
Stainzer Flascherlzug vor dem Aus: Ein Stück Regionalgeschichte wankt
Seit über 130 Jahren gehört der Stainzer Flascherlzug zur Weststeiermark wie der Schilcher zum Herbst. Doch nun steht die historische Bahn vor dem Ende, ausgerechnet wegen finanzieller Sorgen der Gemeinde.
Der Dampf, der Geruch von altem Metall, das Pfeifen der Lok: Für viele ist der Stainzer Flascherlzug mehr als nur eine Touristenattraktion, er ist ein Stück Heimat. Doch genau dieses Kulturerbe steht nun auf der Kippe, 5 Minuten hat bereits berichtet. Trotz tausender Unterschriften und einer wachsenden Petition gegen das Aus scheint die Gemeinde Stainz entschlossen, die Bahn stillzulegen. Der Grund: Geldmangel. Die Kosten für den Erhalt des historischen Zugs seien zu hoch, die Einnahmen zu gering.
Tourismus in Sorge
In Stainz herrscht Unverständnis. Viele Unternehmer befürchten, dass mit dem Flascherlzug auch ein wichtiger Teil des regionalen Tourismus verloren geht. „Jährlich zieht der Zug rund 30.000 Besucher in unsere Region“, heißt es aus der Erlebnisregion Südsteiermark in einem Bericht des ORF. „Diese Menschen essen, trinken, kaufen ein – sie beleben den Ort.“ Für das Marketingteam rund um Gabriele und Harald Florian-Schaar ist die Entscheidung besonders bitter. Buchungen für 2026 dürfen nicht mehr angenommen werden, obwohl die Nachfrage groß ist, auch von internationalen Reiseveranstaltern. „Die Gäste fragen, aber wir müssen ablehnen“, heißt es.
Lokführer kämpft für das Kulturerbe
Für Helmut Poglitsch, den 73-jährigen Lokführer, ist das Aus kaum vorstellbar. Seit 38 Jahren fährt er den Flascherlzug durch die Weststeiermark. Für ihn ist jede Fahrt eine Reise durch Erinnerungen und ein Stück Geschichte. Poglitsch hat deshalb eine Petition gestartet, online und vor Ort. Über 3.000 Menschen haben bereits unterschrieben. Die Unterschriften sollen Ende Oktober an Landeshauptmann Mario Kunasek übergeben werden. „Der Flascherlzug verbindet Generationen – das darf man nicht einfach aufgeben“, sagt Poglitsch.
Gemeinde spricht von „wirtschaftlicher Realität“
Doch Bürgermeister Karl Bohnstingl (ÖVP) bleibt bei seiner Haltung. Die Gemeinde könne sich den Betrieb schlicht nicht mehr leisten. „Ich muss wirtschaftlich denken, sonst fahre ich die Gemeinde in die Pleite“, argumentiert er. Das endgültige Aus soll am 16. Oktober im Gemeinderat beschlossen werden. Für viele Stainzer wäre das nicht nur das Ende einer Bahnlinie, sondern das Ende eines Symbols.