
Wien knackt 15-Milliarden-Marke: Schulden explodieren weiter
Wien steuert 2026 auf fast 15 Milliarden Euro Schulden zu. Trotz Sparpaket bleibt ein Rekord-Minus. Viele Gebühren steigen -während zentrale Bereiche wie Gesundheit und Bildung weiter Milliarden verschlingen.
Der frisch vorgelegte Voranschlag für das Wiener Budget 2026 sorgt für Diskussionen: Die Stadt wird laut Entwurf auf 14,89 Milliarden Euro Schulden anwachsen – ein neuer Höchststand. Noch 2024 lag die Verschuldung bei 11,9 Milliarden Euro. Ein eklatanter Unterschied, der trotz Sparpaket kaum gebremst werden konnte.
2,63 Milliarden Euro fehlen – trotz Einsparungen
2026 klafft ein Loch von 2,63 Milliarden Euro im Haushalt. Die Einnahmen von 19,51 Milliarden Euro reichen bei weitem nicht aus, um die geplanten Ausgaben von 22,14 Milliarden Euro zu decken. Laut Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ) hätten Konsolidierungsschritte bereits gegriffen – doch die Teuerung, steigende Personalkosten und schwankende Ertragsanteile des Bundes würden den Spielraum massiv belasten.
Gesundheit frisst 33 Prozent – Bildung 23 Prozent
Die größten Ausgabeposten bleiben unverändert: Ein Drittel fließt in Gesundheit und Soziales, fast ein Viertel in den Bildungsbereich. Umwelt (9 Prozent), Wohnen und Frauen (4 Prozent), Verkehr und Kultur (je 2 Prozent) folgen mit deutlichem Abstand. Der Rest entfällt auf Verwaltung und Finanzen.
Sparpaket mit spürbaren Folgen für die Bevölkerung
Um das Minus zu drücken, wurden zahlreiche Maßnahmen beschlossen – viele davon heftig umstritten. Die Wohnbauförderung wird teurer, die Öffi-Preise steigen, die 365-Euro-Jahres-karte verschwindet. Auch die Ortstaxe wird angehoben. Bei der Mindestsicherung und bei Bauprojekten wird gekürzt, die U5 wird erst Jahre später fertig. Laut Rathaus seien die Kürzungen „sozial verträglich“. Städtische Kindergärten bleiben etwa beitragsfrei, auch das kostenlose Mittagessen in Ganztagsschulen bleibt.
Von 3,8 auf 3,25 Milliarden Minus – das heurige Bild
Für 2025 rechnet Wien nun mit einem Defizit von 3,25 Milliarden Euro – weniger als die ursprünglich angenommenen 3,8 Milliarden. Und auch 2026 soll das Minus um rund 600 Millionen gedrückt werden. NEOS-Wirtschaftssprecher Markus Ornig betont, „jeder Stein“ sei geprüft worden, bevor gekürzt wurde. Trotzdem bleiben viele Fragen offen, wie die Stadt langfristig finanziell stabilisiert werden soll.
Wien trägt mehr als die Hälfte zum Landes-Defizitabbau bei
Im Rathaus betont man, dass Wien im Vergleich der Länder den größten Beitrag zum Abbau der Maastrichter Defizite leistet. Der staatliche Finanzierungssaldo entspricht der Differenz von Einnahmen und Ausgaben des gesamten Staatssektors. Sind die Ausgaben einer Periode höher als die Einnahmen, ergibt sich ein negativer Finanzierungssaldo (Defizit). Allerdings sei ein Vergleich schwierig, weil Wien zugleich Gemeinde und Land ist – die Schulden der anderen Gemeinden tauchen in deren Landesbudgets nicht auf.
Abstimmung im Dezember
Am 16. und 17. Dezember wird das Budget im Gemeinderat diskutiert und beschlossen. Finanzstadträtin Novak spricht von einem „achtsamen, effizienten und sozial ausgewogenen“ Budget. Ob die Wienerinnen und Wiener das ähnlich sehen werden, bleibt offen.