Ab 2027: Neues Pflegeangebot für drei steirische Bezirke
In Leibnitz, Graz-Umgebung und im Murtal startet mit Jahresbeginn 2027 die „Pflegedrehscheibe Plus“. Damit werden Aufgaben des bisherigen Community Nursing dauerhaft in die bestehende Pflegeberatung integriert.
Seit 2022 wurden in einigen steirischen Gemeinden EU-finanzierte Projekte zum Community Nursing umgesetzt. Nach dem Ende der EU-Förderung 2024 unterstützte das Land Steiermark die Gemeinden mit einer eigenen Förderschiene. Nun sollen Teile des bisherigen Angebots dauerhaft in die bestehende Versorgungsstruktur eingebaut werden. Den Anfang machen Leibnitz, Graz-Umgebung und das Murtal. Dort startet mit Jahresbeginn 2027 die sogenannte „Pflegedrehscheibe Plus“.
„Mit Jahresbeginn 2027 wird das Leistungsangebot der Pflegedrehscheiben Leibnitz, Murtal und Graz-Umgebung erweitert”
Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl (ÖVP) erklärt dazu: „Aus unterschiedlichen und zeitlich befristeten Projekten einiger Gemeinden wird ein einheitliches und dauerhaftes Angebot des Landes. Mit Jahresbeginn 2027 wird das Leistungsangebot der Pflegedrehscheiben Leibnitz, Murtal und Graz-Umgebung um die präventiven und gesundheitsfördernden Aufgaben des Community Nursing erweitert”.
Mehr Vorsorge
Für das neue Angebot wurde gemeinsam mit Expertinnen und Experten in den vergangenen Monaten ein Konzept erarbeitet. Ziel ist es, Aufgaben und Erfahrungen aus dem Community Nursing in die bereits vorhandenen Pflegedrehscheiben zu übernehmen. Gleichzeitig sollen Doppelgleisigkeiten vermieden und vorhandene Mittel möglichst effizient eingesetzt werden. Dafür wird das bisherige Angebot um Gesundheitsförderung und Vorsorge erweitert. Geplant sind unter anderem vorbeugende Hausbesuche. Dabei sollen Ressourcen und mögliche Risikofaktoren direkt im Lebensumfeld der Menschen erfasst werden. Gemeinsam mit den Betroffenen können daraus weiterer Handlungsbedarf und persönliche Ziele abgeleitet werden.
Beratung vor Ort
Die Pflegedrehscheiben gibt es seit 2020 in allen steirischen Bezirken. Sie sind Anlaufstellen für pflegebedürftige Menschen sowie deren An- und Zugehörige. Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen beraten dort etwa zu mobiler Pflege, Hauskrankenpflege, Pflegegeld, Pflegeheimen, 24-Stunden-Betreuung oder Pflegekarenz. Auch Unterstützungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige gehören zum Angebot. Bei Bedarf helfen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zudem bei der Organisation entsprechender Leistungen. Mit der „Pflegedrehscheibe Plus“ kommt zu dieser Pflegeberatung nun gezielt der Bereich Prävention und Gesundheitsförderung hinzu.
Stellen im Herbst
Die notwendigen Stellen für die drei Regionen sollen noch im Laufe des Herbstes ausgeschrieben werden. Auch Personen, die derzeit als Community Nurses tätig sind, werden über die Ausschreibungen informiert. Sie werden ausdrücklich eingeladen, sich für eine Tätigkeit in der neuen „Pflegedrehscheibe Plus“ zu bewerben. Klubobmann Marco Triller sagt: „Mit der Pflegedrehscheibe Plus gelingt es, die positiven Erfahrungen aus dem Community Nursing in eine bestehende und bewährte Versorgungsstruktur zu überführen. Die Landesregierung hat intensiv daran gearbeitet, nach dem Auslaufen der bisherigen Fördermodelle eine tragfähige Lösung zu finden. Entscheidend ist für uns, dass die vorhandenen Ressourcen effizient eingesetzt und gleichzeitig Prävention und Gesundheitsförderung wohnortnah gestärkt werden. Der Start in drei Regionen ist daher ein wichtiger Schritt, um dieses Angebot nachhaltig weiterzuentwickeln.”
Zwei Jahre Pilot
Vorerst ist eine zweijährige Pilotphase vorgesehen. In dieser Zeit soll das Angebot ausgewertet werden. Die daraus gewonnenen Erfahrungen sollen genutzt werden, um die „Pflegedrehscheibe Plus“ weiterzuentwickeln. Danach ist eine schrittweise Ausweitung auf zusätzliche Regionen vorgesehen.
Kritik aus Graz
Kritik an der Neuregelung kommt aus Graz. Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer (KPÖ) sieht darin ein Ende der bisherigen Angebote auf Gemeindeebene. Betroffen sei laut seiner Darstellung auch die Stadt Graz, wo Community Nurses in der Gesundheitsdrehscheibe in der Annenstraße tätig sind. Dort beraten sie unter anderem Menschen mit chronischen Erkrankungen sowie Personen mit gesundheitlichen oder sozialen Belastungen. „Die von ÖVP-Landesrat Kornhäusl heute – nach vielen Monaten des Wartens – verkündete Neuregelung ist leider keine gute Lösung, sondern bedeutet das Aus für die niederschwelligen Angebote auf Gemeindeebene“, so Krotzer.
Graz will Angebot halten
Die Stadt Graz will sich nach Angaben Krotzers darum bemühen, das bestehende Angebot für die Bevölkerung weiterzuführen. Dazu sollen auch weitere Gespräche mit dem Land Steiermark geführt werden. Krotzer kritisiert zudem, dass für die betroffenen Pflegekräfte lange keine Planungssicherheit bestanden habe. „Wir werden nicht einfach so hinnehmen, dass Graz und die Grazer Bevölkerung wieder einmal benachteiligt und finanziell belastet werden, obwohl es gerade in einem großen Ballungszentrum dieses Angebot braucht und unsere Kolleg das Projekt mehr als vorbildlich umgesetzt haben“, erklärt der Gesundheitsstadtrat.