkungen auf die österreichische Landwirtschaft so überschaubar wie möglich zu halten.

Wird aus Ihrer Sicht das Abkommen auch Vorteile bringen?

Das Abkommen bietet insbesondere Chancen für die Industrie, etwa für die chemische Industrie. Auch für Teile der Lebensmittelwirtschaft können sich neue Absatzmöglichkeiten ergeben. Entscheidend wird sein, ob österreichische Unternehmen diese Märkte erfolgreich erschließen können. Es gibt europäische Länder, wo die Lebensmittelindustrie ein sehr großes Interesse hat, wie Spanien und Italien, wo es traditionell gute, starke Handelsbeziehungen gibt. Was man aber sagen kann: Aktuell gehen rund 80 Prozent unserer heimischen Exporte in den EU-Binnenmarkt, rund 90 Prozent bleiben auf dem europäischen Kontinent und 10 Prozent sind außerhalb Europas. Da gehen viele Exporte nach Japan, Südkorea und Kanada – also in die nördliche Hemisphäre. Diese Länder sind preislich auch irgendwo ähnlich. Aber wenn jemand mit seinen Produkten im Mercosur- Raum wettbewerbsfähig sein kann, dann wird er seine Chance suchen.

Ist Mercosur auch bei den Betriebsbesuchen ein Thema? Merkt man da eine Unsicherheit bei Landwirten?

Es ist immer wieder Thema. Weil Handelspolitik für die Landwirtschaft relevant ist. Die Union hat ja mehr als 40 Handelsabkommen abgeschlossen und es werden jetzt auch laufend Handelsabkommen überarbeitet, zum Beispiel mit Mexiko. Außerdem werden neue Handelsabkommen geschlossen, zum Beispiel mit Indien. Wir haben auch Verhandlungen mit Australien. Es kommen also laufend neue hinzu. Da muss man natürlich sehr viel informieren. Wichtig ist jedenfalls, dass jetzt das Thema Landwirtschaft in den Verhandlungen einfach sehr präsent ist und damit auch die Frage, wie wir die Produzentinnen und Produzenten in Europa vor übermäßigen und marktverzerrenden Importen schützen können. Das hat jetzt alles auch eine völlig neue Qualität. Das war vor fünf, sechs Jahren undenkbar, dass man so etwas diskutiert.

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