Arbeitsmarkt Steiermark: Parteien fordern Kurswechsel bei 55 Plus
Mehr Arbeitslose, weniger offene Stellen: Der steirische Arbeitsmarkt bleibt angespannt. Während das AMS mit der Aktion 55+ gegensteuern will, kritisieren NEOS und SPÖ Kürzungen bei Unterstützungsprogrammen für ältere Jobsuchende.
Die aktuellen Zahlen zeichnen ein schwieriges Bild. Mit Ende Jänner 2026 waren in der Steiermark 49.396 Personen arbeitslos gemeldet, das sind 1.871 mehr als im Vorjahr. Zählt man Schulungsteilnehmer dazu, sind insgesamt 57.962 Menschen beim AMS vorgemerkt. Die Arbeitslosenquote liegt bei 8,5 Prozent, 5 Minuten hat berichtet. Gleichzeitig ist das Jobangebot rückläufig. Beim AMS Steiermark waren zuletzt 9.401 offene Stellen gemeldet, ein Minus von 10,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders betroffen sind der Automotive-Sektor und der Handel, während es bei Personalleasingfirmen zuletzt wieder etwas mehr Nachfrage gibt. Mit der Aktion 55+ setzt das AMS ab 2026 einen Schwerpunkt auf ältere Arbeitslose. Ziel ist es, Menschen über 55 gezielt beim Wiedereinstieg zu unterstützen und gleichzeitig Betrieben erfahrene Arbeitskräfte zu vermitteln.
Kritik von NEOS: „Senior Quality erhalten“
Nun meldet sich die Politik zu Wort. Die NEOS sehen die aktuelle Entwicklung mit Sorge, vor allem mit Blick auf ältere Arbeitslose. Fast jede zweite langzeitarbeitslose Person in der Steiermark ist über 55 Jahre alt. Gerade deshalb sei es unverständlich, dass erfolgreiche Programme gekürzt würden. NEOS-Gesundheitssprecherin Bettina Schoeller kritisiert die Entscheidung der FPÖ-ÖVP-Landesregierung, dem Projekt Senior Quality die Förderung zu streichen. „Wer bei Chancen spart, zahlt am Ende mit mehr Arbeitslosigkeit. Senior Quality bringt Erfahrung zurück in die Betriebe und Menschen zurück in Jobs“, so Schoeller. Die Kürzung sende angesichts steigender Arbeitslosigkeit ein falsches Signal.
SPÖ sieht fehlende Gesamtstrategie
Auch die SPÖ übt scharfe Kritik. Landesparteichef Max Lercher macht die Landesregierung mitverantwortlich für die Entwicklung am Arbeitsmarkt. Betriebe würden Stellen abbauen oder schließen, gleichzeitig fehle es an klaren arbeitsmarktpolitischen Schwerpunkten. „Untätigkeit und Ausflüchte bringen keine Trendumkehr“, sagt Lercher und fordert mehr wirtschaftspolitischen Gestaltungswillen. Besonders alarmierend sei die Lage im Zentralraum. In Graz stieg die Arbeitslosigkeit zuletzt um 7,1 Prozent, deutlich stärker als im steirischen Durchschnitt. Mit 23.348 arbeitslosen Menschen ist die Landeshauptstadt steirischer Spitzenreiter.
Forderung nach eigener Beschäftigungsaktion
Die SPÖ Graz fordert daher eine eigene Beschäftigungsaktion für Menschen ab 55 Jahren. Vorgeschlagen wird ein befristetes Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramm in Zusammenarbeit mit stadtnahen Betrieben, sozialen Einrichtungen und dem öffentlichen Bereich. SPÖ-Vorsitzende Doris Kampus sieht darin auch eine wirtschaftliche Chance: Übergangsjobs mit fairer Bezahlung, Qualifizierung und Perspektive könnten nicht nur sozial gerecht sein, sondern auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Die Landesregierung sei nun gefordert, Verantwortung zu übernehmen, für Graz und für ältere Menschen, die nicht aufs Abstellgleis gehören.