Baby litt wochenlang: Vorarlberger Familie verklagt jetzt Nestlé
Wochenlang litt ein Kleinkind unter Erbrechen, Atemnot und starkem Gewichtsverlust. Nun verklagt eine Familie aus Vorarlberg den Lebensmittelkonzern Nestlé.
Wochenlang bangten Eltern aus Vorarlberg um die Gesundheit ihres kleinen Kindes. Tägliches Erbrechen, Atemnot und Gewichtsverlust prägten den Alltag der Familie. Nun zieht das Ehepaar vor Gericht und klagt den Lebensmittelkonzern Nestlé.
Erst nach Fütterungsstopp endete auch das Leiden
Aber der Reihe nach. Anfang des Jahres sorgte ein weltweiter Rückruf einer Nestlé-Säuglingsnahrung für Aufsehen und Schlagzeilen. Grund war eine mögliche Belastung mit dem Toxin Cereulid. Nach Angaben der Vorarlberger Familie traten die gesundheitlichen Probleme ihres Kleinkinds zwischen Mitte November und Ende Dezember 2025 auf. Das Kind habe über Wochen hinweg nahezu täglich erbrochen, unter Atemproblemen gelitten und deutlich an Gewicht verloren, berichteten die „Vorarlberger Nachrichten“ (VN) zuerst. Erst nachdem die betroffene Säuglingsnahrung nicht mehr verwendet worden sei, habe sich der Gesundheitszustand des Kindes wieder gebessert.
Kein Einzelfall?
Die Eltern machen nun Ansprüche nach dem Produkthaftungsgesetz geltend und fordern unter anderem Schmerzengeld sowie Ersatz für den entstandenen Pflegeaufwand. Der Anwalt der Familie sieht den Fall nicht als Einzelfall. Seiner Einschätzung nach könnte es in Österreich deutlich mehr betroffene Familien geben, da die später zurückgerufene Babynahrung im Herbst 2025 noch regulär im Handel erhältlich gewesen sei.
Auch Großkonzerne müssen Verantwortung übernehmen
Zugleich verweist er auf das Ungleichgewicht zwischen einer einzelnen Familie und einem international tätigen Konzern. Mit der Klage wolle man auch ein Zeichen setzen, dass große Unternehmen für mögliche Folgen ihrer Produkte Verantwortung übernehmen müssten.
Rückruf wegen möglicher Verunreinigung
Nestlé hatte Anfang 2026 vorsorglich mehrere Chargen von Säuglingsnahrung zurückgerufen. Hintergrund war eine mögliche Verunreinigung mit Cereulid, einem hitzestabilen Giftstoff des Bakteriums Bacillus cereus, der Magen-Darm-Beschwerden auslösen kann. Als Ursache wurde ein technischer Defekt bei der Reinigung in einem Zulieferbetrieb genannt. Zwar sei das Bakterium im Produktionsprozess beseitigt worden, der Giftstoff könne jedoch im Pulver verblieben sein. Nach dem ersten Produktrückruf im Jänner wurde dieser wenige Wochen später auf weitere Chargen ausgeweitet. Laut Nestlé lagen die bei Kontrollen gemessenen Werte im niedrigen Bereich. Von den Rückrufen waren zudem auch Produkte anderer Hersteller betroffen.