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Foto auf 5min.at zeigt Jakob Jantscher
Die gestrichene Schulassistenz für seinen achtjährigen Sohn Finn lässt Jakob Jantscher nicht los.

Schulassistenz für Sohn gestrichen: Ex-Kicker Jantscher „sieht keine rosige Zukunft“

Die gestrichene Schulassistenz für seinen achtjährigen Sohn Finn lässt Jakob Jantscher nicht los. Im Gespräch mit 5 Minuten erklärt der Ex-Kicker, warum er an die Öffentlichkeit ging und was ihm besonders Sorgen macht.

von Leema Mohsenzada-Slaje Auf dem Foto auf www.5min.at sieht man Leema Mohsenzada-Slaje.
4 Minuten Lesezeit(838 Wörter)
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Eigentlich wollte Jakob Jantscher die Situation seiner Familie nicht öffentlich machen. Doch nachdem sein achtjähriger Sohn Finn in diesem Schuljahr keine Schulassistenz mehr zugesprochen bekommen hatte, entschied sich der ehemalige Fußballprofi schließlich doch dazu. Im Gespräch mit 5 Minuten erklärt Jantscher nun ausführlich, warum. „Ich wäre normalerweise nicht an die Öffentlichkeit gegangen“, sagt Jantscher. Es seien allerdings Aussagen getätigt worden, die er so nicht stehen lassen könne. Sein Sohn lebt mit einem seltenen Gendefekt, der ihn auch künftig begleiten wird. Im vergangenen Schuljahr erhielt der Achtjährige mehrere Stunden Unterstützung im Schulalltag. Heuer sieht die Situation anders aus: Es wurden keine Assistenzstunden zugesprochen.

„Wir waren sehr überrascht“

Als der entsprechende Bescheid bei der Familie eintraf, sei die Überraschung groß gewesen, erzählt Jantscher. Die Familie ging gegen die Entscheidung vor und legte dar, weshalb Finn aus ihrer Sicht weiterhin Unterstützung benötigt. Doch auch das brachte nicht das erhoffte Ergebnis. Der Familie sei mitgeteilt worden, dass die angeführten Gründe für die Gewährung einer Schulassistenz nicht ausreichen würden. Genau hier beginnt für Jantscher ein grundsätzliches Problem. Er kenne Kinder mit ähnlichen Erkrankungen, die Unterstützung erhalten würden, andere wiederrum nicht. Für ihn müsse deshalb stärker auf die konkrete Situation des einzelnen Kindes geschaut werden. „Es muss die Möglichkeit geben, die Fälle im Detail zu betrachten“, fordert er im Gespräch mit 5 Minuten.

„Es gibt derzeit einfach keine Alternative“

Finn besucht seine Klasse weiterhin regulär. Familie und Schule versuchen nun gemeinsam, seinen Alltag bestmöglich zu bewältigen. Auch mit der Schulleitung stehe man dazu im Austausch. Doch Jantscher macht deutlich: Eine konkrete Alternative zur bisherigen Unterstützung gebe es für seinen Sohn derzeit nicht. „Wir als Eltern versuchen alles, aber auch die Schule versucht, das bestmöglich zu regeln“, erzählt er. Trotzdem bleibe die Frage offen, wie Kinder unterstützt werden sollen, wenn beantragte Assistenzstunden nicht zugesprochen werden. Nach aktueller Rechtslage umfasst der Anspruch auf steirische Schulassistenz medizinisch-pflegende, pflegerisch-helfende und bestimmte sonstige Bedarfe, pädagogische Leistungen sind ausdrücklich ausgenommen. Über den Antrag entscheidet die Landesregierung per Bescheid. Die geltende Durchführungsverordnung nennt zugleich unterstützende Maßnahmen, die eine gleichberechtigte Teilnahme am Schulgeschehen ermöglichen sollen. Dazu zählen etwa Hilfen bei der Organisation, bei Arbeitsaufträgen, bei Übergangssituationen und bei der sozialen Teilhabe. Ein pädagogischer Auftrag ist mit der Schulassistenz jedoch nicht verbunden.

Auf dem Foto von www.5min.at sieht man Jakob Jantschers Statement.
©Jakob Jantscher
Jakob Jantscher richtet klare Worte.

Jantscher: „Jedes Kind mit Problemen braucht Unterstützung“

Jantscher geht es nach eigenen Angaben längst nicht mehr ausschließlich um die Situation seines Sohnes. Besonders beschäftigt ihn, dass Familien und Kinder je nach festgestelltem Unterstützungsbedarf unterschiedlich behandelt werden. „Für mich ist das größte Problem die Differenzierung, die bei unseren Kindern beginnt“, sagt er. Nicht jedes Kind benötige dieselbe Unterstützung und auch nicht im selben Ausmaß. Entscheidend sei aus seiner Sicht aber, dass es überhaupt Möglichkeiten gebe. „Jedes Kind mit Problemen braucht Unterstützung, das eine mehr, das andere weniger.“ Dass er selbst nun konkrete Alternativen für das System präsentieren solle, sieht Jantscher nicht als seine Aufgabe. „Ich bin nicht dafür zuständig, Vorschläge oder Alternativen zu bieten. Dafür sind ganz andere zuständig“, sagt er gegenüber 5 Minuten.

„Viele Familien haben das Gefühl, nichts bewirken zu können“

Im Gespräch weist Jantscher noch auf einen Punkt hin, der ihm besonders wichtig ist. Nach seiner Wahrnehmung würden manche betroffene Familien gar keinen Antrag stellen oder gegen einen negativen Bescheid nicht weiter vorgehen, weil sie das Gefühl hätten, ohnehin nichts verändern zu können. Für ihn dürfe genau dieses Gefühl nicht entstehen. „Die Möglichkeit muss bestehen, etwas zu machen.“ Das Land beschreibt das Verfahren so: Eltern bringen den Antrag über die jeweilige Schule ein, die Landesregierung entscheidet anschließend mit Bescheid über einen Assistenzbedarf. Gegen einen Bescheid bestehen grundsätzlich Rechtsmittel.

„Wohin führt das in unserer Gesellschaft?“

Am Ende richtet Jantscher den Blick über den konkreten Fall seines Sohnes hinaus. Seine größte Sorge sei, welche Folgen es haben könne, wenn bereits bei Kindern Unterschiede beim Zugang zu notwendiger Unterstützung entstehen. „Wohin führt das in unserer Gesellschaft, wenn man bei Kindern differenziert?“, fragt Jantscher. Für ihn müsse gleichberechtigte Unterstützung möglich sein, selbst dann, wenn sie nur in einem kleinen Umfang notwendig sei. Seine Befürchtung formuliert der 37-Jährige deutlich: „Wenn man das tut, dann sehe ich keine rosige Zukunft für unsere Kinder.“ Vonseiten des Landes wurde zum konkreten Fall zuvor erklärt, dass der Unterstützungsbedarf von Finn als pädagogisch eingestuft werde und daher nicht unter das Schulassistenzgesetz falle. Für pädagogische Unterstützung werde auf den sonderpädagogischen Förderbedarf verwiesen. Dass pädagogische Leistungen vom Anspruch nach dem steirischen Schulassistenzgesetz ausgenommen sind, sei in der geltenden Rechtslage ausdrücklich festgehalten.

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