FPÖ-Urgestein Kassegger tritt zurück: Wer jetzt in Graz übernehmen soll
Nach vielen Jahren in der Spitzenpolitik zieht sich Axel Kassegger überraschend zurück. Der Grazer FPÖ-Chef und Nationalratsabgeordnete legt aus gesundheitlichen Gründen seine Funktionen nieder.
In der Grazer FPÖ kommt es zu einem Wechsel an der Spitze. Axel Kassegger, langjähriger Nationalratsabgeordneter und zuletzt Stadtparteiobmann der Freiheitlichen in Graz, hat am Donnerstag seinen Rückzug aus seinen politischen Funktionen bekannt gegeben. Als Grund nennt er gesundheitliche Probleme. Er stehe unmittelbar vor einer Operation und wolle sich nun auf seine Genesung konzentrieren.
Würfel sind neu gefallen
Damit endet vorerst eine lange politische Laufbahn. Kassegger engagierte sich bereits Ende der 1980er-Jahre beim Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) in Graz, war in der Kommunalpolitik tätig und zog 2013 in den Nationalrat ein. Dort saß er rund 13 Jahre. Darüber hinaus stand er dem Freiheitlichen Bildungsinstitut (FBI) als Präsident vor. Sein Abgang hat gleich mehrere personelle Konsequenzen: In Graz braucht die FPÖ eine neue Parteispitze, im Nationalrat wird ein Mandat frei und auch die Führung des Freiheitlichen Bildungsinstituts muss neu geregelt werden.
Apfelknab übernimmt vorerst in Graz
Bei der Grazer FPÖ zeichnet sich bereits ab, wer Kassegger nachfolgen könnte. René Apfelknab, der bei der Gemeinderatswahl Ende Juni als Spitzenkandidat der Freiheitlichen ins Rennen gegangen war und mittlerweile Stadtrat ist, übernimmt die Stadtpartei zunächst interimistisch. Der Rücktritt Kasseggers habe ihn überrascht, so Apfelknab laut Medienberichten. Ende September soll sich die Stadtparteileitung mit der weiteren Vorgehensweise beschäftigen. Für Oktober oder November ist ein ordentlicher Stadtparteitag vorgesehen. Dort will Apfelknab für den Parteivorsitz kandidieren. Ein Gegenkandidat zeichnet derzeit nicht ab. Als eines seiner Ziele nennt er, „wieder Ruhe in die Stadtpartei zu bekommen“. Bei der Grazer Gemeinderatswahl Ende Juni hatte die FPÖ mit Apfelknab an der Spitze rund zwölf Prozent erreicht und gegenüber der vorherigen Wahl um etwa 1,4 Prozentpunkte zugelegt.
Auch sein Sitz im Nationalrat wird frei
Mit dem Rückzug stellt sich nun auch die Frage, wer Kasseggers Platz im Nationalrat übernimmt. Gute Chancen werden Hedwig Staller eingeräumt. Fixiert ist ihre Nachfolge allerdings noch nicht. Staller stand bei der Nationalratswahl 2024 im Wahlkreis Graz und Umgebung auf Listenplatz drei. Vor ihr lagen Kassegger und Reinhold Maier, die beide den Einzug in den Nationalrat schafften. Staller bringt bereits politische Erfahrung mit: Sie war Landtagsabgeordnete und Geschäftsführerin der Grazer FPÖ. Zuletzt zog sie auch in den Grazer Gemeinderat ein. Die Entscheidung über die Nachbesetzung des Nationalratsmandats soll in der kommenden Woche in der Landesparteileitung fallen.
Weitere Personalentscheidung noch offen
Offen bleibt außerdem, wer künftig das Freiheitliche Bildungsinstitut führen wird. Kassegger stand diesem als Präsident vor. Unter seiner Führung war das Institut ebenfalls wiederholt Gegenstand öffentlicher Diskussionen, unter anderem wegen personeller Verbindungen und der inhaltlichen Ausrichtung.