Sommerferien kürzen? Klare Absage aus der Steiermark
Neun oder nur noch sechs Wochen Sommerferien? In der Steiermark stößt der Vorstoß von WKÖ-Präsidentin Martha Schultz auf Widerstand. Progress Steiermark warnt davor, die Betreuungslücke auf Kosten der Schüler zu lösen.
Drei Wochen weniger Sommerferien: Diesen Vorschlag brachte WKÖ-Präsidentin Martha Schultz am Samstag, dem 12. September, im Ö1-Format „Journal zu Gast“ ins Spiel. Als Grund nannte sie vor allem die Belastung von Müttern und anderen Personen mit Betreuungspflichten. Bei Progress Steiermark stößt die Idee auf klare Ablehnung. Die Jugendorganisation sieht die neun Wochen Ferien als wichtige Erholungszeit für Schüler. Auch Zeit für persönliche Interessen oder einen Sommerjob würde dadurch geschaffen.
Erholung im Fokus
Für die designierte AHS-Landesschulsprecherin Magdalena Mayrhofer geht es dabei nicht um Luxus. Sie betont: „Schüler:innen stehen während des Schuljahres unter enormem Leistungsdruck. Die neun Wochen Sommerferien sind keineswegs Luxus, sondern essenziell für die mentale und körperliche Gesundheit“. Auch der designierte BS-Landesschulsprecher Luca Dietel sieht die Ursache an anderer Stelle. „Ein Versagen der Politik bei der Kinderbetreuung darf nicht auf dem Rücken der Schülerinnen und Schüler ausgetragen werden – neun Wochen Sommerferien sind für die Erholung und psychische Gesundheit unverzichtbar”, so Dietel.
Betreuung ausbauen
Statt die Ferien zu kürzen, fordert Progress Steiermark zusätzliche Betreuungsmöglichkeiten im Sommer. Diese sollen flächendeckend, hochwertig und für Familien leistbar sein. Damit sollen Erziehungsberechtigte entlastet werden, ohne Schülern Ferienwochen zu streichen. Auch Grünen-Familiensprecherin Barbara Neßler hatte im Zuge der Debatte einen Ausbau der bezahlbaren Sommerbetreuung gefordert.
Mehr Sommerschule
Ein weiterer Vorschlag von Progress Steiermark betrifft die Sommerschule. Die Organisation spricht sich für einen gezielten Ausbau aus, besonders für Kinder mit Sprachförderbedarf. Damit sollen sprachliche Rückstände vor dem neuen Schuljahr aufgeholt werden. Auch Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) lehnt eine allgemeine Verkürzung der Sommerferien ab und verweist unter anderem auf Sommerschule und Sommercamps als Alternativen.
Kritik an Kürzung
Für den designierten BMHS-Landesschulsprecher Boran Kemac ist deshalb klar, wo angesetzt werden müsse: „Es kann nicht sein, dass Versäumnisse in der Betreuungsinfrastruktur durch die Streichung von Ferienwochen kaschiert werden. Wir fordern die Politik auf, in leistbare Angebote zu investieren, anstatt jungen Menschen ihre wohlverdiente Erholungszeit zu nehmen“. Damit bleibt die Frage nach der Betreuung während der neun Ferienwochen im Mittelpunkt der nun angestoßenen Diskussion.