Risse in Wohnungen: Anrainer verärgert über U-Bahn-Baustelle
Unmut bei Anrainern rund um die U-Bahn-Baustelle Pilgramgasse. In ihren Wohnungen sind Risse in den Wänden aufgetreten, der Putz ist herabgebröckelt.
Die Wiener Linien versicherten, dass diese Schäden gemeinsam mit den Bauunternehmen behoben werden. „Die Situation bei der Pilgramgasse ist stabil und wir haben alles im Griff“, hieß es in der Stellungnahme der Wiener Linien.
Verschiebungen des Erdreichs
„Beim U-Bahn-Ausbau U2xU5 handelt es sich um das größte Klimaschutz- und Infra-strukturprojekt des Jahrhunderts“, betonte die städtische Öffi-Gesellschaft. Man arbeite im „dichtbebauten innerstädtischen Raum in bis zu 30 Metern Tiefe wie durch ein Gebirge unter der Erde – da kommt es auch zu Verschiebungen des Erdreichs, das ist im Tunnelbau normal“. Bei einer Tunnelsohle bei der Pilgramgasse hätten diese Verschiebungen zu Schäden geführt.
Vier-Zentimeter-Riss
Der Präsident des Verbandes der Ziviltechniker- und Ingenieurbetriebe, Thomas Hoppe, bezeichnete im ORF-„Mittagsjournal“ demgegenüber den Vorfall als nicht üblich. Jedenfalls würde jeder Statiker, „der in einem tragenden Bauteil aus Stahlbeton einen Vier-Zentimeter-Riss sieht, Sofortmaßnahmen anordnen“. Gerade bei den Wiener Linien würden aber Überraschungen im Tiefbau – soweit möglich – minimiert.
250 Probebohrungen im Umfeld
„Beim Bau von U-Bahn-Tunnel kann es zu Erdbewegungen kommen“, betonten die Wiener Linien. „Um diese gut abhandeln zu können, beginnen wir schon lange vor dem schweren Tiefbau mit den Vorbereitungen.“ Erstens habe es 250 Probebohrungen im Umfeld der künftigen U-Bahntrasse gegeben, die Aufschluss über die Bodenbeschaffenheit gebracht hätten und in ein geologisches 3D-Modell eingearbeitet worden seien. Zweitens seien die Häuser im Umfeld der Bauarbeiten vorab begutachtet und die Beschaffenheit analysiert worden. Es seien drittens 3.000 Schächte in den Häusern entlang der Trasse für fundierte Voruntersuchungen gegraben worden. Wenn nötig, würden viertens Bodenplatten betoniert und Keller verstärkt. „All dies schon, um bereits vor Baubeginn vorbereitet zu sein“, hieß es seitens der Wiener Linien.
„Dichtes Netz an Mess- und Überwachungssystemen“
Während dem Bau setze man „auf ein dichtes Netz an Mess- und Überwachungssystemen“: Dazu würden „Hunderte“ Messpunkte an Gebäuden im Bereich über der Trasse laufend gemonitort. Auch kritische Bereiche „wie Arbeitsplattformen und Stützmauern wie zum Beispiel beim Wienfluss oder auch in unseren Schächten“ überwache man „permanent, um sofort reagieren zu können“. Spezialisierte Fachbüros und Vermessungsteams würden „alle Daten“ permanent auswerten, „sodass wir jederzeit ein präzises Bild der Situation haben“, betonten die Wiener Linien. „Wenn notwendig können wir umgehend Maßnahmen setzen, wie unter anderem Bodeninjektionen im Umkreis der Bauarbeiten, die umgehend für einen stabilen Untergrund sorgen.“
Täglich „im Austausch mit den Menschen vor Ort“
Außerdem wurde betont, dass sich die Ombudsstellen der Wiener Linien um die Anliegen der Anrainer kümmern würden. Die Grätzlbetreuer seien täglich „im Austausch mit den Menschen vor Ort“. Sie würden auch Schadensmeldungen entgegennehmen, diese dokumentieren und, wenn nötig, umgehend Sofortmaßnahmen veranlassen. „Schäden, die tatsächlich durch die Bauarbeiten verursacht wurden, sind voll durch eine Versicherung gedeckt. Die Wiener Linien legen eine Schadenmeldung an, leiten diese an die Versicherung weiter und veranlassen unmittelbare Sicherungsmaßnahmen, wenn dies erforderlich ist“, hieß es. (APA/Red, 5.12.2025)