Drogenkonsum in Wien steigt: Wunsch nach mehr Beratungen
In Wien nimmt der Drogenkonsum zu, während Fachleute gleichzeitig vor neuen, gefährlichen Substanzen warnen. Parallel dazu wächst der Bedarf an professioneller Beratung.
Die Bundeshauptstadt verzeichnet einen Anstieg des Drogenkonsums, begleitet von Expertenwarnungen vor neuartigen, riskanten Substanzen. Das berichtet am heutigen Freitag der ORF Wien. Trotz der folglich steigenden Nachfrage nach Betreuungsangeboten werde die Arbeit von Trägern wie dem Verein „Dialog“ durch finanzielle Einsparungen aber massiv erschwert.
Kokain ziehe sich mittlerweile durch alle Schichten
Der Zuwachs lässt sich vor allem durch die hohe Verfügbarkeit von Kokain erklären, dessen Preis zudem gesunken ist, betont Ursula Zeisel vom Verein „Dialog“ in „Wien heute“. Die Droge bedient aktuelle gesellschaftliche Sehnsüchte: Sie verspricht vermeintliche Leistungssteigerung, eine höhere Stressresistenz und eine optimierte Performance. Entsprechend zieht sich der Konsum mittlerweile durch alle sozialen Schichten.
Immer mehr Menschen erkennen Drogenprobleme
„Wir bemerken schon, dass es vermehrt Anfragen von Personen gibt, die ein Problem mit dem Kokainkonsum haben. Also wirklich Konsumenten und Konsumentinnen selbst wenden sich an uns. Wie auch in der Angehörigenberatung ist das ein großes Thema, und in Präventionsveranstaltungen hören wir das auch“, so Zeisel weiter.
Das zeigte sich auch am Donauinselfest
Dass Beratung stark gefragt ist, belegt der Einsatz der Festivalseelsorge beim Donauinselfest. Viele junge Menschen wandten sich an das Team, weil sie entweder bei sich selbst oder bei Freunden ein problematisches Drogenkonsumverhalten wahrnehmen. Ein starker Zulauf sowohl bei Erwachsenen als auch bei Jugendlichen zeige sich auch bei „Dialog“. Der Verein ist zudem auch in der Prävention tätig, die sehr breit gefächert ist.
Einsparungen erschweren Drogenhilfe
Die Diskrepanz zwischen dem großen Beratungsbedarf in Wien und den sinkenden finanziellen Mitteln der Hilfsorganisationen verschärft sich. Diese Entwicklung ging auch an „Dialog“ nicht spurlos vorüber, wie Zeisel bestätigt. Mit dem Wegfall der spezifischen Beratungsstelle habe sich das Problem nicht gelöst – die Betroffenen mit Fragen zu den Themen Sucht und Beschäftigung weichen nun auf andere Einrichtungen von „Dialog“ aus. Auch im Bereich der Alkoholhilfe machen sich die Kürzungen bemerkbar, da Betreuungsschlüssel reduziert wurden oder die Hilfe für Alkoholkranke gänzlich entfällt.