„Alarmierendes Signal“: Viele junge Menschen verschulden sich schon früh im Leben
Laut Kreditschutzverband von 1870 (KSV1870) sind 28,3 Prozent der Privatinsolvenzen auf eine "ehemalige Selbstständigkeit" zurückzuführen. Damit war diese Ursache erstmals seit 2019 wieder der häufigste Privatinsolvenz-Grund.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Österreichs Haushalte haben sich im Vorjahr kaum wirklich verbessert. Das hohe Kostenniveau, die Folgen der Inflation und die hohe Zinsbelastung setzten viele Menschen finanziell unter Druck, die Zahl der Privatkonkurse ist dennoch nicht gestiegen, heißt es seitens des KSV1870, der nun rund 8.000 private Insolvenzen des Vorjahres analysiert hat. Die „ehemalige Selbstständigkeit“ landete dabei als Insolvenzursache knapp vor „persönlichem Verschulden“ (27,8 Prozent). Hier zählen vor allem die Überschätzung der eigenen finanziellen Leistungsfähigkeit über einen längeren Zeitraum hinweg und ein problematisches Konsumverhalten als Ursachen Nummer 1.
„Positiv ist, dass…“
Karl-Heinz Götze, Leiter der KSV1870 Insolvenz, meint dazu: „Die finanziellen Folgen einer früheren Selbständigkeit und persönliches Verschulden prägen seit Jahren die Ursachenstatistik. Positiv ist, dass zuletzt einige Betroffene sorgsamer mit ihren Finanzen umgegangen sind, weshalb ‚persönliches Verschulden‘ als Hauptgrund im Vorjahr etwas seltener aufgetreten ist.“
Viele junge Menschen erlegen sich schon früh im Leben eine finanzielle Hypothek auf
Die Hauptgründe unterscheiden sich laut Analyse übrigens auch je nach Altersgruppe. Die „ehemalige Selbstständigkeit“ war beispielsweise im Vorjahr bei den über 60-Jährigen und den 41- bis 60-Jährigen noch die häufigste Ursache, „persönliches Verschulden“ dagegen war deutlich dahinter. Bei den Jüngeren zeigt sich das genau entgegengesetzte Bild. Sowohl bei den 25- bis 40-Jährigen als auch bei den unter 25-Jährigen war „persönliches Verschulden“ mit Abstand der häufigste Grund für die Pleite. Für Götze ist es „ein alarmierendes Signal, dass sich viele junge Menschen bereits früh im Leben verschulden und sich damit eine finanzielle Hypothek für ihre Zukunft auferlegen. Das unterstreicht einmal mehr, wie wichtig es ist, finanzielle Bildung bereits in jungen Jahren zu stärken“.
„Jede Ausgabe sollte gut überlegt werden“
Beim Punkt „persönliches Verschulden“, der im Mehrjahresvergleich weiterhin auf Nummer 1 steht, habe sich gezeigt, dass in zahlreichen Fällen über einen längeren Zeitraum hinweg schlecht gewirtschaftet wurde. „Doch insbesondere in Zeiten hoher Kosten ist ein bewusster Umgang mit den eigenen Finanzen entscheidend. Jede Ausgabe sollte gut überlegt und die eigene finanzielle Leistungsfähigkeit realistisch eingeschätzt werden, um einer Überschuldung vorzubeugen“, so Götze abschließend.