Kellner Ziad aus Syrien: „I am from Austria“
Es sind für uns alle politisch heikle Zeiten. Doch wenn man in die Augen dieses jungen Mannes blickt, sieht man nicht mehr die Angst von einst, die seinen Alltag im Krieg von Syrien als Teenager bestimmte.
Sondern vielmehr hat er eher die Furcht vor gehässigen Kommentaren in den sozialen Netzwerken. Ziad Darwish ist heute Gastro-Profi in einem der Hotspots rund um den Wörthersee. Doch als er nach Österreich kam, war der Mitarbeiter des renommierten „Portofino“ ein Nobody. Hier erzählt er seine Geschichte.
Das ist Ziads Geschichte
„Ich heiße Ziad Darwish und komme ursprünglich aus Aleppo in Syrien. Meine Kindheit war zunächst ganz normal. Doch mit dem Ausbruch des Krieges änderte sich alles. Plötzlich bestimmten Angst, Gewalt und Unsicherheit unseren Alltag. Ich musste Dinge erleben, die kein Mensch erleben sollte. Schließlich wurde mir klar, dass ich meine Heimat verlassen musste, um eine Zukunft zu haben. Im Jahr 2015, mit 16 Jahren, kam ich nach Österreich. Ich sprach kein Deutsch, kannte niemanden und musste mein Leben komplett neu beginnen. Es war eine schwierige Zeit, aber ich habe nie aufgegeben“, beginnt er.
Unternehmerin gab Ziad eine Chance
Die Unternehmerin Renate Wrann und ihre Familie gaben Ziad, der sich ohne jede Referenzen vorstellte, einfach in Velden eine Chance. Die Hotelière erinnert sich: „Er begann eine Kellnerlehre, die er auf Grund mangelnder Deutschkenntnisse und des Unverständnisses darüber, dass in Österreich auch Frauen Vorgesetzte sein können, abbrach! Allerdings: nach kurzer Nachdenkphase und dem Gefühl der Sicherheit in unserer Familie, kehrte er als Abwäscher zurück. Sein Talent, seine Herzlichkeit und sein Ehrgeiz blieben nicht lange unerkannt. Ziad kam retour ins Service, wo er sich ausbilden ließ. Durch seine humorvolle, hilfsbereite und loyale Art, eroberte er die Herzen unserer Familie, Kollegen und Gäste in kürzester Zeit! Heute ist Ziad wie ein Familienmitglied und aus unserem Unternehmen nicht mehr wegzudenken! Er ist Vorbild für viele, auch wenn es leider nicht nur Ziads gibt. Bei uns wird er immer ein zweites Zuhause haben, und die Karriereleiter weiter nach oben kommen.“
Wie denkt er selbst zurück?
„Mein erster Job war als Abwäscher. Ich war dankbar für jede Chance und arbeitete jeden Tag hart. Schritt für Schritt lernte ich die deutsche Sprache, entwickelte mich beruflich weiter und übernahm immer mehr Verantwortung. Heute arbeite ich als stellvertretender Oberkellner. Wenn ich auf meinen Weg zurückblicke, erfüllt mich das mit Stolz. Nicht wegen des Titels, sondern weil ich weiß, wo ich angefangen habe“, weiß der Bewunderer von Cristiano Ronaldo, den auch in der Hektik der Sommersaison nichts aus der Ruhe bringt. Vom Tellerwäscher zum Kärntner Bua: Darwish, der nun den österreichischen Pass nach all den Jahren hat, ist ein Beispiel für tadellose Integration nach anfänglichen Schwierigkeiten – von dem manche sich eine Scheibe abschneiden können.
Er konnte seine Familie herholen
„Auch privat hat sich mein Leben verändert. Früher war meine Familie weit von mir entfernt, heute kann ich sie wieder bei mir haben. Früher stand ich neben einem Audi und träumte davon, eines Tages selbst einen zu besitzen. Heute fahre ich meinen eigenen. Für viele ist es nur ein Auto – für mich ist es ein Symbol dafür, dass Träume mit Geduld, harter Arbeit und Ausdauer Wirklichkeit werden können“, öffnet sich der Gastronom im Gespräch mit 5 Minuten.
„Heute bin ich österreichischer Staatsbürger“
Wer ihn erlebt im Alltag, als Gast, der merkt: Hier, am Wörthersee, ist jemand glücklich: „Heute bin ich österreichischer Staatsbürger. Das bedeutet mir sehr viel. Österreich hat mir Schutz gegeben, eine neue Heimat und die Möglichkeit, mein Leben neu aufzubauen. Deshalb möchte ich mich von Herzen bei der Republik Österreich und beim österreichischen Volk bedanken. Danke für die Chance, die ich hier bekommen habe, für die Sicherheit, die ich gefunden habe, und für die Möglichkeit, mich zu integrieren und meinen eigenen Weg zu gehen. Ohne diese Unterstützung wäre meine Geschichte nicht dieselbe geworden. Heute denke ich, dass Frieden, Freiheit und Gesundheit die wichtigsten Dinge im Leben sind. Politik sollte Menschen verbinden und nicht trennen. Ich wünsche mir, dass niemand das erleben muss, was viele Menschen in Syrien erlebt haben.“ Was andere denken, kann er nicht beeinflussen.
Ziad schwenkt die Österreich Fahne
Doch Ziad möchte Vorbild sein, schwenkt die rot-weiß-rote Fahne bei der Fußball-WM für sein neues Zuhause: „Ich hoffe, dass meine Geschichte anderen Menschen Mut macht. Egal, wie schwer der Anfang ist – mit Fleiß, Geduld und dem Glauben an sich selbst kann man sein Leben verändern. Österreich ist heute meine zweite Heimat, und dafür werde ich immer dankbar sein.“