Hasspost im Netz: Bohrn Menas erzwingen Vorstrafe vor Gericht
Das Publizistenpaar Veronika und Sebastian Bohrn Mena geht konsequent gegen Hass im Netz vor. Nach dutzenden Anzeigen und ersten Urteilen wird klar: Wer hetzt, muss mit ernsthaften Folgen rechnen.
Seit Monaten kämpfen Veronika und Sebastian Bohrn Mena gegen digitale Gewalt. Das Ehepaar, bekannt aus politischen TV-Diskussionen, sind Zielscheibe massiver Hasskommentare geworden – von Beschimpfungen bis zu Drohungen. Nach einer „orchestrierten Hasskampagne“ zogen sie sich aus dem öffentlichen Diskurs auf oe24TV zurück und starteten juristische Schritte gegen die Täter. 5 Minuten hat schon mehrmals darüber berichtet.
200 Klagen eingebracht – hunderte Fälle in Arbeit
„Wir haben bisher rund 200 Klagen eingebracht, und hunderte weitere sind in Vorbereitung“, erklärt Sebastian Bohrn Mena. Besonders betroffen seien die Kommentarspalten großer Social-Media-Profile – etwa jener von FPÖ-Politikern wie Mario Kunasek oder Dominik Nepp. Viele der Postings überschreiten längst die Grenzen der Meinungsfreiheit. Verleumdungen, Beleidigungen und Gewaltaufrufe gehören laut Bohrn Mena zum traurigen Alltag.
„Viele begreifen erst vor Gericht den Ernst ihrer Lage“
Besonders heftig trifft es Veronika Bohrn Mena. Sie wird regelmäßig sexistisch beleidigt – als „Klagsfut“ oder „Hure“. „Keine Frau muss sich so etwas gefallen lassen“, betont sie. Ihr Mann ergänzt: „Viele denken, es passiert eh nichts. Aber wenn der Gerichtstermin naht, kippt die Stimmung. Erst vor Gericht merken sie, dass sie eine Vorstrafe riskieren – und bitten dann um Entschuldigung.“ 5 Minuten hat schon mehrmals darüber berichtet.
Wenn Einsicht kommt, ist ein Vergleich möglich
Nicht alle Hassposter landen automatisch mit einer Vorstrafe. Wer sich reuig zeigt, kann auf einen Vergleich hoffen. „Wir wollen keine Existenzen zerstören, sondern Bewusstsein schaffen“, sagt Bohrn Mena. „Wenn jemand ehrlich einsichtig ist, sind wir gesprächsbereit.“ Eine Vorstrafe könne schließlich Jobverlust und andere Konsequenzen nach sich ziehen. Wichtig sei vor allem, dass Täter ihr Verhalten reflektieren.
„Digitale Gewalt ist kein Spaß – sondern bitterer Ernst“
Rechtsanwalt Robert Kerschbaumer, der das Ehepaar vertritt, zieht eine klare Linie: „Wer Hass verbreitet, muss die Verantwortung tragen. Manche Verfahren kosten die Täter über 10.000 Euro.“ Trotzdem gehe es den Bohrn Menas nicht um Rache, sondern um Bewusstsein. Denn Hass im Netz ist kein Kavaliersdelikt – sondern ein ernstzunehmendes gesellschaftliches Problem.
Weniger Hass – aber kein Ende in Sicht
Der Einsatz zeigt Wirkung: Laut Bohrn Mena hat sich die Zahl der Hasskommentare bereits deutlich reduziert. Doch der Kampf ist noch lange nicht vorbei. Die Verfahren sind zeitintensiv und teuer – aber das Ehepaar will nicht locker lassen. „Wir haben den langen Atem, um das durchzuhalten. Es geht nicht nur um uns, sondern um den Schutz aller, die online angegriffen werden“, so Bohrn Mena abschließend.