Seit 2001: 191 anonyme Geburten in der Steiermark
In der Steiermark gibt es seit 2001 eine Kontaktstelle für Frauen in schweren Ausnahmesituationen. Zum 25-jährigen Bestehen der Caritas-Anlaufstelle wird klar, wie wichtig dieses Angebot ist.
Seit 2001 ist die Kontaktstelle Anonyme Geburt – Babyklappe der Caritas Steiermark für schwangere Frauen da, die in einer schweren Lebenslage sind. Beim Festakt zum 25-jährigen Bestehen wurde deutlich, worum es geht: Frauen sollen in Momenten, die ausweglos wirken, nicht allein bleiben. Caritasdirektorin Nora Tödtling-Musenbichler sagte dazu: „Die rasche und diskrete Erreichbarkeit der Kontaktstelle hilft Frauen in ausweglos scheinenden Momenten, eine menschliche Lösung zu finden.“ Waltraud Klasnic, die sich politisch für die Straffreistellung der Anonymen Geburt eingesetzt hatte, betonte: „Das engagierte Team leistet wertvolle Hilfe zum Schutz des Lebens – der Mütter und der Kinder.“ Das Angebot richtet sich an schwangere Frauen, die sich kein Leben mit ihrem Kind vorstellen können. Sie bekommen dort diskret, anonym und kostenlos Beratung und Information. Das Team begleitet sie bei ihrer Entscheidung, zeigt mögliche Wege auf und bleibt auch später erreichbar. So entsteht ein Ort, an dem nicht Druck, sondern Hilfe im Mittelpunkt steht.
Sicherer Rahmen
Damit Schwangerschaft und Geburt auch in solchen Ausnahmelagen sicher möglich sind, arbeitet die Kontaktstelle mit vielen Stellen zusammen. Dazu zählen Ärzte, Spitäler, Hebammen, Beratungsstellen sowie die Kinder- und Jugendhilfe. Tödtling-Musenbichler sagte: „Ein großes Netzwerk von Ärzten und Spitälern über Hebammen und Beratungsstellen bis zur Kinder- und Jugendhilfe ermöglicht Schwangerschaft und Geburt auch in Ausnahmelagen in einem sicheren Rahmen.“ Außerdem werde dafür gesorgt, „dass das Baby in einer Familie willkommen ist, auch wenn es nicht bei der Mutter aufwachsen kann.“
191 Geburten
Seit der Straffreistellung der Anonymen Geburt im Jahr 2001 wurden in der Steiermark 191 anonyme Geburten gezählt. Dazu kommen drei Babies, die anonym übergeben wurden, und sieben Neugeborene, die in einer Babyklappe abgelegt wurden. Die Beraterinnen Ulla Pongratz-Elsnig und Verena Reis halten fest: „Dazu kommen eine unbekannte Zahl an Kindern, deren Mütter in der Kontaktstelle beraten und begleitet wurden“. Die Kontaktstelle wurde 2001 auf Initiative von Waltraud Klasnic, damals Landeshauptmann der Steiermark, bei der Caritas eingerichtet.
Mehr Verständnis
Beim Festakt wurde auch die vorbeugende Bedeutung des Angebots betont. Die Fachärztin Claudia Klier sagte: „Die anonyme Geburt ist ein wirksames Instrument, um Kindstötungen nach der Geburt vorzubeugen.“ Wichtig sei, dass Frauen leicht an Aufklärung und Information kommen. Das Team arbeitet deshalb auch öffentlich daran, Verständnis für freigebende Mütter zu schaffen und Vorverurteilungen entgegenzutreten. Dazu gehört auch der „Tag der Herkunftsmütter“, der am Tag vor Muttertag begangen wird.