18,2 Milliarden Euro Umsatz: Steirischer Handel rutscht real ins Minus
Die Umsätze im steirischen Handel steigen auf den ersten Blick. Doch nach Abzug der Preissteigerungen bleibt ein Minus. Gleichzeitig gibt es weniger Beschäftigte und deutlich mehr Arbeitslose.
Der steirische Handel hat im ersten Halbjahr 2026 18,2 Milliarden Euro umgesetzt. Das klingt zunächst nach einer guten Nachricht: Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem nominellen Plus von 1,7 Prozent. Doch die Zahlen zeigen auch eine andere Seite. Preisbereinigt ging die Wirtschaftsleistung im Handel um 1,2 Prozent zurück. Einzel- und Großhandel liegen real im Minus, lediglich die Kfz-Wirtschaft verzeichnet ein Wachstum. „18,2 Milliarden Euro Umsatz klingen auf den ersten Blick erfreulich. Entscheidend ist aber, was nach Abzug der Preissteigerungen bleibt und hier liegt der steirische Handel aktuell unter dem Vorjahr“, warnt Gerhard Wohlmuth, Obmann der Sparte Handel der WKO Steiermark. Viele Unternehmen würden mit hohem Einsatz arbeiten, trotzdem bleibe die entsprechende Gewinnspanne aus.
300 Millionen Euro mehr Umsatz, trotzdem reales Minus
In Zahlen bedeutet das: Die Handelsbetriebe in der Steiermark erwirtschafteten von Jänner bis Juni rund 300 Millionen Euro mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das nominelle Umsatzplus beträgt 1,7 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Preise im Handel um 2,9 Prozent. Daraus ergibt sich unter dem Strich das reale Minus von 1,2 Prozent. Auch die allgemeine Inflation bleibt ein Thema. Im ersten Halbjahr 2026 lag der Verbraucherpreisindex bei 3,0 Prozent. Die Preise im Einzelhandel stiegen mit 2,0 Prozent weniger stark, im Großhandel waren es 3,9 Prozent und in der Kfz-Wirtschaft 1,2 Prozent. Der Einzelhandel wirkt damit laut Analyse weiterhin inflationsdämpfend.
Einzelhandel setzt 6,2 Milliarden Euro um
Allein der steirische Einzelhandel kam im ersten Halbjahr auf einen Umsatz von rund 6,2 Milliarden Euro. Nominell bedeutet das ein Plus von 1,8 Prozent, preisbereinigt allerdings ein Minus von 0,2 Prozent. Zwischen den einzelnen Branchen gibt es große Unterschiede. Besonders stark entwickelte sich der Bereich Spiel und Sport mit einem nominellen Umsatzplus von 6,7 Prozent. Dahinter folgen Zeitungen und Bücher mit 5,5 Prozent, Drogerien und Apotheken mit 4,2 Prozent sowie Textilien, Bekleidung und Schuhe mit 4,0 Prozent. Ein Minus von 2,1 Prozent gab es hingegen bei Elektrogeräten, Möbeln und Heimwerkerbedarf. Noch deutlicher wird das Bild nach Berücksichtigung der Preise: Spiel und Sport legt real um 8,8 Prozent zu. Drogerien und Apotheken kommen auf plus 4,5 Prozent, Bekleidung und Schuhe auf plus 3,3 Prozent. Am anderen Ende steht der Handel mit Uhren und Schmuck mit einem realen Minus von 6,5 Prozent.
Großhandel verliert, Kfz-Wirtschaft wächst
Schwieriger bleibt die Situation im Großhandel. Zwar stiegen die Umsätze nominell um 1,4 Prozent, preisbereinigt steht jedoch ein Minus von 2,5 Prozent. Besser sieht es in der Kfz-Wirtschaft aus: Hier gab es nominell ein Plus von 3,0 Prozent und auch real ein Wachstum von 1,8 Prozent. Allerdings schwäche sich der Aufschwung laut Analyse inzwischen deutlich ab. Das Resümee der Experten fällt deshalb ernüchternd aus: Eine echte Aufwärtstendenz sei im steirischen Handel derzeit nicht feststellbar.
5.410 Arbeitslose im steirischen Handel
Besonders deutlich zeigen sich die Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt. Die Zahl der Beschäftigten ging im ersten Halbjahr um 0,7 Prozent zurück. Rund 71.600 Menschen sind noch unselbstständig im steirischen Handel beschäftigt. Im Großhandel beträgt der Rückgang 1,6 Prozent, in der Kfz-Wirtschaft 0,7 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl der Arbeitslosen um 6,5 Prozent auf 5.410 Personen. Dem stehen 1.435 offene Stellen gegenüber, 7,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Besonders auffällig: In der Kfz-Wirtschaft stieg die Arbeitslosigkeit sogar um 17,6 Prozent, während dort gleichzeitig 10,2 Prozent mehr Stellen offen waren.
WKO warnt vor zusätzlicher Belastung
Für Wohlmuth ist die Entwicklung ein klarer Auftrag an die Politik. Es brauche Leistungsanreize und weniger Belastungen für die Betriebe. Besonders kritisch sieht er die neue EU-Verpackungsverordnung. Diese treffe den heimischen Handel massiv und sei gerade für kleinere Unternehmen teilweise kaum umsetzbar, argumentiert der Spartenobmann. Auch der weitere Ausblick verspricht vorerst wenig Entspannung. Für das Gesamtjahr 2026 lautet die Einschätzung der Experten: „Kein Aufschwung in Sicht.“ Hoher Kostendruck, rückläufige Geschäftszahlen und Verkaufsflächen sowie der anhaltende Transformationsprozess setzen insbesondere den Einzelhandel weiter unter Druck.