Pestizid-Streit: Bauernbund soll Vorwurf richtigstellen
Der Streit um den Pestizideinsatz erreicht die Steiermark: Nach einem Urteil des Handelsgerichts Wien fordert Andreas Lackner den Steirischen Bauernbund auf, einen Vorwurf gegen GLOBAL 2000 öffentlich richtigzustellen.
Das Handelsgericht Wien hat einen Vorwurf gegen eine Auswertung von GLOBAL 2000 zum Pestizideinsatz in Österreich als unwahr beurteilt. Die IndustrieGruppe Pflanzenschutz muss die Behauptung widerrufen, der festgestellte Anstieg beruhe auf fälschlich mitgerechnetem CO2 aus der Lagerhaltung. Auch der Steirische Bauernbund hatte diesen Vorwurf aufgegriffen. Er warf der Umweltschutzorganisation „Falschinformationen“ und eine „absichtliche Falschinterpretation“ vor. Der entsprechende Beitrag ist weiterhin online.
Lackner fordert Korrektur
Andreas Lackner, Obmann der Grünen Bäuerinnen und Bauern, fordert nun eine öffentliche Richtigstellung durch den Steirischen Bauernbund. „Der Steirische Bauernbund ist schnell dabei, Umweltschützer oder andere NGOs anzugreifen, wenn deren Aussagen nicht ins eigene Bild passen. Diesmal ist diese Strategie gründlich danebengegangen“, so Lackner. Er verlangt, dass der Bauernbund den Vorwurf ebenso öffentlich korrigiert, wie er ihn verbreitet hat. Für Lackner soll sich die Diskussion nun wieder stärker um den tatsächlichen Einsatz von Pestiziden drehen.
Fokus auf Pestizide
Dabei verweist Lackner besonders auf problematische Wirkstoffe. „Bäuerinnen und Bauern haben nichts davon, wenn berechtigte Fragen zum Pestizideinsatz mit Nebelgranaten beantwortet werden. Landwirtschaft und Naturschutz gehören zusammen. Statt Umweltorganisationen schlechtzureden, sollten wir gemeinsam daran arbeiten, besonders schädliche Wirkstoffe deutlich zurückzudrängen und gute Alternativen für die Betriebe voranzubringen.“ Die steirischen Grünen drängen bereits länger auf mehr Transparenz beim Pestizideinsatz.
Mehr Daten gefordert
Im Juni brachten die Grünen im steirischen Landtag eine umfassende Anfrage zu einer bundesweiten Pestizid-Anwendungsdatenbank ein. Landwirtschaftliche Betriebe dokumentieren ihre Anwendungen bereits, die Daten werden laut den vorliegenden Angaben aber bislang nicht zentral gesammelt und ausgewertet. „Wenn wir eine ehrliche Debatte über Pestizide führen wollen, brauchen wir belastbare Daten“, so Lackner. GLOBAL 2000 hatte im vergangenen Dezember eine Auswertung veröffentlicht, wonach die potenziell mit Pestiziden behandelte Fläche in Österreich zwischen 2010 und 2024 um 22 Prozent gestiegen ist. Bei besonders problematischen Wirkstoffen fiel der Anstieg laut der Auswertung noch deutlich stärker aus.