Mehr Chancen für heimische Betriebe: Neuer Leitfaden stärkt regionale Vergaben
Öffentliche Aufträge sollen künftig stärker in der Region bleiben. Mit einem neuen Vergabeleitfaden zeigt die WKO Steiermark Gemeinden, wie sie heimische Betriebe gezielt stärken und gleichzeitig nachhaltiger beschaffen können.
Die Wirtschaftskammer Steiermark (WKO) setzt sich seit Jahren für eine stärkere Berücksichtigung regionaler Unternehmen bei öffentlichen Aufträgen ein. Mit dem neuen Bundesvergabegesetz 2026 wurden nun wichtige Forderungen umgesetzt. Um Gemeinden bei der praktischen Anwendung der neuen Möglichkeiten zu unterstützen, hat die WKO einen neuen Vergabeleitfaden vorgestellt.
Mehr Chancen für heimische Unternehmen
Österreichweit vergibt die öffentliche Hand jährlich Aufträge im Umfang von rund 70 Milliarden Euro. Laut WKO entscheidet jede Ausschreibung darüber, ob Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen in der Region bleiben oder abfließen. Mit dem neuen Vergaberecht wurden die Schwellenwerte für vereinfachte Vergabeverfahren deutlich angehoben. So können Bauaufträge bis zu 200.000 Euro direkt vergeben werden. Im nicht offenen Verfahren sind sogar Auftragsvergaben bis zu zwei Millionen Euro möglich. Dadurch sollen Verfahren vereinfacht und regionale Klein- und Mittelbetriebe besser eingebunden werden.
Leitfaden für Gemeinden
Der neue „Vergabeleitfaden NEU“ wurde gemeinsam mit dem Vergaberechtsexperten Martin Schiefer erarbeitet. Er zeigt Gemeinden und öffentlichen Auftraggebern auf, wie Ausschreibungen KMU-freundlich gestaltet werden können. Im Fokus stehen unter anderem eine sinnvolle Aufteilung von Aufträgen, praxisnahe Eignungskriterien sowie Zuschlagskriterien, die neben dem Preis auch Qualität und regionale Wertschöpfung berücksichtigen.
Regionale Vergaben stärken Wirtschaft und Kaufkraft
Wie groß die wirtschaftliche Wirkung regionaler Vergaben sein kann, zeigt eine Berechnung der KMU Forschung Austria. Demnach schafft eine Million Euro zusätzliches regionales Auftragsvolumen durchschnittlich rund acht Arbeitsplätze. Zudem entstehen zusätzliche regionale Kaufkraft von etwa 230.000 Euro sowie beträchtliche Steuer- und Abgabeneinnahmen. Die WKO sieht darin einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Gemeinden und ihrer wirtschaftlichen Entwicklung.
Nachhaltigkeit als weiterer Schwerpunkt
Neben der Regionalität spielt auch die Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle im neuen Leitfaden. Öffentliche Auftraggeber sollen verstärkt Lebenszykluskosten berücksichtigen – also nicht nur den Anschaffungspreis, sondern auch Kosten für Betrieb, Wartung und Entsorgung. Dadurch rücken Qualität, Innovation und langfristige Wirtschaftlichkeit stärker in den Vordergrund. Gleichzeitig können Transportwege verkürzt und CO₂-Emissionen reduziert werden.
Schulungen geplant
Um die neuen Möglichkeiten rasch in die Praxis zu bringen, plant die WKO Steiermark in den kommenden Monaten Schulungen für Bürgermeister, Amtsleitungen und Beschaffungsverantwortliche. Zudem sollen Erfahrungen aus den Gemeinden gesammelt und in die Weiterentwicklung des Leitfadens einfließen. Ziel ist es, öffentliche Mittel künftig noch stärker für regionale Wertschöpfung, nachhaltige Entwicklung und die Zukunftsfähigkeit der steirischen Gemeinden einzusetzen.