Leobener Team testet E-Fuels bei 4.500-Kilometer-Rallye
Von Leoben auf die Straßen des Balkans: Acht Forschende und Studierende testen vom 13. bis 24. Juli nachhaltige Kraftstoffe - mit zwei VW Passat, darunter einem fast 30 Jahre alten Auto.
Was im Labor funktioniert, muss sich nun auf rund 4.500 Kilometern bewähren. Acht Forschende und Studierende des Lehrstuhls für Verfahrenstechnik des industriellen Umweltschutzes starten beim Pothole Rodeo durch die Balkanstaaten. Dabei wollen sie herausfinden, wie sich nachhaltige Kraftstoffe auf schlechten Straßen, bei wechselnden Höhenprofilen und fernab kontrollierter Bedingungen verhalten. „Klimaneutrale Moleküle müssen sich dort bewähren, wo sie eingesetzt werden: im bestehenden Fahrzeugbestand und abseits kontrollierter Umgebungen. Genau dafür ist diese Rallye unser Reality-Check“, sagt Christoph Markowitsch.
Zwei VW Passat stehen für Feldtest parat
Für den Feldtest setzt das Team auf zwei VW Passat. Eines der Fahrzeuge ist fast 30 Jahre alt und kostete rund 950 Euro. Beide Autos wurden am Lehrstuhl eigenständig instandgesetzt, technisch überarbeitet und StVO-konform vorbereitet. Damit verbindet das Projekt die Forschung an neuen Kraftstoffen mit der Weiterverwendung bestehender Fahrzeuge.
Härtetest am Balkan
Im Mittelpunkt stehen E-Fuels, die derzeit viel Energie benötigen, teuer sind und sich nur schwer in großem Maßstab herstellen lassen. Genau deshalb sammelt das Team Daten unter realen Belastungen. Selbst produzierte E-Fuels dürfen aktuell rechtlich nicht ohne Weiteres im Straßenverkehr eingesetzt werden, daher läuft der Feldtest gemeinsam mit Industriepartnern. „Wir erforschen die gesamte Prozesskette – von CO2 und H2 beziehungsweise Alkoholen über Carbon Capture und Synthesegaserzeugung bis zur Kraftstoffproduktion. Mit der Rallye schlagen wir die Brücke zwischen Labor, Pilotanlage und Anwendung auf der Straße“, erklärt Enzo Komatz.
Mehr als Forschung
Die Rallye ist zugleich ein Ausbildungsprojekt. Studierende übernehmen Aufgaben von der Prozessentwicklung und Qualitätssicherung bis zu Fahrzeugtechnik, Logistik, Kommunikation und Datenauswertung. Zum Team gehören Studierende, Dissertantinnen und Dissertanten sowie Professoren. Ein eigenes Damenteam setzt zudem ein Zeichen für mehr Sichtbarkeit in technischen Bereichen. Fahrerin Marion Andritz sagt: „Unser Team steht für Sichtbarkeit und Vielfalt in Technik und Motorsport. Wir zeigen, dass Engineering-Kompetenz divers ist – auf der Anlage, in der Werkstatt und am Lenkrad.“