Damit sie sicher die Straße überqueren können: Tunnel für Frösche, Kröten und Reptilien
Tausende Amphibien werden im Wienerwald jedes Jahr beim Überqueren der Straße von Autos überfahren - vor allem zwischen Hanslteich und der Marswiese. Nun soll ein Tunnelsystem die Tiere vor dem Straßentod retten.
Seit einem Jahrzehnt engagiert sich der Verein gegen Tierfabriken, kurz VGT, für den Schutz von Amphibien in Hernals, direkt an der Grenze zu Penzing. Immer wieder wies der Verein darauf hin, dass im Bereich Schottenhof – trotz eines bereits existierenden Tunnels – dringender Handlungsbedarf besteht, da dort jährlich tausende Tiere im Wienerwald überfahren werden. In den letzten Jahren übernahm eine Gruppe selbstorganisierter Ehrenamtlicher mit Unterstützung des Naturschutzbundes die Betreuung dieses Streckenabschnitts.
Bis August soll Tunnelsystem fertiggestellt sein
Parallel dazu war der VGT mit rund 100 Freiwilligen sieben Jahre lang im Dauereinsatz: Zwischen Hanslteich und Marswiese, knapp einen Kilometer stadteinwärts, retteten sie tausende streng geschützte Amphibien vor dem Straßentod. Jetzt gibt es eine dauerhafte Lösung: Die Bauarbeiten für ein neues Tunnelleitsystem haben begonnen, das auch Reptilien und Kleinsäugern Schutz bietet. Bis August wird der Abschnitt Schottenhof fertiggestellt, danach folgt der Hanslteich. Die Kosten teilen sich die Bezirke Penzing und Hernals, wobei der Großteil des Projekts in Hernals realisiert wird.
„Wir Menschen leben nicht isoliert, sondern als Teil der Natur. Bevor wir das nicht verstanden haben, sägen wir auf dem Ast, auf dem wir selbst sitzen.“ Projektleiterin Mag. a. Heidi Lacroix
Mithilfe der Stadt Wien konnte das Projekt umgesetzt werden
Projektleiterin Mag.a Heidi Lacroix: „Wir danken der Stadt Wien – Umwelt und den Bezirksvorstehungen Hernals und Penzing, mit deren Hilfe dieses wichtige Projekt nun endlich umgesetzt werden kann. Die politische Vertretung zeigt hier vor, wie verantwortungsbewusster Tier- und Artenschutz funktionieren muss. Wir wünschen uns dieses Bereitschaft und dieses Engagement auch für das restliche Österreich, wo verzweifelte Amphibien-Retter seit vielen Jahrzehnten auch auf nachhaltige Schutzmaßnahmen für Tiere hoffen. Den Kritiker des Projekts sei gesagt, dass es einerseits eine gesetzliche Verpflichtung zum Erhalt geschützter Arten gibt. Andererseits müssen wir uns auch die Frage stellen, was uns als Menschheit die Rettung von Arten, die akut vom Aussterben bedroht sind, wie Amphibien auch, wert ist. Schreitet das Artensterben weiter ungebremst voran, droht der Kollaps des kompletten Ökosystems. Wir vom VGT werden uns jedenfalls weiter dafür einsetzen, dass Tiere besser geschützt werden statt dass ihr Lebensraum immer weiter vernichtet wird. Zum Glück gibt es viele Menschen, denen der Wert der Natur ebenso bewusst ist, wie uns.“