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/ ©pexels.com
Bild auf 5min.at zeigt eine Frau mit einem Blindenstock.
Durch internationale Kooperationen stehen den Nutzern sogar über eine Million Titel in 90 Sprachen zur Verfügung - per App oder als CD per Post.

Förderstopp gefährdet einzige Hörbücherei für Blinde in Österreich

Der Hörbücherei des BSVÖ drohen massive Kürzungen. Als einzige Spezialbibliothek für Menschen ohne Zugang zu gedruckten Texten steht ihre Zukunft auf dem Spiel.

von Andrea Lautmann
2 Minuten Lesezeit(348 Wörter)

Die Hörbücherei des Blinden- und Sehbehindertenverbands Österreich (BSVÖ) in Wien-Hietzing steht vor einer existenziellen Krise. Vier Bundesländer – Oberösterreich, Niederösterreich, Tirol und Vorarlberg – wollen ab 2026 ihre Förderungen streichen. Die Einrichtung, die zu 90 Prozent von öffentlichen Mitteln abhängig ist, warnt vor dramatischen Folgen.

„Wir wissen nicht, wie es weitergeht“

Laut stellvertretender Leiterin Marion Puhl laufen Gespräche mit den Ländern, doch die Hoffnung auf eine Lösung ist gering. Der plötzliche Förderstopp bringt die Hörbücherei, die nur rund zehn Prozent ihrer Mittel selbst aufbringt, in eine Schieflage. Besonders brisant: Über manche Kürzungen erfuhr die Bibliothek erst über Medienanfragen.

Unverzichtbar für tausende Betroffene

Die Hörbücherei ist die einzige Einrichtung dieser Art in Österreich. Sie unterstützt Menschen, die keine gedruckten Texte lesen können – darunter Blinde, Sehbehinderte, Menschen mit MS, Arthritis, Lernbehinderungen oder Senioren, die auf CDs angewiesen sind. Leiter Alexander Guano warnt: Der Wegfall der Förderung gefährde chancengleiche Bildung und gesellschaftliche Teilhabe.

Hörbücher sind nicht gleich Hörbücher

Zwar argumentieren manche Bundesländer, Betroffene könnten Hörbücher selbst kaufen – doch laut BSVÖ greift das zu kurz. Nur etwa 30 Prozent der Neuerscheinungen erscheinen kommerziell als Hörbuch, Sachliteratur meist gar nicht und oft nur in gekürzten Fassungen. Die Hörbücherei schließt eine Lücke, die keine andere Institution abdecken kann.

Über eine Million barrierefreie Titel verfügbar

Mit jährlich rund 120 neuen Produktionen, barrierefrei aufbereiteten Magazinen und 17.000 vorhandenen Medien ist die Hörbücherei unverzichtbar. Durch internationale Kooperationen stehen den Nutzern sogar über eine Million Titel in 90 Sprachen zur Verfügung – per App oder als CD per Post.

BVSÖ fordert erneute Prüfung der Entscheidung

Der Verband appelliert an die Politik, Menschen mit Behinderungen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht zusätzlich zu belasten. Sollte der Förderstopp 2026 tatsächlich greifen, könnte die Hörbücherei ihre Arbeit nicht fortführen. Der BSVÖ fordert daher dringend eine Neubewertung der Entscheidung.

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