Bier-Krieg in Villach: Krimi um das Stadtwappen geht in Runde 2
Es ist die Frage, welche die Stadt spaltet: Darf ein Bier, das nicht mehr in Villach gebraut wird und dessen Logistik nun auch noch nach Fürnitz abwandert, weiterhin das stolze Villacher Stadtwappen tragen?
Die ÖVP sagt klipp und klar: Nein! Stadtrat Christian Pober bläst zur Attacke und will den brisanten Antrag im Gemeinderat erneut einbringen.
Der „Elchtest“ für Rot und Blau
Bereits 2024 blitzte Pober mit seinem Vorstoß im Gemeinderat ab. SPÖ und FPÖ stimmten dagegen. Doch jetzt, wo der Abzug der Brau Union aus der Innenstadt bittere Realität wird, sind die Karten neu gemischt. „Wer die Augen vor Tatsachen verschließt, erlebt sein blaues Wunder“, giftet Pober in einem Facebook-Posting in Richtung der Konkurrenz. Er nennt es den „politischen Elchtest“: Werden SPÖ und FPÖ diesmal Farbe bekennen oder fließen wieder nur „Krokodilstränen“?
Albel beklagt „grobes Foul“
Hinter den Kulissen der Draustadt brodelt es gewaltig, denn es geht längst nicht mehr nur um Hopfen und Malz. Es geht um nackte Zahlen und die Ehre einer ganzen Region. Während jährlich rund 100.000 Euro an Kommunalsteuer durch den Abzug der Brau Union einfach so aus dem Budget versickern, fliegen zwischen den Parteien die Giftpfeile. Bürgermeister Günther Albel (SPÖ) poltert gegen die landeseigene Ansiedelungsgesellschaft BABEG und spricht von einem „groben Foul“. Seine Forderung: Eine Millionen-Entschädigung soll den Schmerz in der Stadtkasse lindern. Doch für die Opposition ist das bloß ein Ablenkungsmanöver. FPÖ-Stadtrat Erwin Baumann sieht die Schuld direkt im Bürgermeister-Büro und wirft Albel vor, den Wirtschaftsstandort durch jahrelangen Stillstand und erschreckende Gleichgültigkeit gegen die Wand gefahren zu haben.
ÖVP fordert Stadtwappen-Entzug
Inmitten dieses finanziellen Trümmerfeldes hat sich eine politische Pattsituation entwickelt, in der jede Partei ihre ganz eigene Schlacht schlägt. Die ÖVP mit Pober agiert als kompromisslose Hardliner-Fraktion und fordert als direkte Konsequenz für den „Standort-Verrat“ den sofortigen Entzug des Stadtwappens. Demgegenüber steht eine sichtlich getroffene Albel-SPÖ, die zwar der „entfremdeten Identität“ des Bieres hinterhertrauert, aber bei drastischen Schritten gegen den Großkonzern spürbar zögert. Die FPÖ mit Baumann nutzt die Gunst der Stunde, um den Bürgermeister als Verwalter des Niedergangs darzustellen, dem die Arbeitsplätze der Villacher scheinbar wenig wert sind.
Droht dem Villacher Bier ein Image-Debakel?
Doch was bedeutet dieser Machtkampf eigentlich für das Produkt selbst? Sollte die ÖVP mit ihrem Antrag im Gemeinderat diesmal durchkommen, stünde die Brau Union vor einem Image-Problem. Das Villacher Stadtwappen ist nicht bloß Zierde, es ist noch immer Teil des Etiketts und vieler Werbe-Aufschriften. Ein optisches Facelift für die Marke wurde bereits Ende 2025 präsentiert. Bereits im Laufe dieses Jahres soll dann das neue Design ausgerollt sein. Den Anfang macht die klassische 0,5-Liter-Märzen-Flasche, bevor das gesamte Sortiment unter dem emotionalen Motto „Mit Leidenschoft und Herzbluat“ runderneuert wird. Der Turm soll dabei als neues, zentrales Symbol für Handwerk und Stolz stehen. Marketing-Chef Alexander Wolfinger verspricht ein Erscheinungsbild, das „frisch aber vertraut“ wirkt und die traditionsreiche Herkunft mit einer modernen Handschrift verbindet.