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/ ©Stadt Bruck
Auf dem Foto von www.5min.at sieht man die Enthüllung des neuen Mahnmals in Bruck an der Mur.
In Bruck an der Mur wurde ein Mahnmal für die Todesmärsche ungarisch-jüdischer Zwangsarbeiter enthüllt.

Enthüllung in Bruck an der Mur: Neues Mahnmal gedenkt Todesmarsch

Diese Woche wurde ein berührendes Erinnerungsprojekt enthüllt. Neben der Volksschule Körnerstraße steht nun ein Mahnmal, geschaffen von ehemaligen AHS- Schülern gemeinsam mit den Künstlern Florian Lercher und Albin Wirbel.

von Leema Mohsenzada-Slaje Auf dem Foto auf www.5min.at sieht man Leema Mohsenzada-Slaje.
2 Minuten Lesezeit(379 Wörter)

Der Park neben der Volksschule Körnerstraße in Bruck an der Mur ist bewusst gewählt: Denn genau hier beobachtete der damals fünfjährige Johann Trummer im April 1945 den Todesmarsch ungarisch-jüdischer Zwangsarbeiter, ein Bild, das ihn nie wieder losließ. Zum Hintergrund:  Am 7. April 1945 trieb die SS rund 6.000 Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter durch die Steiermark, mitten durch Bruck an der Mur. Für viele bedeutete der Marsch den Tod. Der Brucker Emmerich Trummer, Vater des jungen Johann, riskierte damals sein eigenes Leben: Er sorgte dafür, dass mindestens 13 in Bruck ermordete jüdische Zwangsarbeiter würdevoll bestattet wurden, heimlich und unter enormer Gefahr. Die Israelitische Kultusgemeinde ehrte ihn dafür. In einem privaten Totenbuch vermerkte er die Namen der Ermordeten handschriftlich als „Israeliten“. 1954 wurden die Leichname exhumiert und am Jüdischen Friedhof in Graz beigesetzt.

Ein Schulprojekt wird zu einem Mahnmal

Das nun enthüllte Gedenkzeichen ist das Ergebnis eines einjährigen Generationenprojekts des Brucker Gymnasiums. Die Jugendlichen beschäftigten sich intensiv mit den Ereignissen, besuchten Mauthausen und nahmen an Vorträgen der Historiker Eleonore Lappin-Eppel, Gerald Lamprecht und Heimo Halbrainer teil. Zum Abschluss ihres Schuljahres entwickelten die Schüler gemeinsam mit Künstler Florian Lercher ein großflächiges abstraktes Bild, das von Metallkünstler Albin Wirbel in einen eindrucksvollen Rahmen gesetzt wurde. Das Mahnmal erinnert nicht nur an die Todesmärsche, sondern versteht sich auch als Botschaft: mehr Menschlichkeit, mehr Zivilcourage, in Erinnerung an Emmerich Trummer. Die Enthüllung fand unmittelbar dort statt, wo Johann Trummer den Todesmarsch erlebt hatte. Anwesend waren Familienmitglieder des mutigen Bruckers, darunter sein Sohn Peter Trummer sowie Enkelinnen und Schwiegertochter.

Auf dem Foto von www.5min.at sieht man die Enthüllung des neuen Mahnmals in Bruck an der Mur.
©Stadt Bruck
Nach der Enthüllung versammelten sich die Gäste bei den Stolpersteinen der jüdischen Familie Hofmann.

Gedenken und Stolpersteine

Reden hielten Bürgermeisterin Susanne Kaltenegger, Museumsvereinsobfrau Irmengard Kainz und Professor Gerald Lamprecht vom Centrum für Jüdische Studien der Uni Graz. Besonders bewegend war die Verlesung von Gedichten und Zeitzeugentexten durch Schüler und Angehörige der Schule. Ein Bläserquartett des Josef-Haydn-Orchesters schuf mit Stücken wie „Von guten Mächten“ und „Sog nit keynmal“ eine ruhige, respektvolle Atmosphäre. Nach der Enthüllung versammelten sich Gäste bei den Stolpersteinen der jüdischen Familie Hofmann. Der Museumsverein hatte sie zuvor gereinigt, ein stiller, aber starker Akt der Erinnerung an die Opfer der Novemberpogrome.

Hinweis: Dieser Beitrag wurde am 14.11.2025 um 11:48 Uhr aktualisiert
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