Notfall in Graz, Leoben & Co.: So vorbereitet sind unsere Spitäler wirklich
Von Hubschraubernotfällen bis zu radioaktiv kontaminierten Patienten - die KAGes hat 2025 in 24 Übungen die Notfallvorsorge in steirischen Spitälern und Pflegezentren auf Herz und Nieren geprüft.
Krankenhäuser helfen Menschen in Notfällen. Selten, aber doch, bricht auch in Spitälern ein Notfall aus: Die Palette reicht von der Bombendrohung bis zu Bränden, von der Versorgung einzelner verstrahlter Patienten bis hin zum sogenannten Massenanfall von Verletzten. Im Ernstfall zählt jede Minute und nervenstarkes routiniertes Personal ist von unschätzbarem Wert. „In jeder Einrichtung der KAGes findet mindestens einmal jährlich eine Katastrophenschutzübung statt, wobei die ,Drehbücher’ dafür stets neu ausgearbeitet werden. Somit sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf zahlreiche Krisenszenarien vorbereitet“, betont KAGes-Vorstandsvorsitzender Gerhard Stark. „Ein Großteil unserer Alarm- und Einsatzplanübungen findet in Zusammenarbeit mit den örtlichen Einsatzorganisationen statt. Im Ernstfall soll dadurch das gesamte Helfersystem gut aufeinander eingespielt sein“, erklärt Ulf Drabek, KAGes- Vorstand für Finanzen und Technik.
Evaluierung der Übungen
Bei jeder Übung wird auf vorbereitete Einsatzpläne zurückgegriffen, in denen die Zuständigkeiten und Führungsstrukturen ebenso geregelt sind wie die Prioritäten im Ablauf der Notfallmaßnahmen. Unmittelbar nach der Übung wird diese selbstkritisch evaluiert. Dabei wird geklärt, ob alle Informations- und Kommunikationskanäle funktioniert haben, ob die vorbereiteten Einsatzpläne und Checklisten praxistauglich sind und wo es eventuell Optimierungsmöglichkeiten gibt, egal ob grundlegend oder im Detail. Manchmal lässt sich nämlich schon durch einfache Maßnahmen wertvolle Zeit gewinnen, wie etwa durch die Beschriftung des Strahlenschutzanzugs vorne und hinten mit dem Namen und der Funktion der darin „verhüllten“ Person.
Besonders herausfordernde Einsätze 2025
- Am LKH Hochsteiermark, Standort Leoben wurden gemeinsam mit dem Polizei-Einsatzkommando Cobra Transport und Versorgung zweier verstrahlter Patienten simuliert – von der entsprechenden Alarmierung über die chirurgische Versorgung bis zum Management der Abfälle nach erfolgter medizinischer Behandlung.
- Am LKH Weiz im Verbund LKH-Univ. Klinikum Graz war ein simulierter Hubschrauberbrand mit einem Patienten an Bord direkt am Heliport des Krankenhauses Ausgangspunkt der Übung, wodurch zudem zahlreiche Patientenzimmer verraucht wurden.
- In der Oststeiermark wurde als Übungsszenario eine illegale Rave-Party angenommen, bei der sich ein Feuer ausgebreitet hat, die Verletzten teilweise unter Drogeneinfluss standen und alle ins LKH Oststeiermark am Standort Feldbach gebracht wurden. „Im Realfall werden 20 Verletzte von den Rettungsorganisationen immer auf mehrere Spitäler aufgeteilt, im Rahmen der Übung handelte es sich jedoch um einen bewussten Stresstest für das LKH“, erklärt DI Helmut Schröcker, Koordinator für den Alarm- und Einsatzplan der KAGes.
- Im Landespflegezentrum Mürzzuschlag übten die Mitarbeiter*innen der KAGes gemeinsam mit drei Feuerwehren, Rettung, Polizei und der Gemeinde die Evakuierung einer künstlich verrauchten Station, wobei ein Bewohner über die Drehleiter ins Freie gebracht wurde.
- Das LKH-Univ. Klinikum Graz war im Oktober einer der Schauplätze einer EU- länderübergreifenden MODEX-Katastrophenschutzübung (MODEX für „Module Exercises“) und Übungsort für ein Krisenszenario mit einer radioaktiv kontaminierten „Dirty Bomb“, unter Beteiligung des Bundesheeres.
Daten & Fakten
- Alljährlich wird in jedem steirischen LKH und LPZ (Landespflegezentrum) mindestens eine Katastrophenschutzübung durchgeführt.
- Im Krankenhaus wird mit Schauspieler*innen oder Simulationspuppen geübt, in den Landespflegezentren machen freiwillig auch echte Bewohner*innen mit, denen eine derartige Übung eine willkommene Abwechslung bietet.
- Im vergangenen Jahr lag der Schwerpunkt der KAT-Übungen einerseits bei Brandfällen (LKH Graz II, Standorte Süd, West, und Enzenbach, an den LKH- Standorten Weiz, Deutschlandsberg, Wagna sowie in allen drei Landespflegezentren, am Institut für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie und im KAGes-Textilservice), zudem bei Hubschraubernotfällen (Weiz, Graz II – Standorte Süd und Voitsberg – sowie Wagna).
- Auch für teilweise IT-Ausfälle werden Vorkehrungen getroffen und regelmäßig Szenarien durchgeprobt. Mehr als 47.000 IT-Komponenten wurden dahingehend bewertet, welche Auswirkungen ihr Ausfall auf den Krankenhausbetrieb hätte und wie er im Ernstfall zu kompensieren wäre.
- Die Schutzvorkehrungen für die unternehmenseigene IT lässt die KAGes bereits seit zehn Jahren nach der Norm ISO 27001 zertifizieren. Außerdem ist sie aufgrund des NIS-Gesetzes (Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetz) zu umfassenden Maßnahmen verpflichtet. Freiwillig setzt die KAGes zudem die Standards des deutschen Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) um – und das sind immerhin 1.836 Einzelanforderungen.
- Sollte gar keine IT mehr zur Verfügung stehen, gibt es in allen sieben Spitalsverbünden der KAGes eigene IT-Notfallpläne, um Akutpatient*innen trotzdem versorgen zu können.
- Ein zentraler Krisenstab unterstützt den KAGes-Vorstand bei der Bewältigung von Krisen und Katastrophen mit einrichtungsübergreifenden Auswirkungen (z.B. im Blackout).