Vier-Tage-Woche für Lehrlinge erntet neben Zustimmung auch Kritik
Die WKO Steiermark drängt auf mehr Flexibilität in der Lehre. Eine Vier-Tage-Woche für minderjährige Lehrlinge soll möglich werden. Nun folgt eine politische Debatte mit klaren Fronten.
Die Wirtschaftskammer Steiermark (WKO) spricht sich klar für flexiblere Arbeitszeiten in der Lehrausbildung aus. Konkret unterstützt sie den Vorstoß der steirischen Landesregierung, die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine Vier-Tage-Woche auch für minderjährige Lehrlinge zu schaffen. Für WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk ist eine Anpassung der Ausbildungsstrukturen unumgänglich, um die Lehre zukunftsfit zu machen. Der Fachkräftemangel und steigende betriebliche Anforderungen würden viele Ausbildungsbetriebe zunehmend fordern.
Gesetzliche Hürde soll fallen
Nach aktueller Rechtslage dürfen minderjährige Lehrlinge maximal neun Stunden pro Tag arbeiten. Damit ist eine Vier-Tage-Woche bei 40 Wochenstunden gesetzlich ausgeschlossen. Eine Modernisierung des Kinder- und Jugendlichen-Beschäftigungsgesetzes soll das ändern. „Um Lehrstellen zu sichern und die duale Ausbildung zukunftsfit zu gestalten, müssen Ausbildungsstrukturen stärker an moderne Arbeitsrealitäten angepasst werden“, betont Herk. Ziel sei keine Mehrarbeit, sondern eine andere Verteilung der Arbeitszeit.
Keine Verlängerung, sondern neue Verteilung
Die WKO unterstreicht, dass die Wochenarbeitszeit gleich bleiben soll. „Es geht es nicht um eine Verlängerung der Arbeitszeit, sondern um eine flexiblere Verteilung, die sowohl betriebliche Planbarkeit als auch Ausbildungsqualität verbessert und endlich auch Lehrlingen eine Vier-Tage-Woche ermöglicht“, so Herk. Bereits 2025 hatten alle Fraktionen im Wirtschaftsparlament der Wirtschaftskammer Steiermark eine entsprechende Gesetzesänderung gefordert.
ÖVP greift Thema politisch auf
Nach der Wirtschaft meldete sich auch die steirische ÖVP zu Wort. Landesparteichefin und Vize-Landeshauptfrau Manuela Khom spricht sich dafür aus, die tägliche Arbeitszeit von Lehrlingen von acht auf bis zu zehn Stunden zu erhöhen – bei gleichbleibender Wochenarbeitszeit von 40 Stunden. „Flexible Arbeitszeitmodelle sind in vielen Unternehmen gelebte Realität – Lehrlinge davon auszuschließen, ist weder wirtschaftlich sinnvoll noch zeitgemäß“, wurde Khom am Samstag in der „Kleinen Zeitung“ zitiert. Mit der Flexibilisierung wäre auch eine Vier-Tage-Woche für Lehrlinge möglich.
Kritik von Opposition und Gewerkschaft
Scharfe Kritik kommt von den steirischen NEOS. Klubobmann Niko Swatek erklärte per Aussendung: „Die ÖVP hat den Wirtschaftsstandort jahrelang gegen die Wand gefahren und jetzt sollen das Jugendliche ausbaden.“ Auch die Gewerkschaftsjugend lehnt längere Arbeitstage für Lehrlinge ab. „Wer die Lehre attraktiver machen will, muss in Ausbildung investieren, nicht Arbeitszeiten ausdehnen“, sagte ÖGB-Bundesjugendsekretär Matthias Hauer. Ausbildung müsse „qualitativ hochwertig, praxisnah und fair sein – nicht länger, nur weil es manchen Betrieben gerade passt“.
Lehrlingszahlen rückläufig
Die Debatte fällt in eine angespannte Phase für den steirischen Lehrlingsmarkt. Mit Ende Dezember 2025 wurden 14.442 Lehrlinge ausgebildet – ein Rückgang von 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Neu in eine Lehre gestartet sind 4.292 Jugendliche, um 5,3 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die Frage nach flexibleren Arbeitszeitmodellen gewinnt damit weiter an Bedeutung. (APA)