Kinderbetreuung in der Steiermark: Streit um Homeoffice-Aussage
In der Steiermark fehlen tausende Betreuungsplätze. Die Landesregierung sieht wegen mehr Telearbeit weniger Bedarf. Kritik daran kommt scharf von den NEOS.
2500 Kinder auf Wartelisten und 750 Absagen – diese Zahlen zeichnen ein deutliches Bild der Kinderbetreuung in der Steiermark. Für NEOS-Chef Niko Swatek ist klar: „2500 Kinder auf der Warteliste und 750 Absagen sprechen gemeinsam mit dem Bericht des Landesrechnungshofes eine klare Sprache: Die Kinderbetreuung in der Steiermark geht am tatsächlichen Bedarf vorbei.“ Besonders brisant: Laut ihm gebe es aktuell sogar weniger Plätze als noch 2023. Der aktuelle Maßnahmenbericht der Landesregierung dämpft zusätzlich die Hoffnung auf schnelle Verbesserungen.
Kritik an Argument der Telearbeit
Der Landesrechnungshof hatte bereits im Juli 2025 festgehalten, dass es an einer ehrlichen Bedarfserhebung und am konsequenten Ausbau fehlt. Dennoch argumentiert die Landesregierung nun, dass durch zunehmende Telearbeit der Bedarf an längeren Betreuungszeiten sinke. Für Swatek ist das nicht nachvollziehbar: „Das ist ein Schlag ins Gesicht aller arbeitenden Eltern. Homeoffice ersetzt keine Kinderbetreuung. Eltern arbeiten nicht weniger, nur weil sie zu Hause sind.“ Und weiter: „Wer so argumentiert, zeigt, wie weit er vom Alltag der Menschen entfernt ist.“
Breite Kritik aus mehreren Richtungen
Nicht nur die NEOS sehen Handlungsbedarf. Auch Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung fordern seit längerem längere Öffnungszeiten. Swatek betont: „Während Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und auch die Wirtschaft auf ein verlässliches, alltagstaugliches Angebot drängen, redet sich die Landesregierung auf angeblich sinkenden Bedarf wegen Telearbeit heraus.“ Für ihn gehe diese Argumentation völlig an der Lebensrealität vieler Familien vorbei.
Zweifel an Umsetzung der Maßnahmen
Für Unverständnis sorgt auch, dass die Landesregierung Empfehlungen wie zusätzliche Betreuungsplätze für Unter-Dreijährige teilweise als bereits umgesetzt ansieht. Angesichts tausender wartender Familien spricht Swatek von „Schönfärberei“. Besonders in Regionen mit niedrigen Betreuungsquoten sei die Lage weiterhin angespannt.
Forderung nach raschem Ausbau
Für die NEOS steht fest: Es brauche endlich ein Umdenken. „Die Landesregierung muss endlich dazu stehen, dass die den Kindergartenausbau in den letzten Jahren verschlafen hat“, so Swatek. Sein Fazit fällt deutlich aus: „Der Bericht des Landesrechnungshofes ist ein klarer Arbeitsauftrag – die Antwort der Landesregierung ist aber vor allem eines: eine Ausrede.“