Nach 133 Jahren: Stainzer „Flascherlzug“ steht vor dem Aus
Nun steht fest: Der traditionsreiche Flascherlzug wird mit Ende des Jahres eingestellt, zumindest in seiner bisherigen Form. Das hat der Stainzer Gemeinderat am Donnerstagabend mit den Stimmen von ÖVP und FPÖ beschlossen.
Der Dampf, der Geruch von altem Metall, das Pfeifen der Lok: Für viele ist der Stainzer Flascherlzug mehr als nur eine Touristenattraktion, er ist ein Stück Heimat und Tradition. Trotz tausender Unterschriften und einer wachsenden Petition gegen das Aus scheint die Gemeinde Stainz entschlossen, die Bahn stillzulegen. Bereits im Sommer sorgte die Einstellung der Nostalgiebahn für viel Diskussion, 5 Minuten berichtete: Stainzer Flascherlzug vor dem Aus: Ein Stück Regionalgeschichte wankt. Der Grund für diese Maßnahme: Geldmangel. Die Kosten für den Erhalt des historischen Zugs seien zu hoch, die Einnahmen zu gering.
Fortführung der Nostalgiebahn ohne Förderung vom Land nicht möglich
130.000 Euro pumpt die Gemeinde Jahr für Jahr in die Museumsbahn. Laut Bürgermeister Karl Bohnstingl stehen Investitionen von rund 1,3 Millionen Euro an, allein für die Erhaltung der zwölf Kilometer langen Strecke. Ohne Förderungen vom Land sei das quasi unmöglich, betonte Bohnstingl im Sommer. Obwohl der Flascherlzug jährlich 20.000 Fahrgäste anlockt, hat die Gemeinde kaum etwas davon. Der Betrieb ist verpachtet, touristische Einnahmen fließen nur indirekt zurück. Kommt keine Förderung vom Land, steht der Flascherlzug künftig wohl auf dem Abstellgleis, hieß es im Juli.
FPÖ und ÖVP stimmten gegen Flascherlzug
Nun ist es wohl fix: Der Flascherlzug bekommt – zumindest in der Form wie es ihn bisher gegeben hat – eine Absage. Bürgermeister Karl Bohnstingl betonte, das der „Flascherlzug“ zwar nicht ganz weg vom Tisch ist, jedoch in seiner bisherigen Form so nicht weitergeführt werden könne. Deshalb wurde laut Berichten der Kleinen Zeitung ein Flascherlzug-Ausschuss beschlossen, der nach Lösungen für eine Zukunft der traditionsreichen Schmalspurbahn suchen soll.
Auf Entscheidung folgt Kritik
In Stainz herrscht Unverständnis bezüglich dieser Entscheidung. Viele Unternehmer befürchten, dass mit dem Flascherlzug auch ein wichtiger Teil des regionalen Tourismus verloren geht. Auch von den NEOS folgt Kritik: „Der Beschluss in Stainz ist kein Schlusspunkt, sondern ein Weckruf. 133 Jahre Tradition dürfen unter FPÖ und ÖVP nicht zu Grunde gehen! Landeshauptmann Kunasek muss jetzt beweisen, ob ihm die steirische Tradition am Herzen liegt“, so NEOS-Klubobmann Niko Swatek. Im Zuge einer Befragung an Landeshauptmann Mario Kunasek wird Swatek bei der Landtagssitzung kommenden Dienstag die folgende Frage stellen: „Werden Sie und das Land Steiermark Maßnahmen ergreifen, um den Erhalt des traditionsreichen Stainzer Flascherlzugs als kulturelles und touristisches Wahrzeichen der Weststeiermark zu sichern?“ Da die Gemeinde an ihre finanziellen Grenzen stößt, sehen NEOS nun das Land in der Pflicht: „Der Flascherlzug ist mehr als Nostalgie – er ist ein Garant für Tourismus, Identität und regionale Wertschöpfung. Wenn die Gemeinde nicht mehr kann, muss das Land übernehmen und dieses steirische Wahrzeichen sichern“, so Swatek abschließend.