Steiermark: Straßen nehmen 91 Prozent der Verkehrsflächen ein
Neue VCÖ-Daten zeigen: Straßen und Verkehrsflächen nehmen im ganzen Land massiv zu. Warum dadurch wertvoller Boden verloren geht und was eine Umkehr bringen kann.
In der Steiermark sind laut aktueller VCÖ-Analyse 272 Quadratkilometer für Verkehr verbaut. Damit fließt ein Viertel der gesamten verbauten Fläche in Straßen, Schienen und Flughäfen. Besonders auffällig: 91 Prozent davon entfallen auf den Straßenverkehr. Schienen brauchen im Vergleich nur 20 Quadratkilometer und sind dadurch viel platzsparender.
Straßen dominieren das Landschaftsbild
Die Zahlen der Österreichischen Raumordnungskonferenz (ÖROK) zeigen insgesamt 1.002 Quadratkilometer Bodenverbrauch im Bundesland. Neben Straßen gehören auch Parkflächen zu Betrieben, Einkaufszentren, Wohnanlagen oder Freizeiteinrichtungen dazu. Gerade diese großen, versiegelten Bereiche prägen das Ortsbild und nehmen immer mehr Raum ein, der als Grünfläche verloren geht.
Zersiedelung als Haupttreiber
Ein wesentlicher Grund für den wachsenden Bodenverbrauch ist die Zersiedelung. Wenn neue Gebäude weit außerhalb errichtet werden, braucht es zusätzliche Straßen. Besonders Einkaufszentren, Fach- und Supermärkte erzeugen großflächige Parkplatzareale. VCÖ-Experte Michael Schwendinger erklärt: „Die Stärkung der Ortskerne reduziert nicht nur den Bodenverbrauch, sondern macht auch die Alltagswege kürzer und vermeidet Verkehr.“
Bahn schafft Entlastung
Während beim Straßenverkehr 74 Prozent der Fläche versiegelt sind, sind es beim Schienenverkehr nur 47 Prozent. Dazu kommt, dass die Bahn weniger Emissionen verursacht. Schwendinger betont: „Mit einem dichteren Bahnnetz und häufigeren Verbindungen können mehr Pendlerinnen und Pendler mit der Bahn statt mit dem Auto fahren, womit Staus und andere Verkehrsprobleme deutlich reduziert werden.“ Auch finanziell rentiert sich das Öffi-Fahren: Mit dem Klimaticket Steiermark um 514 Euro bist du ein Jahr unterwegs. Autofahrer kommen mit demselben Betrag gerade einmal rund 1.028 Kilometer weit.
Große Unterschiede zwischen den Bundesländern
Der österreichweite Durchschnitt beim Pro-Kopf-Bodenverbrauch des Verkehrs liegt bei 188 Quadratmetern. Die Steiermark liegt mit 214 Quadratmetern darüber, Oberösterreich mit 204 knapp darunter, Niederösterreich mit 323 deutlich darüber. Abschließend hält Schwendinger fest: „In allen Bundesländern kann der Bodenverbrauch des Verkehrs reduziert werden, einerseits durch eine verkehrssparende Siedlungsentwicklung und andererseits durch das Forcieren platzeffizienter Mobilität.“
Grüne fordern Fortschritt bei Bodenstrategie
Parallel zu den neuen ÖROK-Zahlen machen die steirischen Grünen Druck auf die Landesregierung. Österreich liegt laut Bericht weiterhin deutlich über dem gemeinsamen Ziel von 2,5 Hektar neuer Flächeninanspruchnahme pro Tag – tatsächlich sind es 6,5 Hektar. In der Steiermark wird täglich rund ein Hektar verbaut, ähnlich groß wie zwei Fußballfelder. Klubobfrau Sandra Krautwaschl warnt: „Wenn wir hier endlich Boden gut machen wollen und unsere Lebensgrundlagen für die kommenden Generationen erhalten möchten, braucht es endlich eine klare Strategie, um das Zubetonieren der Steiermark zu stoppen, bevor es zu spät ist.“ Die Grünen wollen wissen, wie es um die im Regierungsprogramm angekündigte steirische Bodenstrategie steht. Laut Krautwaschl sei noch unklar, welche Ziele definiert wurden und wie weit die Arbeiten gediehen sind: „Viele Steirerinnen und Steirer, Gemeinden und Fachleute wollen nachvollziehen können, wie ernst das Land das Thema Bodenschutz nimmt.“ Der Antrag fragt konkrete Schritte ab – von gesetzten Maßnahmen über Arbeitsgruppen bis hin zu geplanten Zielgrößen für Bodenverbrauch und Entsiegelung.