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Bild auf 5min.at zeigt das NHM Wien
Das Projekt „Fäden der Vergangenheit“ rückt unscheinbare Grabfunde in das Rampenlicht der modernen Archäologie.

NHM Wien zeigt neue Einblicke in bronzezeitliche Schmuckkunst

Was trugen die Menschen vor 4.000 Jahren, um ihren Status und ihre Identität auszudrücken? Ein internationales Forschungsteam hat die Grabbeigaben der frühen Bronzezeit aus Österreich und Polen mikroskopisch untersucht.

von Nadia Alina Gressl Bild auf 5min.at zeigt Nadia Alina Gressl
2 Minuten Lesezeit(466 Wörter)

In der frühen Bronzezeit vor über 4.000 Jahren gaben Menschen in Mitteleuropa ihren Verstorbenen kleine Schätze mit in ihre Gräber: filigrane Perlen aus Muscheln, Schneckenhäusern und Glas, glänzende Nadeln und Dolche aus Bronze sowie Haarringe aus Gold. Diese Gegenstände waren mehr als nur Schmuckstücke – sie drückten Identität, Status und weitreichende Verbindungen aus. Das internationale Forschungsprojekt „Fäden der Vergangenheit: Schmuck in Gräbern der frühen Bronzezeit” rückte diese unscheinbaren Objekte nun ins Rampenlicht und ab sofort ist dieser Schmuck in zwei neuen Vitrinen im Saal 11 des NHM Wien für die Öffentlichkeit ausgestellt.

Gefördertes Projekt

Ein Team aus polnischen und österreichischen Forscher der Polnischen Akademie der Wissenschaften, der Adam-Mickiewicz-Universität Poznań, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Universität Wien (VIAS) und des Naturhistorischen Museums Wien untersuchte in einem zweijährigen Forschungsprojekt die Schmuckensembles der bedeutenden frühbronzezeitlichen Gräberfelder von Gemeinlebarn (Niederösterreich) und Krzyżanowice Dolne 81 (Polen). Gefördert wurde das Projekt von der Polnischen Nationalagentur für Akademischen Austausch und dem OeAD. Ziel war es zu verstehen, wie diese Ornamente getragen, auf der Kleidung befestigt und im Grab arrangiert worden waren – und welche Geschichten sie über das Leben der Menschen jener Zeit erzählen.

Im Zentrum …

… standen Perlen und Anhänger aus Muscheln und Schneckenhäusern. Die Analyse mikroskopischer Bearbeitungsspuren belegt, wie unterschiedlich die Handwerker*innen bei der Herstellung vorgingen: In Gemeinlebarn wurden Schneckenhäuser lediglich an einer Seite angeschliffen, sodass ein Loch entstand. Ihre Form blieb erhalten. Anschließend wurden die Schnecken auf Textilen aufgenäht. In Krzyżanowice hingegen wurden große Muscheln zunächst in Stücke gebrochen, zu kleinen Plättchen zugeschnitten, durchbohrt und zuletzt zu runden Scheibenperlen geschliffen. Die Position der Perlen innerhalb der Bestattungen zeigt an, dass sie aufgefädelt und als Ketten getragen wurden. Teilweise fanden sich in den Perlen auch noch Spuren mineralisierter Pflanzenfasern und Fadenreste. Für die Forschung sind diese Überreste ein Glücksfall, da sie sehr selten erhalten sind und neue Einblicke in die Kleidung und Schmuckpraxis der frühen Bronzezeit eröffnen.

Lokale und überregionale Beziehungen

Zugleich zeigen die Schmuckstücke ein dichtes und weites Netz von lokalen und überregionalen Beziehungen auf. Die Scheibenperlen in den Gräbern aus Krzyżanowice wurden etwa aus Süßwassermuscheln geschnitzt, welche die Menschen in lokalen Flüssen aufsammelten. Im Gegensatz dazu handelt es sich in Gemeinlebarn um Schnecken der Gattung Columbella rustica, die von den Küsten des Mittelmeeres stammen. Diese Entdeckungen zeigen: Die Bronzezeit war keine isolierte Welt, sondern ein lebendiges Geflecht mit weitverbundenen Fäden aus Kontakten, Ideenaustausch und handwerklicher Meisterschaft. Noch bis zum 14. Februar 2026 können die Ergebnisse des Projektes „Fäden der Vergangenheit” in Saal 11 des Naturhistorischen Museums Wien bewundert werden.

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