Mit 67 in Pension: NEOS wollen Allparteien-Gipfel im Herbst
Beim ORF-Sommergespräch hat NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger nicht nur über ein verpflichtendes Pensionssplitting gesprochen, sondern generell Reformen im Pensionsbereich gefordert. Alles dazu hier bei uns.
Der Staat muss sparen und jeder muss seinen Beitrag leisten, wie es beinahe schon gebetsmühlenartig heißt. Dazu zählen auch Österreichs Pensionistin, die sowohl 2027 als auch 2028 mit einer Erhöhung unterhalb der zugrundeliegenden Inflation rechnen müssen. Was das im kommenden Jahr bedeutet, könnt ihr etwa hier nachlesen: Inflation fix, alle Pensionisten betroffen: So viel „verlieren“ Millionen Österreicher. Zahlreichen Experten und etwa auch den NEOS geht das aber zu wenig weit. NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger hat im ORF-Sommergespräch daher neuerlich laut über eine Erhöhung des Pensionsalters nachgedacht.
NEOS-Chefin will Land gut für nächste Generationen aufstellen
Auf die Frage hin, wie sie auch ihre Koalitionspartner von einer Erhöhung des Antrittsalters überzeugen möchte, meinte sie etwa: „Ich glaube, es ist notwendig.“ Ihr Ziel sei es, das Land auch für die nächsten Generationen gut und sicher aufzustellen und die Errungenschaft des Sozialstaats in Form eines Pensionssystems, auf das sich jeder verlassen kann, zu sichern. Meinl-Reisinger sieht in diesem Punkt auch „alle Experten in Österreich“, wie sie meint, hinter sich, wenn es darum geht, weitere Reformen im Pensionsbereich zu verlangen.
Meinl-Reisinger will „einen weiteren Reformschritt gehen“
Gleichzeitig habe man mit dem Anheben des Korridorpensionsalters und der Einführung der Teilpension bereits „viel gemacht“, um das faktische Antrittsalter zu steigern. Nun sei es aber an der Zeit, „dass wir einen weiteren Reformschritt gehen“, so die NEOS-Chefin, die alle Parteien in Österreich zu einem „Allparteiengipfel“ im Herbst einlädt, um Pensionsreformen zu besprechen und zu verhandeln.
Drei Möglichkeiten für Pensionsreformen
Bezüglich Reformen spricht sie drei Möglichkeiten an, was man machen könnte. Man könnte die Beiträge in die Höhe schrauben, was man aber nicht will. Denn: „Das würde den Faktor Arbeit belasten.“ Auch an der Pensionserhöhung könne man schrauben, was man in den kommenden beiden Jahren eben auch macht. Gleichzeitig möchte man aber, dass die Menschen hierzulande eine höhere Pension haben.
Kopplung des Antrittsalters an die Lebenserwartung unausweichlich?
Daher sei für sie die dritte Möglichkeit unausweichlich. In den letzten Jahrzehnten sei die Lebenserwartung gestiegen, daher müsse auch das Pensionsantrittsalter schrittweise auf 67 Jahre erhöht werden. Geht es nach ihr, könnte das ab 2030 in zwei- bzw. drei-Monats-Schritten starten. Zusätzlich möchte sie das Antrittsalter auch an die Arbeitsjahre koppeln und fordert 45 Arbeitsjahre für den Pensionsantritt. Was die 5 Minuten-Leser von einer Erhöhung des Pensionsantrittsalters halten, erfahrt ihr übrigens hier: Später in Pension? „Wollte schon immer mit Rollator zur Arbeit“.
Was hältst du von einer Anhebung des Pensionsantrittsalters?
Kritik von FPÖ, Gewerkschaft und Arbeiterkammer
An der Forderung gibt es wie üblich massive Kritik von mehreren Seiten. So heißt es seitens der FPÖ etwa, dass man den Pensionisten „noch tiefer in die Tasche greifen will“. Man spricht unter anderem auch von einer „Doppelmoral“. Kritik gibt es auch von den Gewerkschaften, etwa vom PRO-GE-Bundesvorsitzenden Reinhold Binder: „Wer ständig fordert, das Pensionsantrittsalter zu erhöhen, hat keinen Ahnung von der Realität der Arbeitswelt.“ Seitens der Arbeiterkammer (AK) hat man bereits am Montag erklärt, weshalb man erst an anderen Schrauben drehen müsse: Seit 2000 schon vier Jahre länger: So entkräftet AK Pensionsalter-Debatte.
SPÖ: „Anhebung des Pensionsantrittsalters eine rote Linie“
Und schließlich gibt es auch noch koalitionsintern einen massiven Kritiker: die SPÖ. „Mit der SPÖ gibt es das nicht“, meint etwa Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim zu einer Erhöhung des Antrittsalters. Und: „Eine sichere Pension ist eine Frage des Respekts vor der Lebensleistung der arbeitenden Menschen. Wer das gesetzliche Pensionsantrittsalter auf 67 Jahre erhöhen will, setzt bei den Falschen an.“ Das Ziel sei es, das faktische Antrittsalter an das gesetzliche heranzuführen, was man mit mehreren Maßnahmen bereits versuche und mache. Für die SPÖ sei eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters „eine rote Linie“. Zudem sei diese Maßnahme auch nicht im Regierungsprogramm vorgesehen, erinnert man.