Drohen der Steiermark Spitalsschließungen? Das steckt hinter den Plänen
Neue Reformpläne des Bundes sorgen in der Steiermark für Diskussionen. Nach den vorgeschlagenen Kriterien könnten mehrere Spitalsstandorte betroffen sein. Das Land wehrt sich entschieden gegen mögliche Schließungen.
Die Diskussion um die Zukunft der Spitalsversorgung nimmt in der Steiermark an Fahrt auf. Auslöser ist ein Reformpapier des Bundes, das neue Kriterien für Krankenhäuser bis zum Jahr 2040 vorsieht. Nach diesen Vorgaben könnten österreichweit zahlreiche kleinere Spitalsstandorte unter Druck geraten, auch mehrere in der Steiermark. Noch handelt es sich um keine beschlossenen Schließungen, dennoch sorgt das Papier bereits für heftige Reaktionen aus Politik und Gesundheitswesen.
Neue Vorgaben könnten mehrere Standorte betreffen
Im Mittelpunkt der Debatte stehen zwei Kriterien: Krankenhäuser sollen künftig mindestens 180 Betten aufweisen und mehrere medizinische Fachrichtungen anbieten. Einrichtungen, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen, sollen nach den Vorschlägen langfristig durch andere Versorgungsformen ersetzt werden. Bundesweit wären laut den Berechnungen mehr als 60 kleinere Krankenhäuser betroffen. Auch in der Steiermark lösten diese Überlegungen umgehend Diskussionen aus. Rechnet man die Standorte einzeln und nicht als Teil bestehender Spitalsverbünde, könnten mehrere Krankenhäuser die neuen Anforderungen nicht erfüllen.
Auch Zukunftsprojekt in Liezen wäre betroffen
Besonders brisant ist die Situation im Bezirk Liezen. Dort arbeitet das Land seit Jahren an einer Neuordnung der Spitalsversorgung. Das geplante Netzwerk rund um Rottenmann und Bad Aussee, das als Nachfolgelösung für das einst geplante Leitspital gilt, soll nach derzeitiger Planung über 175 Betten verfügen. Damit läge das Projekt unter jener Grenze von 180 Betten, die im Reformpapier als Richtwert genannt wird. Gerade deshalb sorgt die Diskussion für Kritik. Das ursprünglich geplante Leitspital wäre mit rund 240 Betten von den neuen Vorgaben nicht betroffen gewesen.
Landesregierung stellt sich gegen mögliche Schließungen
Aus der Steiermark kommt deutlicher Widerstand. Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl (ÖVP) betont, dass ein Vorgehen gegen den Willen des Landes nicht akzeptiert werde. „Ein Drüberfahren wird es mit der Steiermark sicher nicht geben.“ Auch andere Bundesländer äußerten Vorbehalte gegenüber den Vorschlägen. Gleichzeitig verweist der Bund darauf, dass die medizinische Versorgung künftig stärker über Primärversorgungszentren, Gesundheitszentren und spezialisierte Standorte organisiert werden soll.
KAGes-Chef warnt vor starren Vorgaben
Skeptisch äußert sich auch der scheidende KAGes-Vorstandsvorsitzende Gerhard Stark. Aus seiner Sicht lasse sich das Gesundheitssystem nicht allein anhand einer Bettenzahl bewerten. Er verweist darauf, dass sich die Medizin in den vergangenen Jahren grundlegend verändert habe. Immer mehr Eingriffe würden heute ambulant oder tagesklinisch durchgeführt. Gleichzeitig gehe die Zahl stationärer Aufenthalte kontinuierlich zurück. Nach Angaben der KAGes sind die stationären Behandlungen seit 2017 um 19 Prozent gesunken. Im gleichen Zeitraum stiegen die tagesklinischen Leistungen um 76 Prozent, die ambulanten Behandlungen um 54 Prozent. Für Stark zeigt diese Entwicklung, dass künftig nicht allein die Zahl der Betten entscheidend sei, sondern vor allem die Frage, wie rasch Patientinnen und Patienten medizinisch versorgt werden können.
Reformpapier sorgt für politische Debatte
Die Vorschläge stammen aus einem Konzept zur Weiterentwicklung des österreichischen Gesundheitssystems. Neben einer stärkeren Bündelung stationärer Leistungen sieht das Papier den massiven Ausbau wohnortnaher Angebote vor. Bis 2040 sollen österreichweit hunderte Primärversorgungszentren und zusätzliche Gesundheitsversorgungszentren entstehen. Ob und in welcher Form die Empfehlungen tatsächlich umgesetzt werden, ist derzeit offen. Für Patienten bedeutet das derzeit vor allem eines: Es gibt keine beschlossenen Spitalsschließungen. Das Reformpapier beschreibt mögliche Zielbilder für die kommenden Jahre, über deren Umsetzung Bund und Länder erst verhandeln müssen.