Darf sogar im Bett schlafen: Niederösterreicher rettete Taube Dorothea
Taube Dorothea schläft im Ehebett der Familie Bübl im niederösterreichischen Ernstbrunn. Sie gilt als vollwertiges Familienmitglied. Im Gespräch mit 5 Minuten erzählt Schlossermeister Michael Bübl uns seine Geschichte.
Es war der 25. September des Vorjahres. Vis a vis vor einem Wirtshaus in Ernstbrunn stand eine Menschengruppe am Parkplatz, unterhielt sich. Daneben, am Asphalt, da lag etwas. Von der Ferne sah es aus wie ein großer, grauer Stein. Michael Bübl und seine Frau waren gerade im Auto unterwegs, beobachteten das Szenario erst nur aus der Ferne. Sie konnten nicht gleich erkennen, was es war. Doch dann: das kleine, graue Ding, es schien sich zu bewegen. Es zuckte auf einmal.
Mann kickte die Taube einfach mit dem Fuß auf die Straße
Die Gruppe am Parkplatz schien sich nicht dafür zu interessieren. Einer trat dann jedoch aus der Menge hervor und stieß das kleine Häufchen mit seinem Fuß einfach auf die Straße. Michael sah nochmal genauer hin und er konnte erkennen, dass es sich um eine verletzte Taube handelte. Der Fremde hatte das hilflose Tier einfach weggetreten. Es blieb mitten auf der Straße liegen, Autos brausten vorbei, niemand hielt an.
„Bin wie Harrison Ford aus dem Auto rausgesprungen und hab mich auf die Taube draufg’haut, um sie zu schützen!“
Michael reagierte sofort. Als Einziger. Er hielt sein Auto an, sprang hinaus und warf sich schützend auf die Taube. „Der Anblick war entsetzlich“, schildert er. Das Gefieder zerfetzt, die Augen geschlossen, ein Flügel stand seitlich ab, war offensichtlich gebrochen. Mit Ausnahme einiger winziger Zuckungen bewegte sich die Taube nicht. Der Schlossermeister hatte großes Mitleid. Er wollte unbedingt helfen.
Mit nach Hause und ab unter die Dusche
Zuhause angekommen stellte er der Taube eine Schüssel mit Wasser bereit. Dann wusch er ihr klebriges Gefieder, baute ihr anschließend ein Nest aus Handtüchern. Nun hieß es die erste Nacht abwarten – und hoffen. Und siehe da, am nächsten Morgen saß die junge Taube bereits aufrecht da.
Tierarzt riet dazu, die Taube einschläfern zu lassen
Es galt nun, keine Zeit zu verlieren. Michael fuhr zum Tierfachmarkt und kaufte Vogelfutter, direkt danach zum Tierarzt, um den gebrochenen Flügel zu behandeln. Dort sagte man ihm zu seinem Bedauern, dass man den Flügel nicht mehr retten könne. Zwei andere Tierärzte sagten dasselbe, einer riet sogar zur Einschläferung. Aber das kam für den 60-Jährigen nicht infrage.
Selbstgebautes Gitter als Stütze für gebrochenen Flügel
Ganz vorsichtig bog Michael den zarten Flügel zurecht und stabilisierte ihn mithilfe eines selbst gebauten Gitters, das er unterhalb anbrachte. Zeitgleich fütterte er das Tier ein paar Tage lang mit einer Pinzette, damit es wieder zu Kräften kam. Nach etwa einer Woche war es dann so weit: Das Gitter konnte entfernt werden, die Taube flatterte mit den Flügeln. Es folgten etliche Flugübungsstunden, Muskelaufbau-Trainings und viel Geduld. Dann gelang es schließlich: Die ehemalige Brieftaube konnte wieder fliegen.
Hast du Haustiere?
Nach ihrem ersten Flug erhielt sie den Namen „Dorothea“
Es war punkt 12 Uhr. Auf Radio Niederösterreich hörte man die Glocken der Nachbarsgemeinde Poysbrunn läuten. Da setzte die Taube zum Flug an. Sie landete direkt auf dem Holzkreuz, das an der Wand hing. Und, als wäre es ein Zeichen, hörte man gleichzeitig den Moderator sagen, dass das Glockenläuten der „Heiligen Dorothea“ gewidmet sei. Sofort war klar: Die Taube sollte Dorothea heißen.
Dorothea denkt nicht daran, wegzufliegen
Heute ist Dorothea bereits über ein halbes Jahr lang Teil der Familie Bübl. Gemeinsam mit dem 12-jährigen Kater Gusti macht sie das große Haus samt Garten unsicher. Wegfliegen könnte sie jederzeit, doch darauf hat die ehemalige Brieftaube so gar keine Lust. Viel lieber lässt sie sich von Michael den Bauch kraulen, gurrt, frisst feinste Körner.
Taube schläft sogar mit im Ehebett
Egal, ob bei der Arbeit im Kundendienst, bei Ausflügen oder einfach beim gemütlichen Zusammensein: Dorothea ist eigentlich immer überall dabei. Sogar im Ehebett der Bübls darf sie es sich nach Belieben gemütlich machen. Was einst wie ein grauer Stein am Asphalt lag, ist jetzt ein Familienmitglied, das niemand mehr missen möchte. Eine rührende Geschichte, die zeigt, wieviel Gutes ein einzelner Mensch bewirken kann.