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Bild auf 5min.at zeigt die Sporgasse in Graz.
Beim „Tag der Weiterbildung“ im Bildungshaus Schloss St. Martin stand das Thema Menschenrechte im Mittelpunkt. Expertinnen und Experten diskutierten über Freiheit, Verantwortung und die Rolle der Bildung.

Wie steht es um die Menschenrechte in der Steiermark?

Menschenrechte geraten zunehmend unter Druck. Egoismus und Desinformation nehmen zu. Beim "Tag der Weiterbildung" in Graz zeigten Expertinnen und Experten, wie Bildung zum wirksamsten Schutzschild für Freiheit und Demokratie wird.

von Julia Waldhauser Teamfoto von 5min.at: Julia Waldhauser ist für die Online-Redaktion Graz tätig.
3 Minuten Lesezeit(540 Wörter)

Wie steht es um die Menschenrechte in der Steiermark? Diese Frage stellten sich Vertreter aus Bildung, Politik und Forschung beim „Tag der Weiterbildung“ in Graz. Auf Einladung des Bildungsnetzwerks Steiermark diskutierten sie, welche Rolle Erwachsenenbildung heute spielt; in einer Zeit, in der Egoismus wächst und der gesellschaftliche Zusammenhalt bröckelt. Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom (ÖVP) brachte es gleich zu Beginn auf den Punkt: „Die Menschenrechte sind nicht selbstverständlich – da muss permanent daran gearbeitet werden. Und da hat die Erwachsenenbildung eine ganz zentrale Rolle.“ Bildung höre eben nicht mit dem Schulabschluss auf, sondern begleite uns ein Leben lang.

Freiheit endet, wo die des anderen beginnt

„Jeder hat das Recht, sein Leben frei zu gestalten, solange das die Freiheit des anderen nicht einschränkt“, sagte Lisa Heschl vom Europäischen Trainings- und Forschungszentrum für Menschenrechte der Uni Graz. Sie sieht eine wachsende Schieflage zwischen dem Wunsch nach eigenen Rechten und dem Verständnis für die Rechte anderer. „Jeder will zwar seine Rechte geschützt sehen, aber die Akzeptanz dafür, dass die Menschenrechte auch die Lebenswelten anderer schützen, ist verloren gegangen.“ Heschl betonte, wie wichtig es ist, Bewusstsein für gegenseitigen Respekt zu schaffen. Erwachsenenbildung kann dabei helfen, „aktiv an der Gesellschaft teilzuhaben, persönliche Freiheit zu gestalten und die Freiheit anderer zu akzeptieren“.

Foto auf 5min.at zeigt Personen in die Kamera lächeln.
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Daniela Grabovac, Kerstin Slamanig, Lisa Heschl, Hannes Galter, Manuela Khom und Susanne Prisching (v. l.) bei der Diskussion über Menschenrechte und Gleichbehandlung in der Steiermark.

„Haben verlernt, aufeinander zu schauen

Klartext sprach auch Daniela Grabovac, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle Steiermark: „Es fehlt an Empathie. Wir haben verlernt, aufeinander zu schauen.“ Bildung und Weiterbildung seien daher Grundpfeiler für Demokratie und ein respektvolles Miteinander. Gerade in Zeiten von Desinformation brauche es die Fähigkeit, Informationen einzuordnen und kritisch zu hinterfragen. Grabovac erinnerte daran, dass Bildung nicht nur der Selbstoptimierung dienen dürfe, sondern der Sensibilisierung für Diskriminierung, Gleichstellung und Gleichbehandlung.

Foto auf 5min.at zeigt Personen in die Kamera lächeln.
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Kerstin Slamanig, Lisa Heschl, Manuela Khom und Hannes Galter (v. l.) betonten die Bedeutung von Bildung für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Rechte kennen, um sie leben zu können

„Viele Menschen kennen ihre Rechte und Pflichten nicht einmal“, sagte Susanne Prisching von der Gleichbehandlungsanwaltschaft Steiermark. Nur durch laufende Weiterbildung könne man gesellschaftlich Schritt halten. Sie regte an, Bildung in bestimmten Bereichen verpflichtend zu machen, um Bewusstsein für Menschenrechte und Gleichbehandlung zu stärken. Auch Sandra Holasek, Landtagsabgeordnete und Vizepräsidentin des Volksbildungswerks, erinnerte daran, dass Graz als Menschenrechtsstadt eine besondere Verantwortung trage. Die öffentliche Hand müsse hier mit gutem Beispiel vorangehen.

Bildung braucht stabile Rahmenbedingungen

Für Alexandra Nagl, Leiterin der Abteilung Bildung und Gesellschaft des Landes Steiermark, ist Erwachsenenbildung „demokratiepolitisch unerlässlich“. Sie sieht sie als Gegengewicht zur schnellen Informationsflut: „Ein Kontrapunkt zur schnellen Information und eine Alternative zu schnellen Internet-Videos – ein Zeitnehmen, Nachdenken, Vertiefen.“ Hannes Galter, Vorstand des Bildungsnetzwerks Steiermark, forderte bessere finanzielle Rahmenbedingungen: „Die Erwachsenenbildung ist der größte Bildungsbereich mit den geringsten Ressourcen. Um ihre Aufgaben erfüllen zu können, braucht sie eine abgesicherte Finanzierung.“

Großes Engagement in der Steiermark

Dass das Thema in der steirischen Bildungslandschaft stark verankert ist, zeigte Kerstin Slamanig vom Bildungsnetzwerk Steiermark: „Neun von zehn Einrichtungen beschäftigen sich auf unterschiedlichen Ebenen mit Menschenrechten, Gleichstellung und Antidiskriminierung.“ Das Bildungsnetzwerk Steiermark will diesen Dialog weiterführen: mit Kursen, Projekten und Diskussionsformaten, die Menschen zusammenbringen. Denn Bildung, da waren sich alle einig, ist mehr als Wissenserwerb. Sie ist eine Haltung und vielleicht der stärkste Schutz, den die Menschenrechte haben.

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