Bakterien-Alarm in Tiroler Fluss: Baden und Rafting ab jetzt tabu
Drei Wochen nach der Zerstörung der Kläranlage in Sölden gibt es neue Sorgen: In der Ötztaler Ache wurden erhöhte Keimzahlen festgestellt. Baden sollte man derzeit vermeiden, Rafting und Kanufahren sind nun sogar verboten.
Wer derzeit in der Ötztaler Ache eine Abkühlung sucht oder mit dem Raftingboot unterwegs sein möchte, sollte darauf verzichten. Drei Wochen nach der Zerstörung der Kläranlage in Sölden gibt es nun Hinweise auf eine erhöhte bakterielle Belastung des Flusses. Das Land rät vom Baden ab, Rafting und Kanufahren wurden vorerst sogar verboten.
Mure setzte Kläranlage außer Gefecht
Auslöser für die ungewöhnliche Situation war eine gewaltige Mure Ende Juli. Rund 100.000 Kubikmeter Schlamm und Geröll – laut Land Tirol genug, um etwa 40 olympische Schwimmbecken zu füllen – trafen die Kläranlage in Sölden und setzten sie außer Gefecht. Seither muss das Abwasser provisorisch in die Ötztaler Ache geleitet werden. Das Land untersucht deshalb regelmäßig, was das mit dem Fluss macht.
Jetzt wurden erhöhte Keimzahlen entdeckt
Zunächst sahen die Ergebnisse noch vergleichsweise unauffällig aus. Bei den üblichen Untersuchungen gab es laut Land keine Hinweise auf eine kritische Belastung. Nun wurden allerdings zusätzliche mikrobiologische Tests veranlasst – und genau diese liefern nun einen Grund zur Vorsicht. Die endgültigen Laborergebnisse stehen zwar noch aus, doch: „Wir haben noch keine endgültigen Ergebnisse der zusätzlich durchgeführten mikrobiologischen Untersuchung. Aktuell liegen nur erste Probeauswertungen vor, die aufgrund der anhaltenden Ausnahmesituation erhöhte Keimzahlen vorweisen. Diese mögliche bakterielle Belastung ist ernst zu nehmen“, erklärt Gesundheitsdirektorin Theresa Geley.
Schifffahrtsverbot erlassen, doch Warnung reicht weiter
Die Bezirkshauptmannschaft Imst reagierte darauf mit einem vorsorglichen Schifffahrtsverbot von der Brandachbrücke talauswärts bis zur Mündung. Damit fallen vorerst auch Rafting- und Kanutouren ins Wasser. Doch die Warnung betrifft nicht nur Wassersportler. „Baden und Wassersport in der Ache und die damit verbundene Gefahr des Schluckens bzw. Einatmens von Wasser könnten nach den nun vorliegenden Teilergebnissen der zusätzlichen Untersuchung jedoch Auswirkungen auf die Gesundheit haben“, erklärt Geley. Besonders vorsichtig sollten Kinder, Schwangere, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem sein. Auch Hunde und andere Haustiere sollten derzeit nicht in der Ache planschen oder daraus trinken. Wer bereits mit dem Wasser in Kontakt gekommen ist, muss allerdings nicht gleich in Panik geraten. Das Land empfiehlt, betroffene Körperstellen und Kleidung gründlich zu reinigen und die Hände mit Seife zu waschen.
Kann man das Leitungswasser noch trinken?
Für Bewohner und Urlauber stellt sich angesichts der Meldung wohl vor allem eine Frage: Was bedeutet das für das Trinkwasser? Hier gibt das Land vorerst Entwarnung. Das Trinkwasser im Ötztal stammt größtenteils aus höher gelegenen Quellen und wird nicht von der Ache beeinflusst. Auch bei einzelnen Brunnen entlang des Flusses wird derzeit keine Beeinträchtigung erwartet. Wie lange die Einschränkungen auf der Ötztaler Ache notwendig bleiben, ist noch offen. Das Land nimmt weiterhin jede Woche Wasserproben.