Villacher Frauenhaus zählte 17 Wochen Vollbelegung
Im Jahr 2025 fanden 35 Frauen und 32 Kinder Zuflucht im Villacher Frauenhaus. Die Jahresstatistik zeigt damit eine deutliche Steigerung zum Vorjahr.
Im Schnitt suchten im Jahr 2025 sechs Frauen mit ihren Kindern im Villacher Frauenhaus Zuflucht und blieben dort zirka 63,5 Tage. Das geht aus der aktuellen Jahresstatistik hervor. Die Auslastungsrate der Einrichtung lag damit bei 76,1 Prozent. „In insgesamt 17 Wochen gab es eine Vollbelegung und betroffene Frauen, die bei uns angefragt haben, mussten an die anderen drei Frauenhäuser in Kärnten verwiesen werden“, weiß Geschäftsführerin Christina Kraker-Kölbl, die mit ihrem 21-köpfigen Team die Bewohnerinnen unterstützt.
Spezielle Betreuung für Frauenhaus-Kinder
Auch 32 Kinder – elf Mädchen und 21 Buben – fanden gemeinsam mit ihren Müttern im Frauenhaus Schutz. Sie verbrachten dort insgesamt 2.708 Tage und wurden von einer spezialisierten Sozialarbeiterin betreut. Weitere sechs Mütter lebten ohne ihre insgesamt neun minderjährigen Kinder im Frauenhaus. „Sie wurden im Rahmen von Entlastungsgesprächen, bei rechtlichen Themen sowie in Form von Besuchskontakten und Erziehungsberatung unterstützt“, heißt es in dem Jahresbericht.
Gewalt geht meist vom engsten Umfeld aus
Bei rund 57 Prozent der Bewohnerinnen des Villacher Frauenhauses war der Ehemann der Gefährder. In 31 Prozent der Fälle handelte es sich um den Lebensgefährten, bei drei Prozent um den Ex-Partner. Damit ist für etwa 91 Prozent der Frauen Partnergewalt der Fluchtgrund. Die restlichen Fälle betreffen etwa Gewalterfahrungen durch die eigenen Eltern oder andere Verwandte, zum Beispiel durch eine drohende Zwangsverheiratung. Bei den Gefährdern handelt es sich übrigens mehrheitlich um Österreicher (60 Prozent), gefolgt von Drittstaatsangehörigen (20 Prozent) und EU-Bürgern (17 Prozent). Ein anderes Bild zeigt sich bei den Opfern: Hier machen Frauen aus Drittstaaten mit 43 Prozent den größten Anteil aus, während 40 Prozent die österreichische und 17 Prozent eine EU-Staatsbürgerschaft besitzen. Laut der Jahresstatistik wurden im Vorjahr zudem 750 Beratungen verzeichnet – ein Zuwachs im Vergleich zu 2023 (679); ein Rückgang zu 2024 (758). Davon erfolgten 71 ambulant, 45 online und 40 per Telefon.
Kontakt:
Ihr seid in eurer Beziehung oder Familie von Gewalt betroffen oder bedroht? Das Frauenhaus Villach bietet euch rund um die Uhr Unterstützung und vertrauliche Beratung.
- Telefon: +43 4242 31031
- E-Mail: hilfe@frauenhaus-villach.at
GRÜNE: „Weckruf für mehr Gleichstellung“
„Dass so viele Frauen wie noch nie Schutz im Villacher Frauenhaus suchen mussten, ist das ein trauriges Signal dafür, dass gesellschaftlicher Fortschritt nicht selbstverständlich ist und Gleichstellung jeden Tag neu erkämpft werden muss“, äußert sich Karin Herkner, Gemeinderätin der Grünen Villach, zu dem aktuellen Jahresbericht des Villacher Frauenhauses. „Die Zahlen zeigen, dass viele Frauen nach wie vor mit Hürden kämpfen, die Männer in dieser Form oft nicht haben: finanzielle Unsicherheit, fehlende Absicherung, die Hauptverantwortung für Kinder und Pflegearbeit oder Gewalterfahrungen.“ Für Herkner sei Gewalt gegen Frauen eine der drastischsten Folgen bestehender Ungleichheiten. „Gewaltschutz beginnt nicht erst dann, wenn eine Frau ins Frauenhaus flüchten muss. Prävention bedeutet auch, Frauen ökonomisch zu stärken, Selbstbestimmung zu ermöglichen und gesellschaftliche Strukturen zu schaffen, die Gleichberechtigung fördern.“