Große Trauer in Österreich: Schauspiellegende Erni Mangold (99) ist tot
Österreich trauert um eine der markantesten Persönlichkeiten der heimischen Schauspielszene: Erni Mangold ist im Alter von 99 Jahren verstorben. Mehr als sieben Jahrzehnte lang stand sie auf der Bühne.
Sie galt als direkt, schlagfertig und unverwechselbar: Erni Mangold ist am Samstag im Alter von 99 Jahren verstorben. Die Niederösterreicherin blickte auf eine außergewöhnlich lange Karriere zurück, die sie von den Wiener Theaterbühnen bis in internationale Filmproduktionen führte. Geboren wurde Mangold am 26. Jänner 1927 in Großweikersdorf im Bezirk Tulln. Kunst spielte schon in ihrer Familie eine große Rolle: Ihr Vater malte nebenberuflich, ihre Mutter war begeisterte Pianistin. Nach ihrer Ausbildung an der Wiener Schauspielschule Krauss begann Mangold 1946 ihre professionelle Bühnenlaufbahn.
Mehr als 70 Jahre auf der Bühne
Ihre ersten zehn Jahre verbrachte Mangold am Theater in der Josefstadt. Danach folgten Engagements am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und am Düsseldorfer Schauspielhaus sowie weitere Stationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Später machte sie sich auch im alternativen Theater einen Namen. Dabei ließ sich die Schauspielerin kaum auf einen bestimmten Rollentyp festlegen. Sie verkörperte klassische Figuren wie Lady Macbeth ebenso wie skurrile und eigenwillige Charaktere. 1999 wurde ihr der Berufstitel Kammerschauspielerin verliehen.
Auch international auf der Leinwand zu sehen
Mangolds Karriere beschränkte sich längst nicht auf das Theater. Sie wirkte in weit über 100 Film- und Fernsehproduktionen mit. Dazu gehörten Filme wie „Der Engel mit der Posaune“, „Hanussen“ und „Kassbach“. Auch im international bekannten Film „Before Sunrise“ von Richard Linklater aus dem Jahr 1995 war sie zu sehen. 2015 erhielt Mangold für ihre Rolle in „Der letzte Tanz“ den Österreichischen Filmpreis als beste Darstellerin. Noch 2020 war sie in Wolfgang Murnbergers „Schönes Schlamassel“ zu sehen. Auch als Lehrerin prägte sie Generationen von Schauspielern. Sie unterrichtete unter anderem am Salzburger Mozarteum und am Max Reinhardt Seminar.
Mit 90 Jahren verabschiedete sie sich von der Bühne
2017 schloss sich für Mangold ein besonderer Kreis. Mit „Harold und Maude“ verabschiedete sie sich im Alter von 90 Jahren von der Bühne, ausgerechnet an den Kammerspielen des Theaters in der Josefstadt, wo 1946 ihre Karriere begonnen hatte. Ihre Begründung für den Rückzug war typisch Mangold. „Was mein Aufhören betrifft, habe ich jetzt wirklich die Nase voll“, erklärte sie damals.
Besondere Verbindung zur Steiermark
Auch in Graz wurde ihre jahrzehntelange Arbeit gewürdigt. 2016 erhielt Erni Mangold den Großen Diagonale-Schauspielpreis. Zu ihren zahlreichen weiteren Ehrungen gehörten der Nestroy-Ring der Stadt Bad Ischl sowie das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. Eine Auszeichnung bedeutete ihr allerdings besonders viel: In ihrer langjährigen Heimat Sankt Leonhard am Hornerwald wurde der „Prof. Erni Mangold-Weg“ nach ihr benannt. Sie bezeichnete die eigene Straßenadresse einmal als ihr schönstes Geschenk.