Einfach weggelegt: Das unglaubliche Leben eines Villachers
Einfach weggelegt wie ein Stück Müll wurde ein Villacher von seiner Mutter als er geboren wurde und vor die Tür eines älteren Ehepaares gelegt. Nur ein Zettel war beigefügt: „Der Bub heißt Josef“, war darauf zu lesen.
„Die ersten drei Jahre im Leben eines Kindes sind die wichtigsten“, sagte Erwin Ringel, Professor für Medizinische Psychologie, wenn man ihn nach seiner Einschätzung über die Entwicklung im Kindesalter fragte. Das dürfte dem Villacher wohl das Leben leichter gemacht haben, denn als das Ehepaar das bitterliche Krähen des Neugeborenen vor der Eingangstüre hörten, nahmen sie das Baby liebevoll wie ihr eigenes auf.
Vater stand plötzlich vor der Tür
„Ich bin liebevoll umsorgt sechs Jahre lang aufgewachsen, bis an dem Tag als es an der Türe klopfte“, schildert Hanser in einem Gespräch mit 5 Minuten. Vor ihm stand ein fremder Mann der seine Wahl-Eltern anbrüllte, gebt das Kind sofort raus, ich bin der Vater. Ängstlich verkroch sich der Bub in der Wohnung, genutzt hat es nichts. „Er hatte alle Papiere mit, war aus dem Krieg gerade heimgekommen und hat mich von dort abgeholt. Meine Mutti hat bitterlich geweint, als sie mich dem Mann übergeben, musste der mich an den Händen sofort von dort wegriss und mitnahm. Ich habe meine Zieheltern nie mehr gesehen.“
Kindheit voller Gewalt und Entbehrung
Als Hanser das erzählte, war ihm anzusehen, wie schwer es ihm heute noch fällt, darüber zu sprechen. Es begann für ihn ein Martyrium, welches er offensichtlich nur deshalb ohne psychischen Schaden überlebte, weil er in den ersten Jahren so liebevoll behandelt wurde und Kraft für das sammeln konnte, was ihm bevorstand. Was dann die nächsten Jahre folgte, kann man nicht erfinden. Die Scheußlichkeiten, die ihm der Vater zufügte sind im Buch seitenweise niedergeschrieben. „Das schlimmste Wesen auf der Welt ist der Mensch“, bricht es noch heute aus ihm heraus. Nur so viel sei verraten, der Bub wurde gezwungen, um nicht zu verhungern, Katzen und Hunde zu essen, die der Vater zuvor vor seinen Augen brutal getötet hat. In der Schule schaffte er überhaupt nur fünf Klassen Volksschule. Er wiederholte die vierte Klasse sooft bis den Lehrer die Geduld verließ und den Buben in die fünfte Klasse sozusagen hinüber schubste. „Ich hatte überhaupt keine Zeit zu lernen, denn ich musste nach der Schule sofort zum Bauern arbeiten gehen und die Jause, die ich dafür bekam bei ihm abliefern“, erzählt der Villacher aus seiner Erinnerung – es klang als wäre es erst gestern gewesen. Aus Protest, weil der Vater ihm die Hauptschule verwehrte, hatte er auch keinerlei mehr Interesse an der Volksschule und blieb dort sitzen.
Villacher schrieb mit 87 ein Buch
Was er trotz dieser „Schulbildung“ im Leben schaffte, trotz dieser Zeugnisse mit harter Arbeit es zu Wohlstand brachte, eine so gute Rechtschreibung hat, dass er ohne fremde Hilfe im Alter von 87 Jahren ein spannendes Buch schreiben konnte, das man, wenn man zu lesen beginnt, es kaum mehr weglegen kann, klingt unglaublich. Aber dass er möglicherweise heute doch noch auch an das Gute in der Welt glaubt, verdankte er wohl seiner Frau, die ihm beim Gespräch mit 5 Minuten immer wieder liebevoll die Hände hält und durch sein weißes Haar streicht. Die beiden zogen drei Kinder groß, ein Sohn lebt in den USA und ist dort ein Top Manager. Für seine engsten Freunde hat er gerade mal 100 Bücher von seinem Verlag bestellt, dessen Chef nach dem Studium baff bei ihm anrief und meinte, was da alles zu lesen ist wäre nur schwer zu verarbeiten. Es mache total betroffen. Wer Interesse hat, das unglaubliche Leben des Villachers nachzulesen: „Einfach weggelegt“ es ist bei Amazon oder Thalia bestellbar. Der Verlag hat sich dazu sogar schon die Filmrechte sichern lassen.